Urdorf/Spreitenbach
Da half auch die Entwarnung nichts: Urdorfer Erdbeeren konnten nach Brand in Spreitenbach nicht mehr gerettet werden

Die Agroservice GmbH musste ihre Erdbeerernte nach zwei von vier Wochen wegen der allfälligen Auswirkungen des Grossbrands in Spreitenbach einstellen. Ob sie einen Schadenersatz erhält, ist noch immer unklar.

Virginia Kamm
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Faustgrosse Kohleklumpen landeten nach dem Grossbrand in Spreitenbach auf dem Erdbeerfeld der Agroservice GmbH in Urdorf.

Faustgrosse Kohleklumpen landeten nach dem Grossbrand in Spreitenbach auf dem Erdbeerfeld der Agroservice GmbH in Urdorf.

Severin Bigler

Rund einen Monat ist der Grossbrand in Spreitenbach nun zwar schon her. Doch für Christina Huber vom Landwirtschaftsbetrieb Agroservice GmbH in Urdorf sind die Auswirkungen immer noch spürbar. Kurz nach dem Brand beschlossen sie und Hanspeter Huber, dass sie ihre Erdbeeren der Kundschaft nicht mehr zumuten können. Russ- und Brandpartikel waren mit dem Wind bis nach Urdorf gelangt und zwischen den Pflänzchen liessen sich faustgrosse Kohleklumpen finden. Rund 14'000 Erdbeerkistchen und damit sieben Tonnen der süssen Beeren verfaulten in den kommenden Tagen auf dem Feld gleich beim Parkplatz Zwischenbächen.

«Mein Produzentinnen-Herz blutet», sagte Christina Huber Anfang Juni gegenüber der «Aargauer Zeitung».

«Mein Produzentinnen-Herz blutet», sagte Christina Huber Anfang Juni gegenüber der «Aargauer Zeitung».

Severin Bigler

Da half es auch nichts mehr, dass knapp zwei Wochen nach dem Brand die Entwarnung aus dem Kanton Aargau folgte. Das Departement Bau, Verkehr und Umwelt teilte mit, dass die Aschewolke den Boden nicht merklich belastet habe und die Ernte daher unbedenklich sei. «Das kam für uns zu spät», sagt Christina Huber auf Anfrage.

Otelfinger Erdbeeren machten Verlust nicht wett

Der Brand hat sich nach genau zwei von vier Erntewochen der Agroservice GmbH ereignet. Zum Zeitpunkt der Entwarnung war die Erntezeit also so oder so bereits zu Ende. Noch eine Woche lang konnte man in Urdorf stattdessen Erdbeeren aus Otelfingen kaufen, «damit die Erntezeit nicht so ein abruptes Ende nahm», wie Huber sagt. Damit konnte der Verlust aufgrund des Wegfalls der eigenen Erdbeeren allerdings nicht wettgemacht werden. Zahlen zum finanziellen Schaden nennt Huber keine.

Ob der Landwirtschaftsbetrieb einen Schadenersatz erhalten wird, ist noch unklar: «Wir hatten Kontakt mit der Kantonspolizei Aargau und haben ein Gesuch eingereicht», sagt Huber. «Seither haben wir aber nichts mehr gehört.» Beim Kanton Aargau heisst es auf Anfrage, dass die Haftungsfrage noch offen sei. Bis heute seien bei der Kantonspolizei rund 25 Schadenmeldungen eingegangen.

Sie hat Verständnis für die Behörden

«Der Vorfall hat uns mitten in der Ernte und damit in einer blöden Situation getroffen», sagt Huber. Und:

«Genau in den zwei Wochen, in denen wir auf das Resultat der Analysen gewartet haben, hätten wir noch ernten können.»

Trotzdem macht sie den Behörden keinen Vorwurf: «Ich verstehe, dass man die Bodenproben gründlich überprüfen wollte», sagt sie. Erleichtert sei sie darüber, dass der Brand keine bedenklichen Auswirkungen auf den Boden gehabt habe. «So konnten wir nun schon Neues ansähen.» Hätte sie zuerst Schadstoffe aus dem Boden entsorgen müssen, wären noch mehr Kosten entstanden.

Die verfaulten Erdbeeren dürfen nicht zu lange auf dem Feld liegen bleiben, erklärt Huber. «Sonst können Pilze entstehen und Essigfliegen angelockt werden.» Deshalb befindet sich auf dem Feld nun eine Zwischenbegrünung, bis nächstes Jahr auf dem gleichen Areal, allerdings etwas versetzt, wieder neue Erdbeeren wachsen.