Unterengstringen/Schlieren
Limmatufer als Müllhalde missbraucht – die Abfall-Touren der Gemeinde sind länger geworden

Das schöne Wetter zieht viele Besucher an die Limmat. Dabei bleibt auch viel Abfall liegen. Vom Autoreifen bis zum Gummiboot ist alles mit dabei. Seit dem Ausbruch des Coronavirus und der damit verbundenen Einschränkung an Freizeitangeboten wurde der Abfall an der Limmat zu einem noch grösseren Problem.

Hans-Caspar Kellenberger
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Nach den Wochenenden häuft sich der Abfall an der Limmat. Seit 2020 hat die Menge an Unrat noch einmal zugenommen. Vor allem Take-away-Abfälle sind ein Problem.

Nach den Wochenenden häuft sich der Abfall an der Limmat. Seit 2020 hat die Menge an Unrat noch einmal zugenommen. Vor allem Take-away-Abfälle sind ein Problem.

Chris Iseli

Der Abfall häuft sich entlang der Limmat. Seit dem Coronajahr 2020 haben es die Mitarbeiter der Gemeinde Unterengstringen mit grösseren Mengen Unrat zu tun als je zuvor. Am Montagmorgen um 7 Uhr beginnt für die Werksmitarbeiter jeweils die erste Abfalltour. Diese wird nur wegen der Wochenenden durchgeführt, weil dann am meisten Abfall zusammenkommt.

Jeweils am Sonntag macht die Firma ISS zudem eine Sondertour entlang der Limmat, um dem Abfall Herr zu werden. Diese wurde nach einer Vielzahl von Reklamationen wegen Litterings am Limmatufer eingeführt. Die Sondertouren finden von April bis im Oktober statt. Doch sie reichen nicht aus. Die Werksmitarbeiter der Gemeinde Unterengstringen sind am Montag manchmal bis zu sieben Stunden unterwegs, nur um das Limmatufer erneut zu säubern, ehe am Donnerstag die zweite Abfalltour stattfindet.

Die Gemeinde Unterengstringen geht nach Wochenenden auf Sonderschichten dem Abfall in der Gemeinde nach, vor allem am Limmatufer und hier beim nahe gelegenen Parkplatz Langwiesen, einem Abfall-Hotspot.

Die Gemeinde Unterengstringen geht nach Wochenenden auf Sonderschichten dem Abfall in der Gemeinde nach, vor allem am Limmatufer und hier beim nahe gelegenen Parkplatz Langwiesen, einem Abfall-Hotspot.

Chris Iseli

Der Abfall ist Problem aller Gemeinden

«Wir arbeiten eng mit Schlieren zusammen, da alle das selbe Problem haben», sagt Ralph Pfister, seit 2013 Werk- und Brunnenmeister in Unterengstringen. Unter anderem lief eine Plakatkampagne beider Gemeinden, die 2020 lanciert wurde, dieses Jahr schon früher an.

Die von Unterengstringen und Schlieren lancierte Plakatkampagne macht auf das Littering-Problem entlang der Limmat aufmerksam.

Die von Unterengstringen und Schlieren lancierte Plakatkampagne macht auf das Littering-Problem entlang der Limmat aufmerksam.

Chris Iseli

Corona ist auch ein Abfallvirus

Ralph Pfister ist Werk- und Brunnenmeister der Gemeinde Unterengstringen. Der gelernte Bauspengler wohnt seit 1978 im Dorf.

Ralph Pfister ist Werk- und Brunnenmeister der Gemeinde Unterengstringen. Der gelernte Bauspengler wohnt seit 1978 im Dorf.

Chris Iseli

«Wegen Corona wichen die Leute ans Limmatufer aus, um sich zu treffen. Mit den Öffnungsschritten normalisiert sich das hoffentlich wieder», sagt Pfister. «Seit Corona haben wir das Dreifache der normalen Abfallmenge an der Limmat. So etwas wie 2020 haben wir hier noch nie gesehen.»

Wie sich die neuerlichen Lockerungen der Coronamassnahmen auf die Abfallmenge an der Limmat nach den Wochenenden auswirken, könne man noch nicht abschätzen. «Unter der Woche ist es aber bereits weniger Abfall», sagt Pfister.

Die Abfall-Hotspots seien der Parkplatz Langwisen sowie der Kiesplatz bei der Grillstelle zwischen Kloster Fahr und Schützenhaus. «Da kann man mit dem Auto hinfahren und gelangt direkt ans Wasser. Leute entsorgen hier einfach ihren Müll im hohen Gras», sagt der 49-jährige Werkmeister. Die Arbeiter finden hier bisweilen ganze Kühlschränke.

Rund um den Container zwischen Kloster Fahr und Schützenhaus häufen sich Take-away-Abfälle.

Rund um den Container zwischen Kloster Fahr und Schützenhaus häufen sich Take-away-Abfälle.

Tobias Stadelmann
Er macht die Abfalltour am Montag: Tobias Stadelmann, Werksmitarbeiter in Unterengstringen.

Er macht die Abfalltour am Montag: Tobias Stadelmann, Werksmitarbeiter in Unterengstringen.

Chris Iseli

Bei dieser Tour entdeckt Werkmitarbeiter Tobias Stadelmann eine kaputte Wohnzimmer-Lampe – direkt am Fluss. Keine Seltenheit auf der montäglichen Abfalltour. Das Schlimmste für den 44-jährigen Stadelmann sind Scherben von Flaschen, die in die Limmat geworfen oder an der Grillstelle zurückgelassen werden. «Es könnten so auch Tiere verletzt werden», sagt Stadelmann, der wie Pfister in Unterengstringen wohnt.

«Wir haben zusätzliche Infrastruktur aufgestellt, damit die Leute ihren Abfall entsorgen können», sagt Stadelmann. Etwa beim Parkplatz Langwisen. Die Gemeinde hat dort 800-Liter-Container installiert, die nach den Wochenenden jeweils randvoll sind. Darüber hinaus ist der Abfall aber auch rund um die Entsorgungsstelle verteilt. Sogar die Robidog-Kästen sind jeweils voll mit Pizzaschachteln.

Robidog-Kästen an der Limmat werden als Entsorgungsstelle benutzt.

Robidog-Kästen an der Limmat werden als Entsorgungsstelle benutzt.

Tobias Stadelmann

Auch rund um den zusätzlichen Abfallcontainer muss dieses Mal wieder herumliegender Müll entsorgt werden. «Selbst wenn der Container leer ist, stellen manche Menschen den Abfall einfach daneben. Die Infrastruktur muss genutzt werden, wenn sie angeboten wird», sagt Stadelmann. Wenn die Müllsäcke einfach neben dem Container liegen, werden sie von Tieren aufgerissen und der Müll verteilt. Bisweilen dauert alleine das Aufräumen auf dem Parkplatz Langwisen rund 45 Minuten.

Beim Parkplatz Langwisen in Unterengstringen wurden ein zusätzlicher Abfallcontainer und ein Toi-Toi-WC aufgestellt. Trotzdem sammelt sich der Abfall nach den Wochenenden rund um den Parkplatz.

Beim Parkplatz Langwisen in Unterengstringen wurden ein zusätzlicher Abfallcontainer und ein Toi-Toi-WC aufgestellt. Trotzdem sammelt sich der Abfall nach den Wochenenden rund um den Parkplatz.

Chris Iseli

Der Dietiker «Güsel-Ranger» wäre auch in Unterengstringen willkommen

«Wenn uns die Leute beim Aufräumen sehen, sind sie sehr dankbar», sagt Stadelmann. Einige ergreifen auch selbst die Initiative. Unlängst fiel Stadelmann auf, dass bei allen Bänken rund um die Grillstellen Flaschen aufgehängt wurden, damit dort Zigarettenstummel entsorgt werden können. So landen sie nicht in der Limmat.

«Naturschutz fängt im Kleinen an, dort wo jeder seinen eigenen Abfall wieder mitnimmt und richtig entsorgt», sagt Werkmeister Pfister. Littering an der Limmat beginnt ebenfalls im Kleinen, zeigt sich aber auch anhand grösserer Beispiele: «Für manche Leute lohnt es sich nicht, die Gummiboote nach dem Auswassern wieder mitzunehmen. Sie lassen die Boote dann einfach beim Ausstieg liegen», sagt Pfister. «In Zukunft werden eher noch mehr Menschen ihre Freizeit am Limmatufer verbringen wollen», sagt er. «Einen ‹Güsel-Ranger› wie in Dietikon, würden wir uns hier deshalb auch wünschen.»

Auch Unterengstringen würde sich einen «Güsel-Ranger» wünschen, der aktiv gegen Littering vorgeht. So wie in Dietikon.

Auch Unterengstringen würde sich einen «Güsel-Ranger» wünschen, der aktiv gegen Littering vorgeht. So wie in Dietikon.

Chris Iseli

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