Dietikon
Digitale Kultur kommt gut an: Rund 600 Zuschauer haben aktiv an «Stream 21» teilgenommen

Das erste digitale Bühnenkunst-Festival der Schweiz fand letzten Donnerstag und Freitag in Dietikon statt. Der Festivalleiter ist mit der Premiere zufrieden. Die Kulturinteressierten seien definitiv bereit für digitale Kanäle.

Maurus Held
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«Stream 21» fand letzten Donnerstag und Freitag im Gleis21 in Dietikon statt – Kulturinteressierte konnten das Festival per Livestream verfolgen.

«Stream 21» fand letzten Donnerstag und Freitag im Gleis21 in Dietikon statt – Kulturinteressierte konnten das Festival per Livestream verfolgen.

Bild: Severin Bigler

Mit «Stream 21» ging am Donnerstag- und Freitagabend in Dietikon ein Bühnenkunst-Festival der besonderen Art über die «virtuelle» Bühne: Insgesamt sieben Acts, darunter Slam-Poetin Lisa Christ und Musiker Ueli Schmezer, unterhielten das Publikum per Livestream – grösstenteils vom Kulturhaus Gleis21 in Dietikon aus. Dort wurden die Auftritte gefilmt, zusammengeschnitten und schliesslich in die Wohnzimmer der Zuschauer gestreamt.

Das digitale Festival war schweizweit das erste seiner Art. Organisiert wurde der Anlass vom in Bern ansässigen Verein Streaming Festival – mit Unterstützung vom «Gleis 21», der Stadt Dietikon sowie den Firmen Streaming Solutions und Ticketpark. Gesamtleiter Manuel Reinhard von Ticketpark ist denn auch zufrieden mit der Feuertaufe:

«Alles lief glatt, wir sind sehr glücklich. Die Technik funktionierte bestens, es gab kaum Pannen.»

Und auch die Reaktionen der rund 600 Zuschauer seien sehr positiv ausgefallen.

Dass diese aktiv in den Verlauf des Programms miteinbezogen wurden, stellte ebenfalls eine Premiere dar. «Die Zuschauer konnten zum Beispiel mitbestimmen, welches Lied als nächstes gespielt werden sollte», so Reinhard. «Diese Möglichkeit haben sie rege genutzt.»

Die Kulturinteressierten sind bereit

Er und sein Team hätten eine wichtige Erkenntnis aus den beiden Abenden ziehen können: «Die Kulturinteressierten sind definitiv bereit für digitale Kanäle.» Die Möglichkeiten der Digitalisierung in der Kultur aufzuzeigen, war schliesslich der Gedanke hinter dem Event.

Reinhard hatte einen solchen bereits während der ersten Coronawelle in Erwägung gezogen. Er habe aber gespürt, dass die Menschen mit wichtigeren Dingen beschäftigt waren. «Jetzt, während der zweiten Welle, beobachten wir aber eine grosse Bereitschaft.» Dass die Zuschauer aktiv mit den Künstlern interagierten, unterstreiche dies.

Für viele sei Kultur auf digitalen Plattformen vermutlich noch Neuland – dadurch würden sich jedoch auch neue Türen öffnen: «Jemand, der sich vielleicht nicht getraut hat, eine Oper zu besuchen, kann dies jetzt auf digitalem Wege von zu Hause aus tun», sagt Reinhard.

Vor leeren Rängen macht es weniger Spass

Für die Künstler selbst heisse das aber, dass sie nicht vor einem Live-Publikum performen können. «Für sie ist es natürlich eine Herausforderung. Vor leeren Rängen macht es nicht gleich viel Spass wie vor Publikum.» Für viele der sieben Acts sei es der erste Auftritt seit langem oder der erste in einem Livestream gewesen, so Reinhard. «Davor ziehe ich den Hut. Sie alle haben es super gemeistert.»

Dennoch würden sie diese neue Erfahrung wohl zuerst mal einordnen müssen. «Dass jemand noch ein wenig skeptisch gegenüber der Digitalisierung ist, ist völlig verständlich.» Ein Gedankenanstoss sei nun aber ausgelöst worden. Dies sei auch das Ziel von «Stream 21» gewesen. Für Reinhard ist klar: «Ein Markt für digitale Kultur ist da. Den muss man ernst nehmen.»

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