Coronakrise

Schlieremer Gewerbler brauchen Hilfe für Mietzahlung – jetzt setzt sich Philipp Locher dafür ein

Leerstehende Gebäude während des Shutdowns: Die Vereinigung Pro Schlieren verlangt Unterstützung für Unternehmer, die während der Coronakrise auf ihre Tätigkeiten verzichten mussten.

Leerstehende Gebäude während des Shutdowns: Die Vereinigung Pro Schlieren verlangt Unterstützung für Unternehmer, die während der Coronakrise auf ihre Tätigkeiten verzichten mussten.

Bereits vor einigen Monaten haben Dietikon und Zürich ihren Gewerbemietern einen Mietzinserlass oder eine Mietreduktion gewährt. Nun fordert Philipp Locher Schlieren auf, die Gewerbemiete während des Lockdown zu senken.

Dietikon und Zürich haben ihren Gewerbemietern bereits vor einigen Monaten einen Mietzinserlass oder eine Mietreduktion gewährt. Schlieren bot den Gewerblern noch keine derartige Nothilfe an. Das stösst Philipp Locher, Drogist, Liegenschaftenmitbesitzer und Präsident der Detaillistenvereinigung Pro Schlieren, sauer auf. Deshalb verfasste er eine Anfrage an die Stadt. «Ich hätte erwartet, dass die Stadt schneller reagiert und den Gewerblern unter die Arme greift», sagt er.

Das Bedürfnis sei jedenfalls da: Der Verein erhielt bereits über 20 Anfragen von Unternehmerinnen und Unternehmern, die sich nach einer möglichen Mietzinsreduktion für die Zeit während des Shutdown erkundigten. Helfen kann die Detaillistenvereinigung nur wenig. «Primär sind wir Türöffner, moralischer Beistand und Vermittler zwischen Vermietern und Mietern», sagt Locher.

Einige Private senkten ihre Mieten bereits

Um über den finanziellen Engpass zu kommen, sollen die Mieter ihre Vermieter in einem offenen Gespräch um eine Reduktion oder zumindest eine Stundung der Miete ersuchen, sagt Locher. Das solle sowohl von städtischen sowie von privaten Vermietern erbeten werden.
Wobei die Privaten oftmals grosszügig seien und einige bereits von sich aus die Miete gesenkt hätten. «Ich bin auch Vermieter und habe schnell das Gespräch mit meinen Mietern gesucht», sagt Locher. Er sieht eine besondere Gefahr für die Gewerbler darin, dass ihre Mietrechte weniger geschützt sind als diejenigen der Privatmieter, weil Verträge meist fünf Jahre oder länger dauern. «Die Verbände sind gefordert, sich für Ihre Mitglieder zu engagieren», so Locher. Viele Mieter trauten sich nicht, mit ihren Vermietern das Gespräch zu suchen.

Zu gross sei die Furcht der Mieter, abgewiesen zu werden und danach ein belastetes Verhältnis zum Vermieter zu haben. Am schwersten sei es wohl für Unternehmer ohne Verband: Sie sind ganz auf sich selbst gestellt. Umso wichtiger sei es deshalb, dass die Stadt bald reagiere und für Nothilfe sorge, so Locher. «Diese braucht es jetzt, nicht erst in einem Jahr.»

Bundesrat will die Mietkosten aufteilen
Mietzinse Anfang Juli schickte der Bundesrat eine Gesetzesvorlage in die Vernehmlassung, um die Mietzinse von Geschäftsmieten während der Krise zwischen Mietern und Vermietern aufzuteilen. Für die Periode der angeordneten Schliessung oder Einschränkung der Tätigkeit sollen Mieter 40 Prozent und Vermieter 60 Prozent des ­Mietzinses übernehmen. Die Vernehmlassung dauert bis 4. August, voraussichtlich Mitte September will der Bundesrat eine Botschaft an das Parlament verabschieden. Bis dieses eine definitive Entscheidung gefällt hat, seien Mieter gezwungen, selbst aktiv zu werden, sagt Walter Angst, Mediensprecher des Zürcher Mieterverbands. «Man muss die Vermieterinnen mit Mängelrügen oder anderen rechtlichen Instrumenten dazu bringen, in ernsthafte Verhandlungen einzutreten.»
In Sachen Mietzinserlass ­wegen Umsatzeinbussen aufgrund des Lockdowns gebe es bislang noch keinen politischen Entscheid. «Das zeigt, dass neben den Wohn- auch die Geschäftsmieterinnen und Geschäftsmieter massiv unter Druck sind», so Angst. (lyl)

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