Limmattal
Rangierbahnhof Limmattal übt den Katastrophenfall 2014

Kann sich eine Katastrophe wie jene in der kanadischen Kleinstadt Lac-Mégantic auch im Limmattal ereignen? Dort entgleiste am 6. Juli ein mit Rohöl beladener Güterzug und steckte die Ortschaft in Brand, was weit über 40 Menschen das Leben kostete.

Jürg Krebs
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Keystone

Die Kantonsräte Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon) und Rochus Burtscher (SVP, Dietikon) erinnern in ihrer Anfrage an die Zürcher Regierung daran, dass sich auf dem Rangierbahnhof regelmässig Gefahrengüter befinden und auch auf dem geplanten Gateway gefährliches Transportgut umgeladen werden kann.

Und dies mitten in einem dicht besiedelten Gebiet, einem Zentrumsgebiet von kantonaler Bedeutung gar. Der Unfall von Zürich Affoltern aus dem Jahr 1994, als mehrere Bahnwagen mit Benzin explodiert waren, zeige, dass mit dem Schlimmsten gerechnet werden müsse.

Das Thema ist allerdings nicht Sache des Regierungsrats, sondern des Bundes, weshalb er das Bundesamt für Verkehr sowie die SBB zur Stellungnahme eingeladen hat.

Basel ist stärker gefährdet

Grundsätzlich gilt: «Die Wahrscheinlichkeit eines grösseren Ereignisses mit Gefahrgütern ist auf den Streckengleisen der Bahn höher als in den Rangierbahnhöfen oder den Containerterminals.» Das liege an der Fahrgeschwindigkeit. Auf Rangierbahnhöfen werde mit 30 bis 40 Stundenkilometern langsamer gefahren als auf normaler Strecke, wo das Tempo in der Regel 80 Stundenkilometer beträgt.

Das grösste Risiko im Kanton Zürich liegt gemäss Bundesamt für Verkehr in Zürich Altstetten und nicht beim Rangierbahnhof Limmattal. In Altstetten wurden bei der letzten Messung 2010 zwei Millionen Tonnen rangiert. Mit dieser Zahl befindet sich der Abschnitt im Mittelfeld der in der Schweiz transportierten Mengen. In Basel beispielsweise sind es 8,9 Millionen Tonnen, auf den Alpentransversalen 5,4 Millionen Tonnen.

Keine Gifte in Wechselcontainern

Da Gefahrengüter wie Benzin, Säuren oder Gifte nicht in Wechselcontainern transportiert werden, stelle der Gateway, wo genau diese umgeladen werden, diesbezüglich keine Gefahr dar.

Der Umgang mit Gefahrengütern auf der Infrastruktur der SBB ist klar geregelt, auch auf dem Rangierbahnhof Limmattal. Gefahren-Güterwagen würden im Abstand von 24 Stunden inspiziert, ob sie tropfen oder Verschlüsse undicht sind.

Mineralöl-Züge beispielsweise werden nicht durch heikles Gebiet geführt wie etwa den Bahnhof Museumsstrasse in Zürich. Ist die Strecke über Oerlikon gesperrt, kann schon mal ein internationaler Güterzug über den Bahnhof Stadelhofen geführt werden, allerdings nach SBB-Angaben kein Gefahrgut-Ganzgüterzug.

Betriebswehr übt alle zwei Jahre

Die Katastrophenszenarien, auf die Wiederkehr und Butscher in ihrer Anfrage hinweisen, sind Szenario im Sinne einer «schlimmstmöglichen Annahme». Dass ein solches Szenario auch tatsächlich eintrifft, wird gemäss Regierungsrat aber als äusserst unwahrscheinlich angesehen.

Eine Analyse von Störfallszenarien im Bereich von Gefahrguttransporten habe weiter gezeigt, dass solche Unfälle durch die zivile Einsatzkräfte bewältigt werden können.
Beim Rangierbahnhof Limmattal finden gemäss den SBB alle zwei Jahre Alarm- und Notfallübungen statt. In die Probe einbezogen sind die Blaulichtorganisationen wie Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst sowie die Betriebswehr des Rangierbahnhofs selbst. Die nächste Übung ist 2014 vorgesehen.

Verschmutzungsgefahr sinkt

Wiederkehrs und Burtschers Sorge um das Grundwasser ist gemäss Regierungsrat durchaus berechtigt, jedoch, nimmt das Gefahrenpotenzial durch den Bau eines Gateway ab. Denn die Zahl der Gleise und Weichen wird beim Bau des Gateway «stark verkleinert» und es fallen Gleise weg, die bislang als Abstellgleise verwendet wurden.

Das Grundwassergebiet beim Rangierbahnhof ist für Dietikon sehr wichtig, jedoch wäre der mittlere Wasserbedarf der Stadt im «unwahrscheinlichen Falle» einer Verschmutzung durch die anderen Grundwasserpumpwerke sichergestellt.

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