Limmattal
Offene Lehrstellen und trotzdem melden sich Jugendliche früher arbeitslos

Zu wenig junge Menschen passen auf die noch zu vergebenden Lehrstellen. Die Zahl der Neuanmeldungen von Jugendlichen im Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) in Dietikon hat spürbar zugenommen.

Anina Gepp
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Die Anforderungen an Jugendliche in der Berufslehre steigen stetig.

Die Anforderungen an Jugendliche in der Berufslehre steigen stetig.

Limmattaler Zeitung

Viele junge Leute, die diesen Sommer die Schule abschlossen, haben noch keine Lehrstelle gefunden. Bis zum jetzigen Zeitpunkt haben sich 67 Schulabgänger und 29 Lehrabbrecher arbeitslos gemeldet. Und es werden nicht die letzten Anmeldungen sein. Peter Greif, Leiter des RAV Dietikon, sagt: «Ein grosser Block von Jugendlichen wird sich erst im September bei uns melden, wenn sie aus den Ferien mit der Familie zurück sind.»

Anforderungen steigen stetig

Das Problem sei nicht, dass es keine freien Lehrstellen mehr gebe, so Greif. Im Gegenteil: In vielen Branchen seien Plätze unbesetzt geblieben. «Es gibt zu wenig junge Menschen, die auf die noch freien Lehrstellen passen», so Greif. Die Anforderungen an die Jugendlichen würden stetig steigen und es ihnen somit schwieriger machen, eine Lehrstelle zu bekommen. «Die Grundqualifikationen sind schwieriger zu erfüllen und die Berufsschulen verlangen höhere Leistungen», führt Greif aus.

Im Vergleich zu vorhergehenden Jahren ist Greif aufgefallen, dass 2013 der Anstieg der jugendlichen Arbeitslosenmeldungen merklich früher begann. Normalerweise mache sich der Anmeldungszuwachs aufgrund Lehrstellenmangels erst nach den Sommerferien im September bemerkbar, so Greif.

Die frühen Meldungen, die bereits im Juli eingingen, erstaunen den RAV-Leiter. Er könne sich nicht abschliessend erklären, weshalb es dieses Jahr anders sei als zuvor, so Greif. «Es könnte sein, dass viele Jugendliche gar nicht erst in die Ferien gefahren sind und sich anstatt dessen schon früher mit ihrer Zukunft auseinander setzen wollten», sagt Greif. «Dann wäre das definitiv ein gutes Zeichen.»

Je früher sich die Jugendlichen beim RAV melden, desto besser können ihnen dort Massnahmen offeriert werden. Die jungen Menschen schöpften rascher wieder Mut und blieben nicht einfach stehen, so Greif. «Sie haben wieder eine Struktur in ihrem Alltag und eine Aufgabe. Sie sehen, dass es in ihrem Leben weiter geht.»

Richard Hefti, Stellvertretender Leiter des Berufsinformationszentrums (BIZ) Urdorf, sieht das Problem der vielen arbeitssuchenden Jugendlichen darin, dass die Berufe an sich anspruchsvoller geworden sind.

Wo es früher nur den Automechaniker gegeben habe, seien heute die Grundausbildungen zum Automobilmechatroniker und Automobilfachmann gesplittet worden. «Das rührt von der zunehmenden Komplexität her, was auf der anderen Seite umfassenderes technisches Wissen zur Ausübung dieser Berufe erfordert», so Hefti.

Das eigentliche Kernthema seien jedoch die geburtenschwachen Jahrgänge, so Hefti. Sie seien mit ein Grund für die unbesetzten Lehrstellen. «In den nächsten Jahren wird diese Durststrecke bestehen bleiben», vermutet Hefti. Es sei zu hoffen, dass die geschaffenen Lehrstellen trotzdem erhalten blieben.

BIZ organisiert Schnuppertage

Das biz Urdorf organisiert für Schüler und Schulabgänger Berufsbesichtigungen in Lehrbetrieben. «Schnupperplätze sind sehr knapp vorhanden. Die Jugendlichen haben so dennoch die Möglichkeit, in einen Beruf hineinzusehen», so Hefti.

Viele Betriebe würden sich mittlerweile auch von sich aus melden. Für sie sei es eine Möglichkeit, aus mehreren Interessierten jungen Leuten einen Kandidaten herauszupicken, der für eine Lehrstelle in Frage kommt.

Mit Jugendlichen, die trotz Berufsberatung und Bemühungen ohne Lehrstelle da stehen und sich ans RAV wenden, wird eine vertiefte Abklärung unternommen. «Gemeinsam mit den jungen Menschen versuchen wir herauszufinden, was sie gerne machen, wo ihre Talente liegen, welche Ziele sie im Leben haben haben und welchen Beruf sie sich vorstellen könnten», sagt Greif.

Motivationssemester kommt an

Die letzte Instanz für Jugendliche ohne Zukunftsplan, ist das Motivationssemester, das das RAV anbietet. Sechs bis neun Monate dauert die Schulung, die die Jugendlichen absolvieren.

Während dieser Zeit bereiten sich die Jugendlichen aktiv auf die Lehrstellensuche des nächsten Jahres vor. Ziel sei es, dass jeder Teilnehmer einen Anschluss finde, so Greif. Das Programm kommt gut an. Ganze 90 Prozent der Jugendlichen wissen danach, wie es für sie weitergeht.

Greif betont jedoch, dass ein solches Motivationssemester der allerletzte Ausweg sein sollte. «Die Schüler sollten sich im Vorfeld dafür einsetzen, eine Lehrstelle oder Anschlussmöglichkeit finden. Auch Lehrpersonen und Eltern spielen dabei eine tragende Rolle.»

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