Oetwil
Nach Vandalen und Flugblättern: Fatma Bernegger gewinnt die Friedensrichterwahl

Fatma Bernegger (Mitte) gewann das Rennen um das Oetwiler Friedensrichteramt gegen René Laemmel (SVP) im zweiten Anlauf.

Lydia Lippuner
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Den Vetternwirtschaft-Vorwürfen zum Trotz: Fatma Bernegger (Mitte) gewinnt die Wahl und wird neue Oetwiler Friedensrichterin.

Den Vetternwirtschaft-Vorwürfen zum Trotz: Fatma Bernegger (Mitte) gewinnt die Wahl und wird neue Oetwiler Friedensrichterin.

Zvg

Fatma Bernegger (Mitte) gewinnt den Kampf ums Oetwiler Friedensrichteramt im zweiten Wahlgang. Sie holt am Abstimmungssonntag 426 Stimmen und stellt damit ihren Konkurrenten René Laemmel (SVP) mit 205 Stimmten in den Schatten. Vereinzelte erhielten 27 Stimmen. Die Stimmbeteiligung beträgt 42,5 Prozent. Die Amtsperiode, für die Bernegger gewählt wurde, dauert von 2021 bis 2027.

«Einen solchen Vorsprung hätte ich nicht erwartet», sagt Bernegger nach der Wahl. «Ich bin glücklich und bedanke mich bei allen, die mich gewählt und unterstützt haben», sagt die 45-jährige Finanz- und Steuerberaterin.

Als Friedensrichterin sei es ihr wichtig, dass sie gemeinsame Lösungen mit den Konfliktparteien finde. «Es ist mir wichtig, dass alle sachlich zusammen reden können», sagt sie. Dazu sei sie in ihrem Job gut vorbereitet worden. «Zudem kenne ich mich als Steuerberaterin gut mit dem Gesetz aus», sagt sie. Das sei hilfreich, um eine friedliche Einigung zweier gegnerischen Parteien zu erzielen.

Vorwurf der Vetternwirtschaft im Wahlkampf

Trotz des wolkenlosen Wahlsonntags lag ein Schatten über der Friedensrichterwahl: In den letzten Tagen flatterten Flugblätter mit dem Logo der SVP Oetwil in die Oetwiler Briefkästen, die suggerierten, Bernegger profitiere bei der Wahl von ihrem Ehemann, Thomas Bernegger, der als Mitte-Gemeinderat amtiert. Bernegger will nichts von diesen Vorwürfen wissen. «Solche Informationen sind lächerlich und enttäuschend», sagt sie. Es sei schade, wenn das Friedensrichteramt, das von Neutralität und Harmonie geprägt sein sollte, von solchen Dissonanzen belastet werde. Die Unstimmigkeiten kamen auch daher, dass Laemmel nicht in den Wahlunterlagen aufgeführt war. Da der Verleger und Journalist laut der Gemeinde sein Interesse zur Aufführung auf dem Beiblatt nicht offiziell bei der wahlleitenden Behörde meldete, wurde er auch nicht auf dem Beiblatt zum zweiten Wahlgang aufgeführt. Bernegger sagt:

«Ich habe mich zur Wahl angemeldet wie jede andere und hatte keinen Vorteil. Dass Herr Laemmel es nicht schaffte, sich anzumelden, bedauere ich natürlich.»

Der zweitplatzierte René Laemmel (SVP) sagt: «Ich dachte nicht, dass ich noch so viele Stimmen erhalte.» Nachdem er nicht auf dem Wahlzettel gestanden sei, habe er nur mit knapp 50 Stimmen gerechnet. Mit einem Flugblatt, dass Bernegger verunglimpfe, habe er nichts zu tun. Obwohl es aber auch aus seiner Sicht suboptimal sei, wenn in einer kleinen Gemeinde wie Oetwil die Frau des Gemeinderats als Friedensrichterin amtiere. Das führe zwangsläufig zu Interessenkonflikten. Trotzdem gratuliere er Bernegger zur Wahl. «Künftig habe ich aber keine weiteren Ambitionen mehr für ein politisches Amt», sagt Laemmel. Dafür sei ihm die Lust vergangen. Er wolle nun den Platz der jüngeren Generation überlassen.

Im ersten Wahlgang hatte niemand das absolute Mehr erreicht: Fatma Bernegger (Mitte) holte bereits damals mit 352 am meisten Stimmen. René Laemmel (SVP) schaffte es mit 259 Stimmen auf Platz zwei und Hubert Boog (FDP) lag mit 151 Stimmen abgeschlagen auf Platz drei. Auch Boog hatte im Vorfeld der Wahl mit negativen Begleiterscheinungen zu kämpfen: Vor dem ersten Wahlgang zerstörten Vandalen seine Plakate. Zum zweiten Wahlgang trat er nicht mehr an.

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