Mein Ding: Theater
Mit der Spielbühne Urdorf vom Alltag ablenken: Stephan Strässles schönster Lohn ist der Applaus

Dem Präsident des Theatervereins gefällt vor allem das Zusammensein mit den anderen Mitgliedern. Auch die Reaktionen des Publikums bereiten ihm viel Freude.

Virginia Kamm
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Seit 2015 ist Stephan Strässle im Theaterverein Spielbühne Urdorf aktiv.

Seit 2015 ist Stephan Strässle im Theaterverein Spielbühne Urdorf aktiv.

Chris Iseli

«Bei der Spielbühne Urdorf aktiv zu sein bedeutet viel Arbeit», sagt Stephan Strässle, der Präsident des Theatervereins. «Es ist aber eine Leidenschaft, die einem etwas zurückgibt.» Der 57-jährige Berufsschullehrer aus Urdorf liebt es, auf der Bühne zu stehen und positive Reaktionen der Zuschauer zu erhalten. «Der schönste Lohn für einen Schauspieler ist der Applaus», sagt er.

Seit 2015 ist Strässle Mitglied der Spielbühne Urdorf, die 27 Mitglieder zählt. Im Sommer 2020 wurde er nach einem Jahr im Vorstand als Vereinspräsident gewählt. Seine Frau habe ihn ursprünglich auf die Spielbühne aufmerksam gemacht, erzählt er. «Ich habe vorher noch nie Theater gespielt.» In der Saison 2015 sei er bei den Vorstellungen für die Technik zuständig gewesen, bevor er 2016 sein Schauspieldebut im Stück «Bisch sicher?» gefeiert habe.

Normalerweise wäre jetzt die intensivste Zeit für die Spielbühne Urdorf: Jeweils im Frühling führen die Schauspielerinnen und Schauspieler ihr neues Stück im Embrisaal in Urdorf auf. Bis zu 235 Zuschauer kommen zu einer der insgesamt jeweils 13 Vorstellungen. Zweimal wöchentlich proben die Schauspieler in der Zeit vor der Spielsaison gemeinsam. Die Saison 2021 sowie die Saison 2020 mussten aufgrund der Pandemie abgesagt werden. Strässle sagt:

«Das Vereinsleben ist nicht das gleiche, wenn man sich nur virtuell sieht.»

Mit den anderen Vereinsmitgliedern zusammen Zeit zu verbringen bereitet Stephan Strässle nämlich besonders viel Freude. Zudem möchte er das Publikum während der Aufführungen vom Alltag ablenken. «Bei den Proben kann es vorkommen, dass man irgendwann nicht mehr ständig das gleiche Stück spielen mag», sagt Strässle. «Das Stück aufzuführen wird jedoch nie langweilig, auch nach 13 Vorstellungen nicht.» Schliesslich sei jedes Publikum wieder von Neuem spannend und reagiere anders auf ein Stück.

Mitten im Schimpfen hat er den Text vergessen

Ein Erlebnis mit der Spielbühne ist Stephan Strässle besonders in Erinnerung geblieben: Einmal habe er bei seinem ersten Theaterstück den Text vergessen, erzählt er. Und das mitten in einer Szene, in der er mit seiner Bühnenfrau habe schimpfen müssen. «Meine Kollegin hat mich kurz beruhigt und mir ist der Text wieder eingefallen. So konnte ich weiter mit ihr schimpfen», sagt er und lacht. «Die Panne war für das Publikum so offensichtlich, dass die Situation sehr lustig war.»

Momentan befinden sich die Mitglieder der Spielbühne Urdorf in der Planung für die Saison 2022. «Wir beschäftigen uns mit der Stückauswahl und der Besetzung», sagt Strässle. Die Stücke kann die Spielbühne Urdorf jeweils von einem Verlag übernehmen. Ende Oktober sollen die Proben beginnen. An einem Wochenende errichten die Vereinsmitglieder gemeinsam die verschiedenen Bühnenbilder.

Strässle freut sich besonders auf das geplante Probenwochenende und hofft auf die Durchführung der nächsten Spielsaison. Ob er eine Rolle haben werde, wisse er noch nicht. Zuletzt habe er 2018 in einem Stück mitgespielt. «Ich würde sehr gerne nächstes Jahr mitspielen. Es fehlt mir, auf der Bühne zu stehen.» Ihn würde es auch reizen, einmal ein Theaterstück selber zu schreiben.