Spital Limmattal

Limmi-Chefarzt: «Wir sind vorbereitet - wir sind aber keine Zauberer»

Die Fallzahlen steigen: Das Spital Limmattal bereitet sich auf die zweite Welle vor.

Die Fallzahlen steigen: Das Spital Limmattal bereitet sich auf die zweite Welle vor.

Im Spital Limmattal haben sich Besucher nicht konsequent an die Maskenpflicht gehalten - nun wird wieder ein Besuchsverbot eingeführt. Chefarzt Alain Rudiger über die aktuelle Coronasituation am Limmi.

Ab Freitag gilt im Spital Limmattal wieder ein Besuchsverbot. Befürchten Sie Covid-19-Ansteckungen?

Alain Rudiger*: Damit sich im Spital niemand durch Besucher ansteckt, hat sich die Taskforce des Spitals zum Besuchsverbot durchgerungen. Das ist natürlich einschneidend. Aber in schwierigen Fällen werden Ausnahmen bewilligt, etwa bei Patienten in palliativer Behandlung oder für den Kindsvater bei einer Geburt.

Hat die bestehende Maskenpflicht nicht funktioniert?

Sie wird von Besucherinnen und Besuchern im Spital nicht so konsequent umgesetzt, wie wir uns das wünschten und wie wir uns das vom Personal gewohnt sind. Die Situation ist auch eine andere als beim Einkaufen oder im öffentlichen Verkehr. Hier treffen Familienmitglieder aufeinander, manchmal in schwierigen Situationen, da werden die Abstandsregeln und die Maskenpflicht rasch einmal missachtet. Das ist aber angesichts der Fallzahlen gefährlich. Zum Schutz der Patienten und des Personals ist deshalb in dieser Phase der Pandemie ein Besuchsverbot nötig.

Spürt das Limmi die zweite Welle bereits?

Die Fallzahlen steigen, sowohl bei den hospitalisierten Patienten als auch bei Patienten auf der Intensivstation. Am Donnerstag werden wir im Kanton Zürich voraussichtlich mehr Covid-19-Patienten in den Spitälern haben als während der ersten Welle. Aber noch reichen die Kapazitäten. Wir führen – neben den zusätzlichen Aufgaben wie im gerade verlegten und ausgebauten Testcenter – den Spitalbetrieb normal weiter. Es gibt noch keine Einschränkungen bei den geplanten Terminen. Aber es ist klar, wenn die Fallzahlen weiter steigen, müssen wir reagieren.

Wie lange dauert der Normalbetrieb denn noch an?

Die Situation entwickelt sich laufend, Prognosen sind schwierig. Im Moment haben die Zürcher Spitäler noch Kapazitäten. Sie arbeiten zusammen. Es werden Patienten so verlegt, dass alle Häuser in etwa gleich stark beansprucht werden. So verhindern wir, dass ein Spital an seine Grenzen gelangt und wegen fehlender Ressourcen Einschränkungen vornehmen muss, wenn es zehn Kilometer entfernt noch freie Betten hat.

Ein Verteilen der Patienten wird nicht ewig möglich sein.

Ja, wenn die Zahlen weiter steigen, werden alle Häuer einmal voll sein. Am Limmi haben wir Konzepte griffbereit, um intern Ressourcen verschieben zu können. Zu einem von der Politik verordneten generellen Operationsverbot wie in der ersten Welle wird es hoffentlich nicht kommen. Wir wollen selber entscheiden und flexibel bleiben – wir werden jeweils um soviel reduzieren, wie es braucht, um sowohl die Covid-19-Patienten als auch alle anderen Patienten gut betreuen zu können.

Befürchten Sie, dass das Gesundheitssystem an seine Grenzen gelangt?

Wir wissen inzwischen mehr über das Virus, aber grosse Behandlungsdurchbrüche hat es leider noch nicht gegeben. Wir sind vorbereitet und motiviert, aber keine Zauberer. Verläuft eine Covid-19-Erkrankung schwer, ist in der Regel eine lange Behandlung nötig. In der ersten Welle blieben die Patienten im Durchschnitt 20 Tage auf der Intensivstation. Für eine solche Therapie braucht es genügend Ressourcen. Wird es eng, dann müssen wir möglicherweise das Therapieziel früher ändern, und diese Patienten werden mit hoher Wahrscheinlichkeit versterben. Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften hat schon im Frühjahr entsprechende Richtlinien veröffentlicht. Diese Phase wird nicht einfach sein, aber wenn das System überlastet ist, dann lässt sich das nicht ändern. Die Ressourcen sind beschränkt.

Was braucht es aus medizinischer Sicht gegen das Virus?

Wünschenswert wären Medikamente gegen das Virus und natürlich eine Impfung. Die weiteren Massnahmen sind eigentlich allgemein bekannt. Hygiene, Abstand halten, Masken tragen.

Reicht das aus?

Wir müssen konsequent sein, wir müssen Ausdauer haben. Trägt jemand während zwölf Stunden eine Maske und geht dann für zwei Stunden mit Kollegen ohne Maske feiern, dann sagt das Virus nicht, der hat sich lange bemüht, der hat es nicht verdient, ich lass ihn deshalb aus. Das Virus ist völlig emotionslos. Es verbreitet sich, sobald es kann. Und es ist, wie es sich zeigt, erfolgreich.

*Alain Rudiger ist am Spital Limmattal Chefarzt der Medizinischen Klinik.

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