Limmattal
Wohlfühlfaktor, Identität und Herausforderungen – so ticken die Limmattalerinnen und Limmattaler

Am Mittwochabend wurden in Weiningen die Ergebnisse einer Bevölkerungsbefragung präsentiert. Die Menschen in der Region fühlen sich wohl, identifizieren sich aber nicht sehr stark mit dem Limmattal.

Sandro Zimmerli
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94 Prozent der Befragten fühlen sich im Limmattal (im Bild der Blick über Urdorf) wohl. Viele sehen das Wachstum aber auch skeptisch.

94 Prozent der Befragten fühlen sich im Limmattal (im Bild der Blick über Urdorf) wohl. Viele sehen das Wachstum aber auch skeptisch.

Severin Bigler

Die Menschen im Limmattal fühlen sich wohl in ihrer Region. Sie verstehen sich aber nicht in erster Linie als Limmattalerinnen und Limmattaler, sondern identifizieren sich viel stärker über ihre Wohngemeinde. Zudem überwiegen die Stärken der Region die Schwächen deutlich. Das sind kurz zusammengefasst die Resultate einer am Mittwochvormittag veröffentlichten und am Abend im Rahmen der Vorstandssitzung der Regionale 2025 im Schlössli Weiningen präsentierten Bevölkerungsbefragung.

Befragt wurden rund 2000 Personen aus dem Zürcher und Aargauer Limmattal. Durchgeführt wurde die Befragung vom Forschungsinstitut gfs.bern im Auftrag der Kantone Aargau und Zürich unter Mitarbeit der Regionale 2025. Die beiden Kantone haben denn auch die Kosten von rund 80'000 Franken je zur Hälfte übernommen.

94 Prozent der Befragten fühlen sich wohl im Limmattal

Ziel war es unter anderem, eine Übersicht über die Ansprüche, Wünsche, Lebensgewohnheiten und das Selbstverständnis der Menschen im Limmattal zu erhalten. Oder wie es der Aargauer Kantonsplaner Daniel Kolb in Weiningen ausdrückte: «Im Hinblick auf anstehende Projekte ist es spannend zu wissen, wie die Leute im Limmattal ticken, was sie denken und wie sie sich fühlen.»

Daniel Kolb, Leiter Abteilung Raumentwicklung des Kantons Aargau, begrüsste die Gäste im Schlössli Weiningen.

Daniel Kolb, Leiter Abteilung Raumentwicklung des Kantons Aargau, begrüsste die Gäste im Schlössli Weiningen.

Severin Bigler

Die Antwort auf letztere Frage ist eindeutig. Das Limmattal wird als Wohnregion geschätzt. 94 Prozent der Befragten geben an, sich hier wohlzufühlen, wie Urs Bieri, Co-Leiter von gfs.bern, bei der Präsentation der Studienergebnisse ausführte. 55 Prozent gaben demnach an, dass sie sich in der Region sehr wohl fühlen und 39 Prozent, dass sie sich wohl fühlen. Man könne also von einer flächendeckenden Zufriedenheit sprechen, so Bieri. «Wir haben hier eine Region, die in der Dynamik, die sie auszeichnet, augenscheinlich nicht hauptsächlich Probleme sieht.»

Urs Bieri, Co-Leiter von gfs.bern, präsentierte im Schlössli Weiningen die Resultate der Bevölkerungsbefragung im Limmattal.

Urs Bieri, Co-Leiter von gfs.bern, präsentierte im Schlössli Weiningen die Resultate der Bevölkerungsbefragung im Limmattal.

Severin Bigler

Viele Jüngere leben erst seit kurzem in der Region

Teil dieser von Bieri angesprochenen Dynamik ist unter anderem, dass 35 Prozent der Befragten erst seit kurzem im Limmattal wohnen (siehe Grafik). «Bei Personen unter 40 Jahren sind es sogar 51 Prozent», so Bieri. Allerdings gebe es dabei Unterschiede zwischen den beiden Kantonen. In der Tendenz ist der Anteil Alteingesessener im Aargauer Teil des Limmattals grösser als im Zürcher Teil.

Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass der grösste Teil der Personen ihr Wohn- und Arbeitsleben im Limmattal verbringen. Demnach arbeiten die Limmattalerinnen und Limmattaler hauptsächlich in der Stadt Zürich (30 Prozent), im Limmattal selbst (22 Prozent) oder am eigenen Wohnort (19 Prozent). Nur 12 Prozent respektive 8 Prozent sind in anderen Regionen des Kantons Zürich oder des Kantons Aargau arbeitstätig.

Der Zusammenhalt ist eher mittelprächtig

«Weitet man den Blick von dieser individuellen Ebene und fragt danach, wie man sich zum Limmattal hingezogen fühlt, ist ein erster wichtiger Indikator der Zusammenhalt», sagte Bieri. Dieser sei im Limmattal gemäss den Resultaten mittelprächtig. Bieri sagte:

«Es ist also nicht so, dass die Leute für das Limmattal brennen.»

Rund 35 Prozent der Befragten schätzen den Zusammenhalt als eher stark ein.

Bezüglich der Identität zeigt sich in Baden ein verstärkte Identifikation mit dem Limmattal. «Der Durchschnitt über die gesamte Region liegt bei 19 Prozent, in Baden sind es 24 Prozent», hielt Bieri fest. 53 Prozent geben an, dass sie sich als Schweizerin oder Schweizer identifizieren und 49 Prozent als Einwohnerin oder Einwohner der Wohngemeinde. Wobei das Alter und auch die Wohndauer eine wichtige Rolle spielt. Am ehesten als Limmattalerin oder Limmattaler bezeichnen sich Personen über 65 Jahre (30 Prozent). Zudem nimmt die Verbundenheit zum Limmattal mit der Länge der Wohndauer stetig zu. Generell lässt sich sagen, dass verschiedene Identitäten nebeneinander existieren.

Die Mobilität wird als Stärke und Schwäche der Region betrachtet

Neben Fragen zum Zusammenhalt und der Identifikation mit der Region wollten die Verantwortlichen auch wissen, welche Stärken, Schwächen und Herausforderungen die Bewohnerinnen und Bewohner im Limmattal ausmachen. Dabei zeigt sich, dass die Mobilität sowohl als grösste Stärke aber auch als grösste Schwäche ausgemacht wird. «Der öffentliche Verkehr in der Region und die Erreichbarkeit der Zentren gelten als sehr gut», führte Bieri aus. Gleichzeitig sehe man in der Mobilität auch ein Risiko. «Man spürt eine Überlastung, man spürt viele Autos und Stau», so Bieri.

Auch die Umwelt werde als Stärke in den Fokus gestellt, aber nicht unbedingt aus ökologischer Sicht, so Bieri. So würden die Naherholungsgebiete sehr geschätzt. Demgegenüber gebe es aber auch die Angst vor dem Verlust des ländlichen Charakters. Illustriert wird dies etwa durch eine Aussage, die an einem vertiefenden Interview im Rahmen der Befragung getätigt wurde: «Der Erholungsraum ist sehr gut und schön, aber ich befürchte, dass der Siedlungsdruck einiges verändern wird.» Diese zeige, so Bieri, dass die Dynamik nicht nur Vorteile habe sondern auch Herausforderungen mit sich bringe. Dennoch würden die Stärken des Limmattals die Schwächen bei weitem überwiegen.

Der Landschaftsschutz steht bei den Herausforderungen zuoberst

Die grösste Herausforderungen orten die Befragten bei der Umwelt. Wobei der Landschaftsschutz gemeint sei, wie Bieri ausführte. Danach kommt der öffentliche Verkehr und die Wohnqualität. Um diese Herausforderungen zu meistern, befürworten viele der Befragten eine regionale Zusammenarbeit im Limmattal über die Gemeinde- und Kantonsgrenze hinweg. Oder wie es in einem der Interviews ausgedrückt wurde: «Man muss versuchen, dem Limmattal eine Stimme zu geben, damit es nicht zwischen Zürich und Baden zerrieben wird. Kantonsübergreifende Kooperation ist wichtig, damit das Limmattal als eine Einheit gesehen wird.»

In diesem Zusammenhang wurde auch gefragt, welche Organisationen die Bewohnerinnen und Bewohner kennen, die sich in ihrer Arbeit mit dem Limmattal befassen. Dabei zeigt sich, dass die Bekanntheit von Organisationen zur Entwicklung des Limmattals gering ist – auch bei der Regionale 2025. Dennoch gibt es immer wieder Personen, die bereits mit der Organisation in Berührung gekommen sind. Insgesamt sind aber einzelne Projekte bekannter als die Organisationen selbst.

Für Rahel von Planta (FDP), Oetwiler Gemeindepräsidentin und Regionale-2025-Vizepräsidentin, kommen viele der Ergebnisse etwa bezüglich der Identifikation oder des Verkehrs nicht überraschend. Dennoch sei es eine spannende Studie, über die man bei der Regionale 2025 noch diskutieren werde.

Regionale 2025: 16 Gemeinden und ein grosses Ziel

Der Verein Regionale Projektschau Limmattal wurde Ende 2015 gemeinsam von den Kantonen Zürich und Aargau sowie 13 Limmattaler Gemeinden und Städten gegründet. Sein Ziel ist es, das Limmattal als Lebens- und Wirtschaftsraum weiterzuentwickeln. Er unterstützt Ideen und Projekte von Menschen und Institutionen und bietet ihnen eine Plattform. Um die Bevölkerung über den Stand der Projekte zu orientieren und mit Anlässen auf das Potenzial des Limmattaler Lebensraums aufmerksam zu machen, werden bis zum Abschluss 2025 zwei Zwischenschauen durchgeführt. Die erste fand 2019 statt. Die nächste Zwischenschau ist 2022 geplant, bevor es mit der Regionalen 2025 zum grossen Abschluss kommt. Aus den 13 Gemeinden und Städten der Gründungszeit sind inzwischen deren 16 geworden. Es sind dies Baden, Dietikon, Ennetbaden, Geroldswil, Killwangen, Neuenhof, Oberengstringen, Oetwil, Schlieren, Spreitenbach, Unterengstringen, Urdorf, Weiningen, Wettingen, Würenlos und Zürich. (zim)