Dietikon

«Krone», «Löwen» und diverse Take-Aways: eine kurze Geschichte der lokalen Gastronomie

1931 wurde der neue «Löwen» eröffnet. Er bestand bis 1950.

1931 wurde der neue «Löwen» eröffnet. Er bestand bis 1950.

Lange gab es Dietikon nur eine Taverne. Heute finden sich in der Stadt zahlreiche Restaurants und Take-aways mit Spezialitäten aus der ganzen Welt.

Zu Fuss eine Weltreise unternehmen, zumindest eine kulinarische? In Dietikon ist das kein Problem, wie der Beitrag der Juristin und Journalistin Franziska Schädel im Dietiker Neujahrsblatt 2021 zeigt. In der Stadt lässt sich eine Vielzahl an Lokalen mit Gerichten aus aller Welt entdecken. Einige davon hat Schädel näher vorgestellt. Da wäre das Restaurant El Pablo an der Badenerstrasse 7. Im Lokal des Bolivianers Pablo Marino López erwarten die Gäste mexikanische Speisen wie Burritos oder Chili con Carne, das mit Schokolade, Orangensaft, Minze und Nelken zubereitet wird. «Wir haben unsere Rezepte etwas dem hiesigen Geschmack angepasst. Die echte mexikanische Küche ist nicht jedermanns Sache», sagt er.

Auch im China-Restaurant Frohsinn von Xianglan Wendy Xie und Kaihui Wu an der Bremgartnerstrasse 12 hat man die Gerichte den europäischen Gegebenheiten angepasst. In China werde mit verschiedenen grünen Gemüsen gekocht, die man hier in der Schweiz teilweise nicht finde, sagt Wendy Xie. Ein breites Spektrum an asiatischen Spezialitäten lässt sich im ­«Peace House» beim Bahnhof entdecken. Dort bieten die Tibeter Dolkar und Monlam Razatsang ihren Gästen Köstlichkeiten aus China, Thailand, Singapur und natürlich Tibet an.

Lange verfügte Dietikon nur über eine einzige Taverne

Eine kulinarische Reise auf den Balkan verspricht das Restaurant Oxygen an der Poststrasse 2, wo Alban Shehu und seine aus dem Südwesten des Kosovos stammende Familie die Gäste unter anderem mit Cevapcici verwöhnen will. Im Limmat Restaurant am Rapidplatz setzt Sengul Haydar derweil auf Falafel und Linsensuppe aus seiner ostanatolischen Heimat. Bereits fest zum gas­tronomischen Inventar Dietikons zählt das Hotel Restaurant Sommerau-Ticino der Familie Frapolli an der Zürcherstrasse 72. 1931 übernahmen Theofila und Carlo Frapolli zusammen mit Bruder Angelo das Lokal, das lange eine Art Heimat für die Gastarbeiter der Salamifabrik Cattaneo oder der Marmorfabrik war. Bis heute setzt der Familienbetrieb auf italienische Küche.

Wesentlich eintöniger dürfte die Kost dereinst in der Taverne zur Krone gewesen sein. Dem ältesten und lange Zeit einzigem Gasthaus in Dietikon widmet Historiker Sven Wahrenberger einen weiteren Artikel im Neujahrsblatt. Bereits 1259 wurde die «Krone» erstmals urkundlich erwähnt. Damals verkauften die Grafen von Habsburg das Dorf Dietikon an das Kloster Wettingen und damit auch die Taverne zur Krone. Das Haus befand sich an der Landstrasse, die die Städte Zürich und Baden miteinander verband. Während beim nahe gelegenen Zollhaus der Brücken- und Wegzoll eingezogen wurde, bot die Taverne Reisenden eine Unterkunft und eine feste Mahlzeit an.

Die Postkutsche brachte Gäste und neue Gasthäuser

Welche Rechte und Pflichten mit dem Führen des Gasthauses verbunden waren, zeigt die Dorfoffnung, die um 1560 verfasst wurde. Dem Tavernenwirt wurde das Recht eingeräumt, seinen Gästen Essen und Trinken anzubieten sowie einen gewissen Prozentsatz der Einnahmen für sich zu behalten. Gleichzeitig war er dazu angehalten, stets Brot und Wein an Lager zu haben. Sollte ein Gast weder das eine noch das andere bei einem Besuch vorfinden, drohte dem Wirt eine Geldstrafe.

Aus einem Rückkaufsvertrag aus dem Jahr 1647 zwischen dem damaligen Wirt Jakob Fischer und dem Kloster Wettingen geht hervor, dass die Taverne unter anderem über 25 Betten verfügte. 1703 wurde dann der Grundstein für den heutigen Bau gelegt. Zu jener Zeit war die «Krone» immer noch die einzige Taverne in Dietikon. Das änderte sich erst Anfang des 19. Jahrhunderts mit dem zunehmenden Post­kutschenverkehr zwischen Zürich und Baden und der dadurch wachsenden Anzahl Reisender. Das Kloster Wettingen wurde deshalb 1812 von der aargauischen Regierung dazu angehalten, in Dietikon eine weitere Taverne zu errichten. So entstand das Gasthaus Löwen gegenüber dem Kirchplatz. 1835 öffnete dann die «Linde» an der heutigen Badenerstrasse ihre Tore. Das Fundament für die gastronomische Entwicklung Dietikons war gelegt.

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