Limmattal
Gateway Limmattal: Jetzt nimmt der Druck auch auf den Rangierbahnhof zu

Wie geht es weiter mit dem Gateway Limmattal? Die SBB halten sich bedeckt. Siedlungsentwicklung und mangelnde Auslastung animieren zu alternativer Nutzung.

Jürg Krebs
Drucken
Teilen
Kann der Rangierbahnhof Limmattal mangels Auslastung besser genutzt werden? Für Wohnungen, gar als Park? Die Diskussion hat begonnen.

Kann der Rangierbahnhof Limmattal mangels Auslastung besser genutzt werden? Für Wohnungen, gar als Park? Die Diskussion hat begonnen.

Keystone

Der Kampf gegen den im Limmattal umstrittenen Container-Umschlagterminal Gateway kann auf verschiedene Art geführt werden. So werden vom Komitee «Gateway: so nicht!» zum Beispiel die Wirtschaftlichkeit des Terminals infrage gestellt und die Emissionen betont, um der Bevölkerung klarzumachen: Dieses Multi-Millionen-Franken-Logistikprojekt ist überflüssig. Einen anderen Weg wählen jetzt die Kantonsräte Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon) und Pierre Dalcher (SVP, Schlieren) zusammen mit Sabine Ziegler (SP, Zürich): Sie stellen nicht nur den Gateway infrage, sondern gleich den ganzen Rangierbahnhof, auf dem er zu stehen kommen soll und, ohne den er keinen Sinn macht.

Rangierbahnhof umnutzen

Die Politiker betonen in ihrer Anfrage an die Zürcher Regierung, dass der Kanton auf eine nachhaltige Raumplanung angewiesen ist, was nach einen vernünftigen Umgang mit den Bodenressourcen verlange. Mit anderen Worten. Die zum Teil riesigen SBB-Grundstücke im Kanton sollten doch besser genutzt werden, vor allem dann, wenn sie nicht voll ausgelastet sind. Dazu zählen Wiederkehr, Dalcher und Ziegler auch den rund 100 Hektaren grossen Rangierbahnhof Limmattal.

37% weniger Güterwaggons

Tatsächlich werden auf dem Rangierbahnhof immer weniger Waggons rangiert. Waren es im Jahr 2000 noch 838 000 Waggons, die im Limmattal jährlich umgesetzt wurden, so waren es 2013 gemäss SBB-Angaben nur noch deren 525 000, was einem Rückgang von gut 37 Prozent entspricht. Die SBB begründen diesen Rückgang konjunkturell.

Das sehen Terminalbetreiber anders. Während Studien hohe Zuwachsraten, gar eine Verdoppelung des maritimen kombinierten Güterverkehrs in der Schweiz prognostiziert haben und SBB-Cargo davon träumen liessen, endlich schwarze Zahlen schreiben zu können, geht die Terminalbranche von geringen Zuwachsraten aus, weil der Schweizer Markt gesättigt ist. Die Basler Swissterminal AG und die mit ihr verbundene Hochrhein Terminal AG in Rekingen gehen deshalb von Zuwachsraten von 1 bis 2 Prozent über dem Wirtschaftswachstum aus – und das für die nächsten 20 Jahre. Dies sei «unbestritten», wie in einem «Terminalkonzept privater Terminalbetreiber» vom letzten Oktober festgehalten ist. Aus diesen und anderen Gründen reiche der Gateway Basel Nord aus, den SBB-Cargo 2016 in Betrieb nehmen will.

Cargo korrigiert Prognosen

Diese Wachstumsprognosen werden jetzt auch von SBB-Cargo akzeptiert, wie in der gestrigen Mitteilung des Unternehmens nachzulesen ist. Dies, nachdem SBB-Cargo jahrelang mit höheren Werten die Notwendigkeit eines Gateway Limmattal begründet hatte.

Die Transport- und Logistikbranche hält einen Gateway Limmattal sowieso für überflüssig und Geldverschwendung. Diese Kritik führte 2013 zu Mediationsgesprächen zwischen SBB-Cargo und den Privatunternehmen. Fazit: Basel Nord wird vorangetrieben, das Projekt Limmattal als Option «aktiv offen gehalten».

Ein überflüssiger Gateway Limmattal bedeutet nicht automatisch einen überflüssigen Rangierbahnhof Limmattal. Aber: Mittels Gateway soll die Auslastung des Rangierbahnhofs erhöht werden. Kein Gateway, keine Erhöhung der Auslastung. Das setzt den Rangierbahnhof unter Erfolgsdruck.

Die stark rückläufigen Umschlagzahlen belegen: Da wird im Limmattal viel, sehr viel Platz frei. Auch wenn die SBB auf Anfrage die tatsächliche Ausnutzung ihres Rangierbahnhofs nicht angeben können – oder wollen –, wird im Limmattal von einer aktuell etwa 50-prozentigen Auslastung ausgegangen.

Und genau da setzen Wiederkehr, Dalcher und Ziegler an. Dieser Platz in Grössenordnung von 50 Hektaren könnte besser genutzt werden als durch leere Gleisanlagen. Die Kantonsräte stellen sich Platz für weitere Wohnungen vor, um die Nachfrage in der Region decken zu können.

Ein riesiger Park im Limmattal?

Es gibt aber auch andere Ideen für den Rangierbahnhof. Im Zusammenhang mit dem Projekt Agglomerationspark Limmattal wurde die Idee eines Central Park Limmattal laut, über den auch die Denkfabrik Avenir Suisse im letzten Sommer nachdachte. Er könnte zur Freizeitanlage für die Region werden.

Für die SBB ist hingegen klar, dass eine Verpflanzung des Rangierbahnhofs aus dem Limmattal hinaus nicht umsetzbar ist. Zu hoch wären die Auflagen, zu hoch die Kosten. Das hat schon der frühere Cargo-Chef Daniel Nordmann gegenüber der Limmattaler Zeitung betont. An dieser Grundhaltung hat sich offiziell nichts geändert.

Wie auch immer die Zukunft des Rangierbahnhofs aussieht. Der Druck auf ihn nimmt zu. Man braucht kein Hellseher zu sein, um zu wissen, dass der Rangierbahnhof in wenigen Jahrzehnten mitten in Wohngebiet liegt. Spätestens dann, wird ernsthaft über seine Versetzung diskutiert werden. Die schlechte Auslastung befeuert diese Diskussion.

Aktuelle Nachrichten