Freibad Im Moos
Fäkalbakterien: Biobadi wechselt Wasser alle zwei Stunden

In der Schlieremer Badi Im Moos wurden Anfang Juli sehr hohe Werte an Fäkalbakterien gemessen. Die Stadt hat nun reagiert und aussergewöhnliche Massnahmen ergriffen.

Tobias Hänni
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Im Nichtschwimmerbecken der Biobadi wurde Anfang Juli eine sehr hohe Konzentration an Fäkalbakterien gemessen.

Im Nichtschwimmerbecken der Biobadi wurde Anfang Juli eine sehr hohe Konzentration an Fäkalbakterien gemessen.

Limmattaler Zeitung

«Ich kann mit gutem Gewissen sagen: Unsere Gäste können unbesorgt sein». Das sagt der Schlieremer Werkvorstand Stefano Kunz zur Wasserqualität in der Biobadi im Moos. Am Dienstagabend hing beim Eingangsbereich der Badeanstalt ein Infoblättchen mit den Resultaten einer Wasserkontrolle vom 3. Juli. Gemäss dieser von einem privaten Labor durchgeführten Kontrolle wiesen das Plansch- und das Nichtschwimmerbecken an jenem Tag sehr hohe Werte an Kolibakterien auf: Im Nichtschwimmer-Becken schwammen in 100 Millilitern über 1000 der Fäkalbakterien, im Kinderbecken deren 240 (die Limmattaler Zeitung berichtete) Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt für künstliche Badeteiche einen Grenzwert von höchstens 100 Bakterien pro 100 Milliliter.

Laut Stadtrat Kunz war die massive Überschreitung des Grenzwertes allerdings bloss eine kurzfristige: «Die Messung wurde vom Labor an diesem Tag um 14 Uhr durchgeführt. Unsere eigene Messung um 17 Uhr wies bereits wieder deutlich tiefere Werte auf.» Dies habe gezeigt, dass das biologische Reinigungssystem der Badi funktioniere. «Auch wenn es zurzeit wegen der hohen Temperaturen und der vielen Gäste stark belastet ist.» Mit diesem Problem seien derzeit aber alle Badeanstalten konfrontiert. «Auch die konventionellen, die das Wasser mit Chlor reinigen.»

Das Labor kontrolliert nun täglich

Doch wieso wurden die Gäste der Biobadi mit einem veralteten Kontrollbericht über die Wasserqualität informiert? «Die Analyse der Wasserproben durch das externe Labor dauert vier Tage», erklärt Kunz. Die Ergebnisse der letzten Kontrolle vom 10. Juli habe die Stadtverwaltung erst kürzlich erhalten. «Diese wurden nun aber ausgehängt», sagt Kunz. Auch diese Kontrolle habe bei den Kolibakterien «einen hohen Wert» ergeben. «Aber wir haben die Situation im Griff», versichert Kunz.

Wasserqualität

Nach Vorgaben des Bundes beurteilt

Für die hygienische Beurteilung von Biobadis werden im Kanton Zürich laut Kantonschemiker Martin Brunner die Empfehlungen des Bundes für künstliche Badeteiche herangezogen. Werden dabei besonders hohe Bakterienwerte festgestellt, nehme man die nationalen Vorgaben für See- und Flussbäder zur Hand, um Massnahmen abzuleiten. Dabei wird zwischen vier Qualitätsklassen (A-D) unterschieden. Laut Brunner wurde Schlierens Badi aufgrund der Anzahl Kolibakterien vorübergehend in die zweittiefste Klasse C eingestuft. Bei dieser ist laut Bund eine gesundheitliche Gefährdung «nicht auszuschliessen». Die Gefahr krank zu werden, sei aber gering, so Brunner. (hae)

So seien aufgrund der jüngsten Messergebnisse verschiedene Massnahmen ergriffen worden. «Das Wasser im Planschbecken wird nun alle zwei Stunden komplett ausgetauscht.» Da eine Wassertemperatur von 26 Grad die Vermehrung der Bakterien fördere, werde ausserdem ständig kühles Wasser zugeführt. «Damit das Wasser nicht wärmer als 23 Grad wird», sagt Kunz. Ausserdem werde das Wasser aus dem Planschbecken nicht mehr ins System zurückgeführt und gereinigt, sondern direkt ins Abwasser geleitet. «Dadurch wird das ganze System entlastet.»

Ebenfalls hat die Biobadi die Frequenz der externen Wasserkontrollen erhöht. «Das Labor führt nun jeden Tag eine Kontrolle durch.» Künftig würden sowohl die internen wie externen Kontrollergebnisse in der Badi ausgehängt. «Wir wollen die Wasserqualität nicht verheimlichen. Im Gegenteil, es soll transparent informiert werden», sagt Kunz.

André Thoma, Sekretariatsleiter Werke, Versorgung und Anlagen, präzisiert die Aussagen seines Chefs. «Das Labor kontrolliert zurzeit jeden Tag um 17 Uhr das Wasser.» Um diese Zeit seien in der Regel am meisten Gäste in der Badi und die Verunreinigung des Wassers sei am höchsten. Weil die externen Kontrollergebnisse immer erst vier Tage nach der Entnahme der Wasserprobe vorlägen, seien die aktuellsten jene vom 10. Juli. Die Kontrolle von diesem Tag ergab wiederum einen Wert von über 1000 Fäkalbakterien pro 100 Milliliter im Planschbecken der Biobadi, im Nichtschwimmerbecken lag der Wert aber weit unter der empfohlenen Grenze.

Die letzte interne Messung fand laut Thoma am 12. Juli statt. Die Ergebnisse, die der Limmattaler Zeitung vorliegen, zeigen für das Schwimmer- und das Nichtschwimmerbecken wie für den Sprungturm normale Werte. Für das Kinderplanschbecken fehlen jedoch Angaben. «Die Kontrolle wurde am Morgen durchgeführt. Das Planschbecken wird aber nur nach Bedarf und jeweils erst um 11 Uhr mit Wasser gefüllt.», erklärt Thoma die fehlenden Kontrollergebnisse. Erwarte die Badi an einem Tag mehr als 500 Besucher, werde nun aber dreimal täglich das Wasser auf Bakterien untersucht. «Das wurde mit dem Kantonslabor so vereinbart.» Die letzten zwei Tage habe man aber darauf verzichtet, da wegen der Ferien nicht so viele Besucher erwartet worden seien.

Schon einmal zu hohe Werte

Es ist nicht das erste Mal, dass die Schlieremer Badi wegen der Wasserqualität in ihren Becken Schlagzeilen macht. Im ersten Sommer nach der Eröffnung 2011 wiesen das Planschbecken und das Nichtschwimmerbecken dreimal so hohe Werte wie die BAG-Empfehlung auf, Badegäste hatten nach dem Besuch der Badi unter Durchfall gelitten. Der damalige Werksvorsteher Christian Meier äusserte damals den Verdacht, dass die hohen Werte wohl auf den «Unfall» eines Besuchers zurückzuführen sei, dass also ein Kind seinen Stuhlgang nicht zurückhalten konnte.

Ähnlich argumentiert nun auch sein Nachfolger Stefano Kunz. «Der Fäkaleintrag ist im Planschbecken am höchsten.» Die Werte im Schwimmerbecken und beim Sprungturm scheinen ihm Recht zu geben: Die Anzahl Kolibakterien in diesen lagen dort am 3. und am 10. Juli weit unter dem empfohlenen Grenzwert des Bundes.

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