Erneuerungswahlen
So tickt Ron Weinstock – wie der Parteilose zum Sprengkandidat wurde

In Uitikon wird neuerdings auch um die acht Sitze im Gemeinderat gekämpft. Der neue Kandidat Ron Weinstock hatte noch nie ein politisches Amt inne. Trotzdem rechnet er sich Chancen aus.

Lukas Elser
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Ron Weinstock kandidiert als Parteiloser für den Uitiker Gemeinderat.

Ron Weinstock kandidiert als Parteiloser für den Uitiker Gemeinderat.

zvg

Wegen der jüngst angekündigten Kandidatur von Ron Weinstock (parteilos) kommt es beim Uitiker Gemeinderat doch noch zu einer Kampfwahl. Denn mit ihm bewerben sich nun acht Personen bei den Erneuerungswahlen am 27. März um einen der sieben Sitze.

Zur Erinnerung: Obwohl der Gemeinderat in den kommenden vier Jahren aus acht Personen besteht, werden bei der Gemeinderatswahl nur sieben gewählt. In der per 1. Januar 2022 in Kraft getretenen Einheitsgemeinde wird der achte Sitz von Amtes wegen von der Schulpräsidentin oder dem Schulpräsidenten besetzt. Dies ist aber nur eine Übergangsbestimmung. In vier Jahren wird der Gemeinderat wieder auf sieben Sitze reduziert.

Vier Kampfwahlen

Insgesamt kommt es in Uitikon zu vier Kampfwahlen: beim Gemeinderat, der Schulpflege, der Rechnungsprüfungskommission und der Sozialbehörde. Für den Gemeinderat kandidieren neben Ron Weinstock auch Michèle Rüegg Hormes (FDP, neu), der amtierende Gemeindepräsident Chris Linder (FDP, bisher), Daniel Schwendimann (FDP, bisher), Walter Schelling (SVP, bisher), Markus Stäheli (SVP, bisher), Markus Hoppler (Mitte, bisher) sowie David Vetsch (GLP). Linder ist einziger Kandidat für das Gemeindepräsidium. 

Auch die Schulpflege ist umkämpft. Sieben Personen kandidieren für fünf Sitze: Caroline Cada (FDP), Sonja Geiger-Wunderlin (parteilos) und Tamara Lehrmann (Mitte) treten wieder an. Neu stellen sich zur Wahl: Esther Braun (Elternverein), Sascha Ferg (FDP), Rebecca Krausse (Elternverein) und Maximiliano Wepfer (Mitte). Cada will ins Präsidium. Wenn sie gewählt wird, kommt ihr von Amtes wegen der achte Sitz im Gemeinderat zu.

Für die fünfköpfige Rechnungsprüfungskommission kandidieren acht Personen. Bisherige sind André Müller (FDP), Roselien Huisman Schütz (FDP) und Christophe Banderet (Mitte). Neu auf der Liste stehen Arthur Blaser (FDP), Ulrich Braun (GLP), Balz Gut (FDP), Eric Huber (SVP) und Victor ­Meyer (Mitte). Müller kandidiert wieder fürs Präsidium.

Um einen Platz in der vierköpfigen Sozialbehörde bewerben sich fünf Personen: die drei Bisherigen Philipp Uhlmann (parteilos), Ursula Aebi (parteilos) und Ursula Tobler (SVP) sowie die beiden Neuen Daniela Faoro Dingetschweiler (FDP) und Barbara Willimann Steinfort (parteilos).

Weinstock war einst Trainer beim FC Uitikon

Doch wer ist Ron Weinstock überhaupt? Der Versicherungsspezialist und Vater von einem neun- und einem elfjährigen Kind ist in Uitikon aufgewachsen und hat praktisch sein ganzes bisheriges Leben hier verbracht, wie er auf Anfrage berichtet.

Politische Ämter habe er bis jetzt noch keine ausgeübt. Er sei aber im Dorf verwurzelt und als Jugendlicher Trainer beim FC Uitikon gewesen. Und heute unterstütze er den UHC Üdiker Lions. Dort spielt nämlich eines seiner Kinder. Zudem habe er einst im Vorstand des Elternforums (heute Elternrat Uitikon) mitgewirkt.

Der Grund für seine Kandidatur

Wieso kandiert der 42-Jährige gerade jetzt? «Ich habe Politologie studiert, stimme immer ab und befasse mich auch ausführlich mit den Themen», gibt Weinstock zur Antwort. Zudem schätze er die Gemeinde und wolle ihr deshalb etwas zurückgeben. Er habe sich schon immer politisch in Uitikon engagieren wollen. Und da ihn in letzter Zeit viele Leute zu einer Kandidatur ermutigt hätten, habe er diesen Schritt jetzt auch gewagt.

Dass er Rückhalt im Dorf geniesst, zeigt der Flyer, den Weinstock vor den Wahlen in den Uitiker Briefkästen verteilt: Als Unterstützer unterzeichneten diesen zum Beispiel der Parteilose Patrik Wolf, der nicht mehr als Gemeinderat antritt, der Präsident des FC Uitikon, Martin Cincera, sowie die Uitiker Friedensrichterin Martina Sengupta-Frick (parteilos).

Weinstock glaubt nicht, dass er als einziger parteiloser Kandidat weniger Chancen auf einen Sitz hat. Zur Frage, warum er nicht in einer Partei ist, sagt er: «Die Meinungen der Parteien sind mir wichtig, jedoch möchte ich persönlich, lösungsorientiert und sachpolitisch handeln und nicht parteipolitisch.»

Er will sich nicht schubladisieren lassen

In das klassische Link-Rechts-Schema will er sich nicht einordnen. Er hat ein starkes Interesse an Umweltthemen und findet, dass die Autos oft zu schnell durchs Dorf fahren. Gleichzeitig möchte er aber auch die örtliche Parkplatzsituation verbessern.

Weinstock spricht sich für eine gute Schulinfrastruktur, Betreuungsplätze für Kinder und durchmischte Wohnquartiere aus. Er fordert aber auch einen gesunden Finanzhaushalt. Und möchte nicht, dass die Steuern erhöht werden.

Die Ausgangslage bei den Kirchenpflegen

Etwas wenig Interesse scheint derzeit für ein Amt in der evangelisch-reformierten Kirchenpflege zu bestehen. Im Rahmen der Wahlen 2022 kandidieren bisher nur vier Personen für einen Sitz in der siebenköpfigen Kirchenpflege: die bisherigen Manuela Vock, Reto Voser und Janine Siegfried sowie die neue Claudia Lamm. Alle Kandidierenden sind parteilos. Siegfried will wieder ins Präsidium. 

Bei den Katholiken sieht die Situation etwas besser aus. Für die fünf Sitze in der römisch-katholischen Kirchenpflege Aesch-Birmensdorf-Uitikon treten fünf Personen an, davon drei Bisherige. Zu Letzteren gehören Andreas Schäppi (Birmensdorf), Stephanie Ehrensberger (Uitikon) und Michael Faske (Birmensdorf). Neu kandidieren Gjokë Daka (Birmensdorf) und Pia Meyer (Aesch). Alle Kandidierenden sind parteilos. Ehrensberger will wieder ins Präsidium.

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