Fisch des Jahres
«Effektiver Leitfisch in dieser Gegend»: Dem Alet gefällt es in den Limmattaler Gewässern

Allesfresser, Überlebenskünstler, Fisch des Jahres 2021: Die Fischer im Limmattal treffen oft auf den vielseitigen Alet. Sie hoffen, dass der widerstandsfähige Fisch bald auch in der Schweiz mehr geschätzt wird.

Carmen Frei
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Der Alet ist auch im Limmattal zahlreich anzutreffen.

Der Alet ist auch im Limmattal zahlreich anzutreffen.

zVg

Der Alet wurde vom Schweizerischen Fischerei-Verband (SFV) zum Fisch des Jahres 2021 erkoren. Der Überlebenskünstler fühlt sich auch in der Region wohl. «Der Alet ist im Limmattal weit verbreitet», sagt Lukas Bammatter, Adjunkt Fischerei bei der Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons Zürich.

In der Limmat und der Reppisch schwimmen viele Alets, aber auch oberhalb des Marmoriweihers sei er anzutreffen. «Ausserdem findet man ihn in zahl­reichen Bächen, die ohne Wanderhindernis in die Limmat münden», sagt er. Der Alet, auch Döbel genannt, sei vor allem in Fliessgewässern anzutreffen. «Dabei hat er niemals die Ansprüche einer Forelle. Er ist sehr reproduktionsfreudig und dementsprechend auch zahlreich anzutreffen», sagt Bammatter.

Der Alet gehört zu den Karpfenfischen. Laut dem SFV ist sein Verbreitungsgebiet ausgedehnt und reicht von der Iberischen Halbinsel bis zum Kaspischen Meer sowie von Italien bis in die südlichen Regionen Skandinaviens. Grössere Exemplare des Alets können bis zu 80 Zentimeter lang werden, die ältesten bekannten Exemplare wurden über 20 Jahre alt.

«Ich habe das Gefühl, er ist der Fisch, der die vergangenen Jahre am meisten geprägt hat», sagt Denis Moritzi, Präsident des Fischereivereins Zürich 1883. «Es ist sehr eindrücklich, wie er sich vermehrt hat und anpassungsfähig ist, auch angesichts des Klimawandels.» Er könne Temperaturen von bis zu 30 Grad und damit auch weniger Sauerstoff im Wasser aushalten. Auch Verunreinigungen durch Chemikalien seien für ihn weniger ein Problem. Zudem sei er ein Allesfresser, erklärt Moritzi.

Der Fischereiverein Zürich 1883 befischt gleich drei Reviere im Limmattal, die etwa sieben Kilometer der Limmat umfassen. «Eigentlich ist das eine Forellen- und Äschen-Region. Als ich Jungfischer war vor etwa 20 Jahren, war der Alet eher eine seltene Erscheinung », erinnert er sich. Bei seinem ersten Fang sei der Alet noch kaum bekannt gewesen. Das hat sich stark verändert. «Der Alet ist nun effektiver Leitfisch in dieser Gegend», sagt Moritzi.

Der Fisch des Jahres fühlt sich in der Limmat wohl

«Der Alet ist ein interessanter Fisch», findet auch Thomas Hofstetter, Bewirtschafter des Fischervereins Kloster Fahr. Obwohl die Fischbestände allgemein zurückgegangen sind, halte er sich gut. «Er ist ein sehr vielseitiger Fisch, das ist sicher auch ein Grund für die Wahl zum Fisch des Jahres», sagt er. In der Limmat fühle sich der Alet wohl. «Es ist ein Gewässer, das ihm zusagt, obwohl die Wassertemperaturen immer höher werden», sagt er. Er finde auch genug Futter und Laichmöglichkeiten im Fluss.

«In der Limmat kommt er häufig vor. Er ist ja ein robuster Fisch, auch heisse Sommer übersteht er gut», sagt auch Albert Demut, Pächter des Fischereireviers Länggenbach. Der Dorfbach mündet in der Fahrweid in die Limmat. Auch Demut verweist auf die Anpassungsfähigkeit des Alets. «Er ist ein guter Kämpfer. Je nachdem ist er aber auch sehr vorsichtig», sagt Demut. In seinem Revier fange er ihn oft. Zudem sei der Alet ein richtiger Allesfresser: «Er frisst Fische, Insekten, Kirschen, dabei vor allem die wilden. Auch Früchte hat er wahnsinnig gern», sagt Demut.

«Er ist nicht wählerisch», sagt Thomas Hofstetter. Ob das nun für Enten bestimmtes Brot, kleine Fische oder Frösche seien. «Er ist nicht heikel. Er ist aber ein schlauer Fisch.» Grössere Alets seien fast schwieriger zu fangen als Forellen, da sie schnell merken, wenn etwas nicht stimme. Zudem sei er ein sehr lernfähiger Fisch. «Er ist relativ scheu, aber die Population ist so gross, deshalb fängt man ihn trotzdem oft», erklärt Moritzi. Beim Fischen des Alets können verschiedene Fischereitechniken wie Naturköderangeln, Spinnangeln und Fliegenfischen angewandt werden, das sei interessant.

Der Alet sei zu Unrecht als Speisefisch unbeliebt

«Ein Ziel unseres Vereins ist aber auch, dass wir den Leuten diesen Fisch kulinarisch näherbringen», sagt Moritzi. Der Alet sei trotz seiner vielen Gräten im Fleisch äusserst schmackhaft. «Wir führen auch explizit Alet-­Fischen durch, bei denen wir den Fisch vor Ort filetieren und verarbeiten», sagt er. Fischfrikadellen seien dabei bei Jung und Alt sehr beliebt.

Albert Demut bildet selbst Angler aus und leitet sogenannte SaNa-Kurse. Damit erlangen angehende Angler den Sachkundenachweis des «Netzwerks Anglerausbildung». Auch er findet, dass dem Alet mehr Beachtung geschenkt werden sollte. «Wir schauen bereits bei der Ausbildung, dass er nicht fortgeworfen wird, weil er zu viele kleine Gräten hat. Man kann beispielsweise Fischburger machen, die sind fantastisch zum Essen», meint er. Dass er hierzulande als Speisefisch nicht so beliebt ist, findet er schade.

Die Fischer hoffen auf mehr Beachtung für den Alet

Thomas Hofstetter sieht das auch so. «Wenn man ihn richtig zubereitet, dann ist das ein sehr guter Fisch», erklärt er. «Viele Leute wissen das aber gar nicht.» Sie hätten im Verein darum einen Fokus auf Ruchfische, zu denen der Alet gehört, gelegt. «Der Alet ist wirklich auch ein leckerer Fisch und man kann ihn das ganze Jahr durch befischen», sagt Hofstetter.

Denis Moritzi hofft ebenfalls, dass dem Fisch des Jahres nun mehr Beachtung geschenkt wird. In anderen Ländern seien die karpfenartigen Fische beliebt und würden sogar zum Essen gezüchtet, beispielsweise für Weihnachtskarpfen. Dass man sich hierzulande bisher vor allem auf die Edelfische wie Forellen oder Felchen fokussiert hat, sieht er kritisch. «Es ist auch ein wenig ein Widerspruch», meint er.

Verschiedene Edelfische würden stark subventioniert und gezüchtet, um sie wieder fischen zu können. Er betont: «Dort müsste man in Zukunft nachhaltiger sein und auf die verschiedenen heimischen Weissfischarten zurückgreifen, um die ­bedrohten Fischarten schützen zu können.»