Wildbienen
Dr. Andreas Müller: Biene ist nicht gleich Honigbiene

Der Natur- und Vogelschutzverein Birmensdorf lud den Biologen Dr. Andreas Müller zu einem Vortrag über die Vielfalt der Wildbienen. Interessierte Mitglieder und Gäste kamen ins Gemeindezentrum Brüelmatt.

Ly Vuong
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Die Bienen an ihrer Arbeit

Die Bienen an ihrer Arbeit

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Viele Wildbienen-Arten sind selten geworden oder ausgestorben. Dabei sind sie wichtige Bestäuber von Wild- und Kulturpflanzen», begründete Josef Senn, Vizepräsident des Natur- und Vogelschutzvereins, die Themenwahl für den Vortrag vom Freitagabend. Um dann sogleich den Referenten Dr. Andreas Müller von der ETH Zürich vorzustellen. Dieser schaffte ein weit verbreitetes Missverständnis aus dem Weg: «Die meisten Leute denken bei Bienen an die Honigbiene», der entscheidende Unterschied sei aber, dass Honigbienen in Staatengemeinschaften leben, Wildbienen hingegen einsiedlerisch. So baue beispielsweise die Sandbiene ihre Nester im Boden – was 50 Prozent aller Wildbienenarten ebenfalls täten, erklärte er weiter. Weitere 20 Prozent nisten sich in Hohlräume wie Totholz oder Schneckenhäuser ein, wenige bauen Nester in Pflanzenstängeln.

Zu den einzelnen vorgestellten Wildbienenarten wurden Fotos gezeigt, die die Vielfalt sowohl in Fortpflanzung als auch im Aussehen illustrierten. Viele Wildbienen seien spezialisiert auf bestimmte Blüten, deshalb seien sie ein ausgezeichneter Indikator für vielfältige und nicht intensiv genutzte Landschaften, sagte Müller.

Mit einem Foto einer Wiese ohne Blumen, ausschliesslich mit Rasen bestückt, zeigte Müller das Hauptproblem der Tiere. «Fast 50 Prozent der Wildbienenarten gehören zu den gefährdeten Tierarten. Grund ist die intensive und einseitige Nutzung von Landflächen», kommentierte Müller das Bild. Er plädierte somit für den Schutz der Wildbienen-Diversität, der mit der Förderung von Blütenlandschaften sichergestellt würde.

Was denn genau der Unterschied zwischen Bienen und Wespen sei, wollte ein interessierter Zuhörer beim Frageteil am Ende des Vortrages wissen. Die Ähnlichkeit einiger Wildbienenarten mit Wespen sei kein Zufall, erklärte Müller – denn eigentlich seien Bienen vor allem vegetarische Wespen.

«Spannend!», urteilte Zuhörer Werner Schwehr am Ende des Referats. Überrascht habe ihn vor allem die hohe Zahl von 1140 Blüten, die es brauche, um eine einzige Mörtelbienenlarve aufzuziehen. «Ein sehr interessanter Vortrag», meinte auch die Forstwissenschafterin Brigitte Commarmot. Die vielfältigen Strategien und Spezialisierungen der Wildbienen hätten sie am meisten fasziniert.