Dietikon
Immer weniger Ackerland: Stadt findet, dass sie Landwirte schon ausreichend unterstützt

Der Dietiker Stadtrat will nichts von einer Strategie zur Förderung der einheimischen Landwirte wissen. Dies antwortete er auf eine Kleine Anfrage von Gemeinderat Andreas Wolf (Grüne).

Ruedi Burkart
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Die Limmattalbahn wird immer wieder zum Politikum. Im Stadtrat wurde nun über das Depot der Bahn diskutiert.

Die Limmattalbahn wird immer wieder zum Politikum. Im Stadtrat wurde nun über das Depot der Bahn diskutiert.

Alex Spichale

Im Dietiker Müsli fällt wegen dreier Bauprojekte viel Ackerland weg: Das neue Depot der Limmattalbahn beansprucht 1,4 Hektaren Ackerland. Durch den Bau des neuen Verkehrsknotens Mutschellen- und Industriestrasse werden im selben Gebiet rund 500 Quadratmeter wegfallen, mit der Erstellung einer Anlage zum Behandeln des Strassenabwassers weitere 2000 Quadratmeter. Diese Flächen können auf dem Stadtgebiet nicht ersetzt werden, darum erfolgt die Kompensation im Bezirk Affoltern. In Maschwanden ist eine entsprechende Fläche ausgewählt worden. Diese Auslagerung von Ackerland bedrohe die einheimischen Landwirtschaftsbetriebe, warnte der Dietiker Gemeinderat Andreas Wolf (Grüne). Er wollte mittels einer Kleinen Anfrage vom Stadtrat unter anderem wissen, ob eine Strategie zur Förderung der einheimischen Landwirtschaftsbetriebe besteht und wie die Stadt weiteren Verlusten von Fruchtfolgeflächen zu begegnen gedenke.

Der Stadtrat schreibt in seiner Antwort, dass er über keine explizite Strategie zur Förderung der einheimischen Landwirtschaftsbetriebe verfüge. Er unterstütze diese aber auf vielfältige Art und Weise. Die Stadt gleiste zum Beispiel 2014 ein von lokalen Landwirten lanciertes Vernetzungsprojekt auf. So unterstützte sie Landwirtinnen und Landwirte dabei, die natürliche Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern, indem ökologische Ausgleichsflächen zu Gunsten ausgewählter Arten angelegt, aufgewertet und gepflegt wurden. Auch als die Aargau Verkehr AG (AVA) eine notwendige Ersatzaufforstung auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche vornehmen wollte, setzte sich die Stadt erfolgreich für den Erhalt der landwirtschaftlichen Produktion und für eine alternative Aufforstungsfläche ein.

Seit der Einzonung des Gebiets Niderfeld, einem 40 Hektaren grossen Areal im Nordosten Dietikons, im Jahr 2007 hat die Stadt keine nennenswerten Landwirtschaftsflächen mehr eingezont. Entsprechend gingen seither auch kaum mehr Fruchtfolgeflächen verloren. Eine Ausnahme bildet der Entscheid der Kantone Aargau und Zürich, das Depot der Limmattalbahn im Gebiet Müsli zu errichten. Dadurch wurden 1,4 Hektaren Fruchtfolgefläche der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen. Die Stadt Dietikon hatte sich damals vergeblich gegen den Standortentscheid gewehrt.

Stadt besitzt Ackerland in Nachbargemeinden

Zum Thema Auslagerung von Ackerland schreibt der Stadtrat in seiner Antwort, dass Dietikon auch in den Nachbargemeinden landwirtschaftlich nutzbare Flächen besitzt. Diese werden genau wie das Ackerland auf Dietiker Boden an insgesamt fünf Dietiker Landwirtschaftsbetriebe verpachtet. Eine aktive Unterstützung der Betriebe bei der Suche nach zusätzlichen Flächen findet laut Stadtrat derzeit nicht statt und ist auch für die Zukunft nicht vorgesehen.

Grundsätzlich, so der Stadtrat, handle es sich bei der Abnahme der landwirtschaftlichen Fläche um einen schweizweiten Trend und nicht um ein lokales Problem. Laut den Daten des Statistischen Amts Zürich hat sich die landwirtschaftliche Nutzfläche in Dietikon in den letzten 20 Jahren um 14 Prozent verringert. 2000 waren es 182 Hektaren, 2019 noch deren 156. Die Stadt zählt aktuell sechs landwirtschaftliche Betriebe, 2000 waren es noch zwei mehr.

Gemeinderat Andreas Wolf hatte seine Kleine Anfrage Anfang November 2020 eingereicht. Bereits im Mai 2020 verliehen er und neun Mitunterzeichner mittels einer Interpellation ihrer Sorge um das städtische Ackerland Ausdruck. Damals wollte Wolf beispielsweise wissen, wann die Stadt Dietikon von der Limmattalbahn über den dauerhaften respektive temporären Verlust der Fruchtfolgeflächen informiert worden war. Und auch, ob die Kündigungsfristen mit den betroffenen Landwirtschaftsbetrieben eingehalten wurden.

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