Dietikon

Dieses Trio mischt die Kaffeewelt auf: Es will Wertschöpfung in Uganda statt in der Schweiz

Der Dietiker Onlineshop «Five Good Goods» vertreibt Kaffee aus Uganda – und will damit die Branche verändern.

Morgenmuffel, Schichtarbeiter, Feinschmecker: Wie würde ein normaler Tag für sie wohl aussehen, wenn es die obligate Tasse Kaffee nicht gäbe? Kaffee mag so ziemlich jeder. Amaru und Johannes Küng und Alain Willi ergeht es da nicht anders. «Umso mehr mögen wir ihn, wenn wir auch die Geschichte des Kaffees in unserer Tasse kennen», ist ihr Leitspruch. Und ihre Geschichte geht so: Die drei Dietiker  betreiben seit Januar den Online- Kaffeeshop «Five Good Goods» und verkaufen aus Uganda importierten Kaffee. Die Rohbohnen werden vollumfänglich am Mount Elgon an der Grenze zu Kenia von lokalen Bauern gepflanzt, von Hand gepflückt und geröstet. Der gesamte Verarbeitungsprozess findet also in Uganda statt – hier in der Schweiz kommt bloss noch die Etikette auf die Verpackung.

Bei herkömmlichem Kaffee hingegen werden bereits die Rohbohnen importiert, sodass die restlichen Produktionsschritte hier stattfinden. Für die Kaffeebauern in Uganda ein ­grobes Verlustgeschäft, ist für Küng klar: «An Rohbohnen verdienen sie viel weniger als am fertigen Kaffee.» Tatsächlich ist Uganda der achtgrösste Kaffeeproduzent weltweit, machte 2018 damit aber bloss einen Umsatz von 487 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Der Umsatz in der Schweiz betrug 2,2 Milliarden Dollar – obwohl hierzulande gar keine Kaffeepflanzen wachsen. Amaru Küng, die selbst aus Uganda stammt, ihr Ehemann Johannes und dessen Cousin Alain wollen dies nun ändern: «Die grösste Wertschöpfung passiert beim Rösten und beim Veredeln. Diese Arbeitsschritte müssen im Ursprungsland geschehen, nicht in der Schweiz», sagt Küng.

In der Industrie soll ein Umdenken stattfinden

Mit diesem neuen Geschäftsmodell möchten die Jungunternehmer faire Löhne für die Kaffeebauern garantieren und neue Arbeitsplätze schaffen. «Wir kaufen Arabica-Rohbohnen über dem Fairtrade-Preis von zwei Dollar pro Kilogramm ein, das ist das Doppelte des Weltmarktpreises», sagt Willi. Für das fertig produzierte Kilogramm Kaffee zahlen sie den lokalen Produzenten dann 11 bis 13 Franken. Das entspricht mehr als einem Fünffachen des Umsatzes, den die lokalen Produzenten normalerweise erzielen. «Five Good Goods» zahlt sich selbst zudem momentan noch keine Löhne aus.

Viel wichtiger ist ihnen, ein Umdenken in der Kaffeeindustrie auszulösen, wie sie betonen: «Viele Konsumenten sind sich teils gar nicht bewusst, woher der Kaffee wirklich kommt, oder denken, es wäre ein Schweizer Produkt. Wir wollen unserem Kaffee nun ein Gesicht verleihen. Die Leute sollen den Herkunftsort und die Hersteller kennen.» Eine gewisse Veränderung sei teils zwar schon festzustellen, so Küng. «Five Good Goods» sei, so sagt er, momentan jedoch der einzige Schweizer Shop, der fixfertigen Kaffee aus dem globalen Süden vertreibt.

In Zukunft will das Trio nebst Kaffee zudem Zuckerrohr, Kakao, Tee und Früchte anbieten – daher auch der Firmenname. Mittels dieser fünf Güter, die im Ursprungsland gewonnen und verarbeitet werden, soll die Zukunft der lokalen Produzenten gesichert werden.

Bislang bietet das junge Unternehmen auf seiner Website www.fivegoodgoods.org zwei Kaffeebohnen-Sorten an: «Suave Mokka» und «Suave Espresso». 250 Gramm kosten 10 Franken, 500 Gramm 17 Franken und ein Kilo 30 Franken.

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