Oberengstringen
«Cinéma Invisible»: Wenn Jazz zum unsichtbaren Kino für die Ohren wird

Das Hausquartett bestach im Oberengstringer Jazzclub Allmend mit experimentellen Klängen.

Liana Soliman
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Die Geschichten hörte man durch die Instrumente.

Die Geschichten hörte man durch die Instrumente.

Liana Soliman

Gedämpfte Lichter, Chips, Wein oder Bier und moderner, experimenteller Jazz im kleinen aber feinen Jazzclub Allmend in Oberengstringen: So liessen etwa 20 Personen den regnerischen Freitag ausklingen. Sie hörten dabei die Musik des Badener Hausquartetts. Das Motto des Abends liess sich während des Konzerts schnell heraus­hören: Cinéma Invisible.

«Wir wissen auch noch nicht genau, was jetzt passieren wird. Aber wir sind gespannt», sagte Christoph Baumann, schmunzelte und setzte sich ans Klavier und richtete sich ein. Auch die übrigen Bandmitglieder machten sich bereit. So stellte Hämi Hämmerli den Kontrabass auf, Tony Renold setzte sich ans Schlagzeug, nahm seine Sticks in die Hand, und Christoph Grab griff nach dem Tenorsax.

Die Rhythmussektion des Quartetts spielt schon seit etwa 40 Jahren zusammen. Es handelt sich also um ein eingespieltes Team, doch auch der Saxofonist Grab harmonierte bestens mit ihnen. Tatsächlich bekam das Publikum nicht einzelne Stücke zu hören. Im Gegenteil, die Musiker liessen gekonnt Stile durch perfekte, reibungslose, teils verspielte Übergänge ineinanderfliessen. Nicht nur Stile, sondern auch verschiedene Abschnitte, Szenen und Stücke verschmolzen so zusammen, dass ein einziges grosses, abwechslungsreiches, aufregendes Werk entstand. Die vielen Facetten zeigten sich an den teils rassigen, teils neckischen, mal brüchig-provokanten und groovigen oder an den melodischen und rhythmisierenden Szenen. Doch zur Dramaturgie des jazzigen Films gehörten auch weiche, beruhigende Momente. Was wäre jedoch ein Kino ohne ein wenig Spannung, welche die vier Künstler durch schrille, metallene Klänge kreierten. So wurde die Ruhe zerrissen. Geschichten hörte man durch die Dialoge zwischen Saxofon, Klavier, Kontrabass und Schlagzeug.

«Gerettet ist der Club noch nicht», sagt der Präsident

Der Jazzclub Allmend existiert schon seit über 30 Jahren. Es habe Höhen und Tiefen gegeben, sagt Interimspräsident Dieter Ulrich. Vor zwei, drei Jahren fürchtete man das Ende des Veranstaltungsorts, als Martin von Aesch nach rund drei Jahrzehnten das Präsidium des Clubs abgab. «Gerettet ist der Club noch nicht», sagt Ulrich. Im letzten Sommer hat man gemäss dem Vereinspräsidenten einen Aufruf auf diversen Kanälen gemacht, um mehr Mitglieder und Interessierte zu finden, die bei der Durchführung der Veranstaltungen helfen. Diese fänden etwa zehn Mal jährlich statt. «Der Aufruf war in dem Sinne erfolgreich, dass sich wirklich einige Personen gemeldet haben», sagt Ulrich, «und der eine oder andere würde vielleicht sogar dem Vorstand beitreten.»

Das Zwischenmenschliche müsse auch stimmen

Als Präsident des Clubs habe er viel zu tun und zu diesen ­Aufgaben kommt seine Tätigkeit als Musiker, Kunsthistoriker und Dozent hinzu. Zum Vorstand meint das letzte Gründungsmitglied: «Jeder hat seine Funktion, wir verstehen uns einfach wunderbar, ziehen am selben Strang und haben die gleichen Vorstellungen davon, wie der Jazzclub laufen soll.» Es sei wichtig für ein Team, auch auf einer zwischenmenschlichen Ebene zu harmonieren und Spass zu haben. «Wir sind motiviert und das ist die ­Hauptsache.»

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