Region Limmattal
Blinde Passagiere im Gummiboot: Warum Hobbykapitäne beim Gewässerwechsel schrubben sollen

Der Kanton ruft Hobbykapitäne und Stand-up-Paddler auf der Limmat dazu auf, ihre Gefährte zu reinigen.

Oliver Graf
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Können Überbringer unerwünschter Mitbringsel sein: Gummiboote und Stand-Up Paddles.

Können Überbringer unerwünschter Mitbringsel sein: Gummiboote und Stand-Up Paddles.

Keystone

Die Frage auf dem Plakat richtet sich nicht nur an die vielen Schlauchbootfahrer, die an heissen Sommertagen auf der Limmat unterwegs sind. Sie ist auch an die Stand-up-Paddler sowie an Kajak- und Kanufahrer adressiert. Und sie richtet sich indirekt auch an Fischer und andere Personen, die viel am und im Fluss sind. «Unbemerkte Fracht an Bord?» lautet die Frage, die das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) der kantonalen Baudirektion stellt.

Dabei geht es zwar nicht um Schmuggelware, aber doch um die Einfuhr unerwünschter Mitbringsel: um gebietsfremde Tiere und Pflanzen. Derartige Neobiota könnten auf Schlauchbooten, Kajaks, Paddeln und weiteren Schwimm- und Angelutensilien, die auf anderen Gewässern eingesetzt wurden, haften geblieben sein und nun mittransportiert werden, warnt das Awel. Es sei Sorgfalt gefragt, wenn Wassersport- und Fischereigeräte von einem Gewässer ins nächste mitgenommen werden.

Für Gummiboot-Kapitäne, die sich vom Höngger Wehr bis zur Ausstiegsstelle bei der Allmend Glanzenberg oder entgegen den Empfehlungen der Stadt Dietikon doch bis zur Dietiker Nötzliwiese treiben lassen, bedeutet dies dasselbe wie für alle Stand-up-Paddler und Kanuten: Sie sollten bei einem Gewässerwechsel schrubben.

Abspülen, reinigen und trocknen lassen

«Kontrollieren Sie Stand-up-Paddles, Kanus, Kajaks, Schlauchboote, Paddel und weitere Ausrüstung auf Rückstände von Pflanzen und Tieren», bittet das kantonale Amt. Zudem: «Spülen Sie das Paddel- oder Schlauchboot mit sauberem, wenn möglich heissem Wasser ab.» Grössere Boote sollten dabei «möglichst mit Hochdruckreiniger» geputzt werden, wobei der Abfluss an die Kanalisation angeschlossen sein muss. Das Restwasser soll im Weiteren ebenfalls restlos geleert werden – und dies natürlich bereits am Ursprungsgewässer und nicht erst vor dem nächsten Start an einem neuen Standort. Zudem soll die Ausrüstung, bevor sie auf einem anderen Gewässer eingesetzt wird, vollständig getrocknet werden lassen.

Mit diesen verschiedenen Massnahmen soll verhindert werden, dass beispielsweise vom Besitzer unbemerkt und unbewusst winzige Larven gebietsfremder Tiere von Gewässer zu Gewässer transportiert werden, wie es beim Awel heisst. «Denn die eingeschleppten oder eingewanderten Tiere und Pflanzen können Mensch, Tiere, Infrastrukturanlagen und die Umwelt erheblich schädigen, wenn sie sich stark ausbreiten.»

Amerikanische Grosskrebse, welche die Krebspest übertragen, haben gemäss den Awel-Experten an gewissen Orten bereits die einheimischen Edelkrebse zum Aussterben gebracht. Schwarzmundgrundeln verdrängen derweil heimische Fischarten von ihren Laich- und Futterplätzen. «Im Basler Rhein machen sie inzwischen bis zu 90 Prozent der Fischfänge aus», hält das Awel fest. Und gebietsfremde Muscheln wie die Körbchen- oder Quaggamuschel würden Wasserentnahmeleitungen verstopfen und einheimische bodenlebende Tiere vom Grund der Seen und Flüsse verdrängen. Im Wasser stellt sich dabei ein grosses Problem: «Sind diese Arten erst einmal in einem Gewässer angekommen, kann man sie kaum noch eindämmen.» Das Awel setzt deshalb gezwungenermassen auf Prävention: Vorbeugung sei die wichtigste Massnahme.

Erfolgreiche Kampagne am Pfäffikersee

Die Plakate, die auf die «unbemerkte Fracht an Bord» sensibilisieren, sind nicht nur bei der Allmend Glanzenberg angebracht. Sie stehen kantonsweit an verschieden Ein- und Auswasserungsstellen am Zürichsee, Greifensee, Pfäffikersee, Türlersee sowie am Schanzengraben, an Limmat, Thur und Rhein. Das Awel steht auch mit verschiedenen Wassersportverbänden und -organisationen in Kontakt, damit diese ihre Mitglieder mithilfe eines Faltblatts auf das Thema aufmerksam machen.

Von der Sensibilisierungskampagne verspricht sich der Kanton Zürich viel. Denn im Rahmen eines Pilotprojekts am Pfäffikersee, das von 2016 bis 2019 unter anderem auf die Information verschiedener Seenutzer setzte, war erfolgreich. In dieser Zeit «haben sich keine neuen invasiven Wasserorganismen im Pfäffikersee angesiedelt». Aus diesem Grund hat sich das Awel nun entschieden, die im Zürcher Oberland gemachten Erfahrungen im ganzen Kantonsgebiet anzuwenden.

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