Bezirksgericht Dietikon
Handyverkäufer zockt Kunde ab, wird aber freigesprochen

Ein Händler lockte einen Kunden mit einem lukrativen Deal für sehr günstige Handys. Doch er lieferte nie ‒ und zahlte das eingestrichene Geld nicht mehr zurück.

Dieter Minder
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Blick in eine Fabrik, in der Handys zusammengesetzt werden: Die bestellten Geräte sollten laut dem Angeklagten nach der Bezahlung von einem chinesischen Unternehmen entwickelt werden.

Blick in eine Fabrik, in der Handys zusammengesetzt werden: Die bestellten Geräte sollten laut dem Angeklagten nach der Bezahlung von einem chinesischen Unternehmen entwickelt werden.

Themenbild: Keystone

«Der Angeklagte ist nicht schuldig und wird freigesprochen», waren die ersten Worte von Bezirksrichter Benedikt Hoffmann am Bezirksgericht Dietikon bei der Urteilsverkündigung. Der heute 42-jährige Handyhändler – es handelt sich um einen im heutigen Kosovo geborenen Mann mit Schweizer Pass – war des Betrugs beschuldigt worden. Von einem Kunden, der sehr günstige chinesische Handys bestellt und bezahlt, aber nie erhalten hat.

Als er die Gerichtsakten sah, habe er angenommen, das werde eine grosse Geschichte, führte Hoffmann aus. Zivilrechtlich möge dies auch stimmen, aber strafrechtlich verhalte sich die Sache ziemlich einfach.

Der Firmensitz war im Dietiker Limmatfeld

Die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis war zuständig, weil der Handyverkäufer, der in der Stadt Zürich wohnt, seinen Firmensitz im Dietiker Limmatfeld hatte. In der achtseitigen Anklageschrift rollte sie die Vorgeschichte auf. Im Herbst 2017 waren der Kunde und der Handyhändler miteinander in Kontakt gekommen.

Der Kunde führt ein Unternehmen, das Reinigungspersonal anstellt und vermittelt. Beim Handyhändler wollte er 2000 sehr günstige Handys kaufen. Diese sollten von einem chinesischen Unternehmen entwickelt und hergestellt werden. Die Offerte des Händlers für die Geräte lag bei rund 94'000 Franken.

Mitte Dezember 2017 verlangte der Handyhändler, dass der Kunde die 94'000 Franken im Voraus überweise. Denn das chinesische Unternehmen sei nur gegen Vorauszahlung bereit, das gewünschte Handymodell zu entwickeln. Allerdings hatten die Chinesen laut der Staatsanwaltschaft lediglich eine Vorauszahlung von rund 53'000 Franken verlangt. Und auch der Gesamtpreis für die Handys lag nicht bei 94'000 Franken ‒ stattdessen hatten die Chinesen rund 75'000 Franken verlangt.

53'000 Franken nach China, 41'000 Franken in den eigenen Sack

Der Geschäftsführer des Reinigungsunternehmens vertraute dem Dietiker Handyhändler und folgte dessen Aufforderung: Ende Dezember 2017 überwies er ihm 94'000 Franken. Der Dietiker Handyhändler überwies davon 53'000 Franken nach China, die restlichen 41'000 Franken behielt er für sich. Und dann scheiterte plötzlich das ganze Geschäft.

Nachdem der Deal nicht zustande kam, zahlte die chinesische Firma via Händler 47’000 Franken zurück. Der Kunde erhielt also rund 46'000 Franken zu wenig zurück. Weil die Firma des Händlers nicht zahlte, kam es zu einem Verfahren vor dem Handelsgericht Zürich. Dieses endete mit einem Vergleich über rund 46'000 Franken. Aber auch diese Summe erstattete der Händler beziehungsweise dessen Firma dem Kunden nicht. Daraus schloss die Anklage, der Händler habe die Summe für andere Zwecke benutzt und folglich veruntreut sowie den Kunden getäuscht und betrogen.

Betreibungsliste des Händlers umfasst mehrere Seiten

Der Anwalt des geschädigten Kunden hielt sich in seinem Votum vor dem Bezirksgericht Dietikon letzte Woche weitgehend an diese Version der Geschichte, welche die Staatsanwaltschaft ermittelt hatte. Der Verteidiger plädierte dagegen auf Freispruch. Weder der Tatbestand einer Täuschung noch der eines Betruges seien erfüllt. Er sieht im Vorfall ein Geschäft, das misslungen sei.

In der Befragung durch den Richter verweigerte der Händler alle Aussagen. Klar ist: Am 27. Mai 2019 hat seine in Dietikon ansässige Aktiengesellschaft, deren einziger Verwaltungsrat er ist, ihr Domizil in Dietikon eingebüsst. Eine Firma ohne Firmensitz? Das macht eine Rückzahlung noch unwahrscheinlicher. Auch eine private Rückzahlung dürfte illusorisch sein, denn die Betreibungsliste des Händlers umfasst mehrere Seiten, wie der Anwalt des Kunden ausführte. Nach rund drei Stunden endete das Verfahren mit dem Freispruch.

Im März ging er Konkurs

Trotz der Auflösung seiner Aktiengesellschaft blieb der Händler weiterhin geschäftstätig. So gründete er am 1. Juli 2019 im Kanton Zug eine Einzelfirma. Sie hat praktisch den gleichen Namen wie die Aktiengesellschaft. Als Geschäftszweck wurden Beteiligungen sowie Management-, Kontroll- und Koordinationsfunktionen eingetragen. Lange hat diese Firma nicht überlebt. Am 8. März dieses Jahres eröffnete die Konkursrichterin am Bezirksgericht Zürich den Konkurs über den Inhaber.

Im Internet wirbt der Konkursmann zudem mit einer weiteren Firma, bei der er sich als hipper Fintech-Start-up-Unternehmer inszeniert. Das Start-up sei «modern», «kundenfreundlich», «innovativ» und «vertrauenswürdig», wirbt er. Das Unternehmen ist nicht im Handelsregister eingetragen und gibt auf der Website auch keine Adresse an.

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