Leserwandern Etappe 8

Agglo-Oasen, Foltermethoden und viel nackte Haut: Das war die 8. Etappe

Graue Vorstadt? Woher! Das Limmattal ist voller grüner Flecken und originell umgenutzter Industriebauten. Das wissen jetzt auch 141 Leserwanderer.

Er kam inkognito, nicht als Polit-Promi: Doch unerkannt blieb der Freiämter SVP-Grossrat Jean-Pierre Gallati nicht lange. Gallati, der gerne den freigewordenen Aargauer Regierungsratssitz für seine Partei verteidigen möchte, gings wie vielen Leserwanderern: «Ich kenne die Strecke zwischen Schlieren und Zürich eigentlich nur vom Durchfahren. Deshalb interessiert mich die Etappe», erzählte der Wohler.


Das Limmattal geniesst bei vielen Auswärtigen nicht eben den besten Ruf. Überbaute Landschaft, laute Autobahn, riesige Shopping-Malls: Das Tal, das Zürich mit dem Aargau verbindet, ist in der öffentlichen Wahrnehmung eine fast schon stereotype Agglo-Zone.
Und da kann man wandern? Und wie! 141 Leserwanderinnen und Leserwanderer machten sich am Freitagabend vom Zürcher Landesmuseum aus auf die Pirsch und spazierten der Limmat entlang durch grüne Flusslandschaften, mitten durch hunderte Badelustige, vorbei an leerstehenden Bahnhöfen, in denen hippe Reisemagazine ihre Redaktion eingerichtet haben und schliesslich vorbei am alten Gaswerk in Schlieren, wo heute unter anderem eine der grössten Kletterhallen Europas beheimatet ist.


Fragt man bei den Leserwanderern nach, dann sind viele überrascht. Das Flussbad bei der Werdinsel, zum Beispiel, verzückte eine Leserwanderin so sehr, dass sie kurzerhand in die Fluten sprang und den Rest der Etappe in nassen Kleidern absolvierte.


Den kühlen Fluten widerstehen konnte Irene Gassmann, Priorin des Limmattaler Klosters Fahr. Sie wanderte in traditioneller Kluft – aber mit Wanderschuhen.
Die grüne Landschaft im vermeintlich unschönen Agglo-Tal genoss auch die Aargauer SVP-Grossrätin Stefanie Heimgartner, mit drei Etappen die bisher fleissigste Polit-Leserwanderin dieses Jahr. Die «Ur-Badenerin» ist immer wieder entzückt über die landschaftlichen Schönheiten vor der eigenen Haustür. Dass man dabei auch ganz viel Neues über das vermeintlich Bekannte lernen kann, merkte sie kürzlich auf einer Stadtführung in Baden. Da habe sie erfahren, woher das Wort ‹gerädert› komme: von der mittelalterlichen Foltermethode, bei der man den Leuten mit Wagenrädern die Knochen brach und sie danach auf die Speichen flocht.


«Gerädert» fühlte sich nach der Wanderung bei den heissen Abendtemperaturen wohl manch ein Leserwanderer. Umso grösser ist – hoffentlich – die Vorfreude auf die Sonntags-Etappe. Dann regnets voraussichtlich.

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