Spreitenbach

Ablenkungsmanöver vom Coronavirus – so bringt ein Spreitenbacher spanische Lebenslust ins Quartier

Der Spreitenbacher Ramon Laureiro will seine Nachbarn vom Coronavirus ablenken.

Ramon Laureiro aus Spreitenbach unterhält jedes Wochenende von der Wiese aus die Bewohner des Langäckerquartiers, in dem er auch selbst lebt – mit Zumba, Quizshow oder als Organisator eines kleines Konzerts wie letztes Wochenende, als der Sänger Pezzo einige Coversongs zum Besten gab. Die Zuhörer bedankten sich von den Balkonen aus mit Applaus.

Alle Aktivitäten postet Laureiro auf seiner extra auf Facebook eingerichteten Seite «Nachbarschaftshilfe Corona Virus Spreitenbach». Für jedes Wochenende überlegt er sich etwas Neues. Alles, was er zur Unterhaltung benötigt – ein Mikrofon und einen Verstärker – ist bereits in seinem Besitz: «Endlich kann ich brauchen, was mir in den letzten Jahren geschenkt wurde», sagt der 40-jährige Spanier und lacht. Als Nächstes hat er sich etwas Spezielles für Frauen ausgedacht: Für diese Woche bestellte er 100 Tulpen. «Da der Tag der Frau am 8. März ins Wasser gefallen ist, möchte ich diesen nun am 1. Mai begehen». Er wird die 100 Blumen auf der Wiese aufstellen und die Damen können sich bedienen. Dazu gibt es eine Rede zum Gedenken an die Frauenrechte.

Gratis Toilettenpapier zum Mitnehmen

Etwas Ähnliches hat er bereits mit Toilettenpapier und Wasserflaschen gemacht. Er reihte sich dafür sozusagen in die Reihe der Hamstereinkäufer – für einen guten Zweck. Er kaufte kurz nach dem Lockdown mehrere Packungen von beidem und stellte sie auf ein Palette beim Eingang zur Hausnummer 49, damit sich die Leute bedienen konnten – und das alles kostenlos. «Mir geht es gut», sagt der als Logistiker tätige Laureiro, «ich kann immer noch arbeiten und habe keine finanziellen Sorgen.»

Mit allem, was er mache, wolle er seine Nachbarn aufheitern: «Ich stellte vor allem zu Beginn viele Sorgen und Ängste fest und will etwas Unbeschwertheit in ihren Alltag bringen.» Die Mutter von Laureiro, mit der er mit sechs Jahren in die Schweiz gekommen ist, lebt ganz in seiner Nähe. Auch sie habe Angst. Vor allem auch, weil die nächste Verwandtschaft in Madrid unmittelbar vom Coronavirus betroffen war: «Meine Grossmutter ist an Covid-19 erkrankt. Und mein Onkel hat sich bei der Arbeit angesteckt und musste sich zuhause in einem Zimmer verbarrikadieren, um meine krebskranke Tante zu schützen», erzählt Laureiro. Onkel und Grossmutter seien zum Glück inzwischen wieder genesen.

Unterstützung aus der Nachbarschaft

Als Spanier liegt Laureiro Entertainment im Blut, wie man auch auf den Videos auf der Facebook-Seite hört und sieht. Er wollte sehr schnell etwas für die Nachbarschaft organisieren – ganz nach dem Vorbild eines spanischen Freundes. Inzwischen unterstützen ihn auch einige der Nachbarn. Carlie Cukic zum Beispiel unterhält regelmässig die Bewohner des Langäckerquartiers mit internationaler Musik und Schlagzeug-Rhythmen.

Inzwischen hat Ramon eine Batmanshow, eine Ostereiersuche, Tanzspiele sowie einen Malwettbewerb für Kinder lanciert. «Ich mache das wahnsinnig gerne, auch wenn ich zudem noch eine Trennung verarbeiten muss. Es tut mir gut, Positives zu bewirken», sagt Laureiro.

Ausserdem würden hier im Langäckerquartier 49 Nationen leben, die normalerweise unter sich blieben. Das möchte Laureiro gerne ändern: «Es wäre schön, wenn ich die diversen Kulturen einander näher bringe.» Er hofft, dass, wenn alles wieder einen normaleren Verlauf nimmt, etwas von seinen Bemühungen übrig bleibt und der Austausch im Langäckerquartier untereinander grösser wird. «Wir sind alle Menschen. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir alle zusammenhalten sollten, uns gegenseitig Mut machen und Solidarität zeigen." Nur so könne man die Coronakrise erfolgreich überstehen.

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