Dietikon

Probezeit bestanden: So geht es weiter mit dem «Gleis 21»

Francesca Melia, Kerstin Camenisch und Tobias Liechti (von links) neben dem lauschigen Garten vor dem «Gleis 21».

Francesca Melia, Kerstin Camenisch und Tobias Liechti (von links) neben dem lauschigen Garten vor dem «Gleis 21».

Die erste Saison des Kulturhauses Gleis 21 ist vorbei. Die Verantwortlichen ziehen eine positive Bilanz – sehen aber auch noch Verbesserungspotenzial.

Die Girlanden über dem Gärtchen vor dem Kulturhaus Gleis 21 wehen im Wind. Auf dem Kiesplatz stehen ein Bar-Anhänger und ein kultiger Citroën-Kleintransporter. Trotz der Brise und dem lauschigen Ambiente ist es unter der prallen Sonne kaum auszuhalten. Auch dem Gemüse und den Kräutern in den Kisten macht die Hitze zu schaffen. «Die sind schon ganz lahm, ich muss nachher unbedingt Wasser geben», sagt Tobias Liechti. Der Dietiker ist seit drei Monaten im Vorstand des Trägervereins «Gleis 21». Gemeinsam mit Co-Präsidentin Kerstin Camenisch schreitet er zum Bistro im Innern des Kulturzentrums neben dem Dietiker Bahnhof. Dort ist es nicht merklich kühler, aber Bistrobetreiberin Francesca Melia wartet bereits mit erfrischenden Getränken.

Mit einem Sommerfest verabschiedete sich das «Gleis 21» Mitte Juni in die kulturelle Sommerpause. Zeit für die Verantwortlichen, nach dem ersten halben Jahr Bilanz zu ziehen. «Wir sind sehr zufrieden. Die rund ein Dutzend Veranstaltungen waren sehr gut besucht und teilweise sogar ausverkauft», sagt Kerstin Camenisch, die das Präsidium gemeinsam mit Carla Hohmeister führt. Das Kulturzentrum sei von den Dietikerinnen und den Dietikern, vor allem auch vom Altberg-Quartier, gut aufgenommen worden. «Wir gehören bereits dazu und spüren einen grossen Rückhalt. Sei dies in Form von Pflanzengiessen oder durch das Mithelfen am Sommerfest», sagt Camenisch. Sie höre immer wieder, dass man wahnsinnig froh sei, dass es nun so einen Ort wie das «Gleis 21» gebe und man nicht extra nach Zürich gehen müsse. «Den Leuten gefällt es, dass man sich hier trifft, Kultur machen und erleben kann.»

Publikumsmagnet Trickfilm

Zu den Highlights zählte in der ersten Kultursaison die Trickfilmausstellung, die ab Ende April drei Wochen lang im «Gleis 21» gastierte. «Sie bescherte uns 1300 Besucherinnen und Besucher», sagt Camenisch. Gut angekommen sei aber auch die Benefizgala mit dem Comedy-Duo Oropax. Die deutschen Künstler-Brüder Volker und Thomas Martins spendeten den Erlös für das Kulturprogramm im «Gleis 21».

Highlight der ersten Kultursaison war die Trickfilmausstellung. Sie lockte von Ende April bis Mitte Mai 1300 Gäste ins «Gleis 21».

Highlight der ersten Kultursaison war die Trickfilmausstellung. Sie lockte von Ende April bis Mitte Mai 1300 Gäste ins «Gleis 21».

Ein Erfolg war auch das Konzert des Zürcher Sängers und Songwriters Nickless, ein Anlass von «Kultur in Dietikon». Der 23-Jährige wurde 2016 für seine Debüt-Single «Waiting» mit dem Swiss Music Award in der Kategorie «Bester Nationaler Hit» ausgezeichnet. Ins «Gleis 21» lockte er vor allem jüngeres Publikum. «Das zeigt uns, dass es auch grosse Namen im Programm braucht», sagt Camenisch. Gleichzeitig will man aber auch in der neuen Saison unbekannten Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform bieten. Grosse Veränderungen werde es im neuen Programm nicht geben. «Das erste halbe Jahr war ein Test für die internen Abläufe. Wir haben festgestellt, wo es Verbesserungspotenzial gibt», sagt Liechti. An die räumlichen Grenzen sei man etwa bei Theatern gestossen. «Die Raumhöhe ist je nach Theaterproduktion zu niedrig. Vor allem wenn viele Requisiten benötigt werden.»

Bei jungen besonders beliebt: Der Zürcher Sänger und Songwriter Nickless und seine Band zählten ebenso zu den Höhepunkten im Programm der ersten Kultursaison.

Bei jungen besonders beliebt: Der Zürcher Sänger und Songwriter Nickless und seine Band zählten ebenso zu den Höhepunkten im Programm der ersten Kultursaison.

Parallel zur Eröffnung des «Gleis 21» ging auch das hauseigene Bistro auf. Wirtin Francesca Melia zieht ebenso eine positive Bilanz. «Ich bin die Mamma für alle», sagt sie und lacht. Die gebürtige Sizilianerin verköstigt nicht nur Besucherinnen und Besucher, sondern auch die Künstlerinnen und Künstler, die die Ateliers im «Gleis 21» mieten, mit Speisen aus ihrer Heimat. «Francescas Focaccias sind legendär», lobt Camenisch. Melia gefällt es, Teil einer Bewegung zu sein. «Essen ist auch Kultur, das passt also bestens ins Konzept des ‹Gleis 21›.» Zudem liebe sie den Kontakt mit Menschen. Mittags und abends tischt sie für Gäste ein Fleisch- und ein vegetarisches Menü im Bistro und draussen auf dem Kiesplatz auf. «Ich verarbeite zum Beispiel das Gemüse und die Kräuter aus den Kisten.» Beliebt seien auch ihre Apéro-Plättli mit italienischen Wurst- und Käsespezialitäten. Wenn das Wetter gut ist, schmeisst Melia auf dem Kiesplatz auch den Grill an – versteckt in der Motorhaube des Kleintransporters. Die Gastgeberin will aber nicht nur alleine hinter dem Tresen oder in der Küche stehen. Im September lädt sie die Bevölkerung und das Altberg-Quartier zum Tomatensauce-Machen ein. 200 Kilo Tomaten bekommt sie von ihren Kollegen zum Verarbeiten. «Es ist doch etwas Herrliches, gemeinsam zu kochen und Zeit zu verbringen», sagt Melia.

An der Eröffnungsfeier am 12. Januar stellte sich Christian Höhener vom Duo Lapsus als Rednerpult für Co-Präsidentin Kerstin Camenisch zur Verfügung. Auch auf der Bühne: Co-Präsidentin Carla Hohmeister, Betriebsleiter Fabian Hauser und Peter Winkler (in Orange), Höheners Comedy-Partner.

An der Eröffnungsfeier am 12. Januar stellte sich Christian Höhener vom Duo Lapsus als Rednerpult für Co-Präsidentin Kerstin Camenisch zur Verfügung. Auch auf der Bühne: Co-Präsidentin Carla Hohmeister, Betriebsleiter Fabian Hauser und Peter Winkler (in Orange), Höheners Comedy-Partner.

Die Künstler-Ateliers sind alle besetzt. Die Dietikerin Jutta Zidnar nutzt den Raum für ihre bildende Kunst. Das Künstlerinnen-Duo «EberliMantel», das aus Simone Eberli und Andrea Mantel besteht, arbeitet aktuell an einer Serie von Kreidezeichnungen. Die beiden Frauen teilen sich das grosse Atelier mit Beate Frommelt, die unter anderem Rauminstallationen macht. Auch ins «Gleis 21» gezogen ist Judith Lingg, die aus Alltagsgegenständen Kunstobjekte fertigt. Ein Atelier mietet überdies der Verein Bureau D, der flexible Arbeitsplätze zur Verfügung stellt. Den Raum unter dem grossen Veranstaltungssaal will der Verein nun doch nicht fest vermieten. «Wir haben gemerkt, dass eine Nachfrage nach temporären Übungsräumen herrscht», sagt Camenisch. So habe etwa Michael von der Heide den Raum genutzt, um seine Stücke einzuüben. «Und Komikerin und Ex-Miss-Schweiz Stéphanie Berger hat den Raum auch bereits für zwei Tage gebucht, um ihr neues Comedy-Programm einzustudieren», sagt Camenisch.

Platz für Seniorenkino

Ab dem 24. August startet das «Gleis 21» in die neue Kultursaison. Das Publikum erwartet eine bunte Palette an Anlässen. Das Kulturzentrum wird wieder mit dem Theater Dietikon und «Kultur in Dietikon» zusammenarbeiten. Zur ersten Koproduktion gehört der Auftritt von Stefan Heuss, der als Erfinder seltsamer Maschinen das TV-Publikum von «Giacobbo/Müller» zum Lachen brachte. Eine Kollaboration gibt es auch mit der Fachstelle Kultur des Kantons Zürich in Form einer Lesung mit prämierten Autorinnen und Autoren. «Der Donnerstag soll zudem zu einem fixen Termin in der Kulturagenda werden. Wir wollen an diesem Tag immer etwas Kulturelles organisieren», sagt Liechti. Und auch die Dietiker Senioren finden in der neuen Saison einen Platz im «Gleis 21». «Ab dem 17. September wird einmal monatlich das Seniorenkino, das früher im nun geschlossenen Kino Kapitol stattfand, bei uns durchgeführt», sagt Camenisch. Der Verein und der Vorstand freuen sich auf die zweite Saison. «Wir haben ein buntes Programm zusammenstellen können und hoffen, dass es gut ankommt.»

Autor

Sibylle Egloff

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