Altstetten

Nachdem Polizistin angefahren wurde: Umnutzung des Strichplatzes gefordert

Nach dem Ereignis vergangenen Freitag auf dem Strichplatz in Zürich Altstetten hat eine Privatperson beim Regierungsrat eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Stadt Zürich eingereicht. Die sogenannten Sexboxen, die von Freiern direkt mit dem Auto angesteuert werden können, sollen verboten werden.

Der Vorfall auf dem Strichplatz in Zürich Altstetten zieht weitere Kreise. Eine Privatperson hat beim Regierungsrat eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Stadt Zürich eingereicht. Der Regierungsrat soll den Stadtrat anweisen, den Strichplatz umgehend aufzuheben. Dies geht aus der Beschwerdeschrift hervor, die dieser Zeitung vorliegt. Der Platz am Depotweg sei innert 30 Tagen einzuebnen und anschliessend neu zu nutzen.

Ebenso verlangt der Beschwerdeführer, «die von Automobilisten nachgefragte Prostitution» sei in allen Gemeinden im Kanton Zürich zu unterbinden. Die sogenannten Sexboxen, die von Freiern wie bei einem Drive-in direkt mit dem Auto angesteuert werden können, sind ihm schon länger ein Dorn im Auge. Auslöser für seine Beschwerde sei das Ereignis von vergangener Woche gewesen, sagt der Mann, der anonym bleiben will.

Ein Autofahrer, der sich beim Strichplatz einer Kontrolle entziehen wollte, fuhr am Freitag eine Polizistin an und schleppte sie mehrere Meter mit. Die 38-Jährige wurde schwer verletzt. Tags darauf verhaftete die Polizei einen 19-Jährigen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen versuchter vorsätzlicher Tötung.

«Der Vorfall hat mich aufgewühlt und ist irritierend für das Gemeinwesen», sagt der Beschwerdeführer. Gestützt auf das Gemeindegesetz verlangt er nun, dass der Regierungsrat als Aufsichtsbehörde aktiv wird. In begründeten Fällen kann er dies anstelle des Bezirksrats tun. Aus Sicht des Mannes gibt es kein öffentliches Interesse an einem Strichplatz. Ebenso wenig bestehe ein gesetzlicher Auftrag, dass der Staat eine Infrastruktur zur Verfügung stelle, damit Freier per Auto Prostituierte aufsuchen könnten.

Allerdings: Die sogenannten Verrichtungsboxen in Altstetten haben den Segen der Stadtzürcher Stimmbevölkerung. 2012 sprachen sich 52,6 Prozent für einen Kredit von 2,4 Millionen Franken aus, um den Strichplatz zu erstellen. Zuvor hatte schon der Gemeinderat Ja dazu gesagt, allerdings ergriff daraufhin die SVP das Referendum.

Der Prostitutionspark am Zürcher Stadtrand nahm 2013 den Betrieb mit elf Boxen auf. Schweizweit war er ein Novum. Er ersetzte das Rotlichtmilieu am Sihlquai, wo jahrelang unhaltbare Zustände geherrscht hatten. Ziel war es, in Altstetten mit einem geordneten Betrieb Gewalt und Menschenhandel zu verhindern. In einem Pavillon ist auch die Frauenberatung Flora Dora präsent.

Kein Verbot von Prostitution gefordert

Die Stadt zog nach den ersten Betriebsjahren eine positive Bilanz. Und zumindest aus der öffentlichen Diskussion verschwanden die Sexboxen weitgehend. Allerdings konnten sich gerade in Altstetten viele Menschen nicht mit dem neuen Angebot anfreunden, wie auch der Quartierverein Altstetten festhielt. Wie er die Situation heute beurteilt, war gestern nicht in Erfahrung zu bringen.

Die positive Bilanz der Behörden und das – wenn auch knappe – Ja des Stimmvolks lässt der Beschwerdeführer nicht als Argumente gelten. Abgestimmt worden sei über einen Baukredit, sagt er. Er sehe aber nirgends eine gesetzliche Grundlage, die dem Staat das Recht für die Errichtung einer solchen ­Anlage auf öffentlichem Grund einräume.

Der Mann betont, dass er nur gegen die Sexboxen vorgehe, nicht aber gegen Prostitution an sich. «Es geht hier nicht um puritanische Ansichten», sagt er. So verurteile er es nicht, wenn jemand ein Bordell im Niederdorf aufsuche – solange dies zu Fuss und nicht mit dem Auto geschehe und damit nicht Situationen wie vergangene Woche provoziert würden.

Die Stadt Zürich bestätigt auf Anfrage den Eingang der Beschwerde, sie nimmt dazu aber noch keine Stellung, weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt. Unabhängig von der Beschwerde ist der Strichplatz derzeit wegen des Vorfalls geschlossen. Am Freitag ab 19 Uhr sollen die Sexboxen aber wieder offen sein.

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