Persönlich

Mein erstes Mal

Zürcher Kantonsrat.

Als Grünschnabel in der Journalismus-Szene durfte ich der gestrigen Sitzung des Zürcher Kantonsrats beiwohnen. Neben erfahrenen Journalisten und einer Journalistin sass ich in der ersten Reihe zwischen den Parlamentariern. Noch bevor ich meine ersten Schritte in den Ratssaal wagte, erlebte ich eine interessante Begegnung: Aufgeregt kam ich im Foyer an und fragte einen Herrn mittleren Alters, ob hier der Journalisten-Eingang sei. Er musterte mich amüsiert von Kopf bis Fuss und fragte: «Sie wollen zu den Journalisten?» Verdutzt brachte ich nur ein knappes Ja hervor. Da lachte er und sagte, dass ich mich beeilen müsse. Ich drehte mich um und sah, dass die Letzten in den Saal rannten. Ohne weiter über seine provokative Frage nachzudenken, tat ich es ihnen gleich und huschte hinein.

Ich fühlte mich wie ein verängstigtes Reh, denn ich glaubte, alle Augen auf mich gerichtet zu spüren. Als ich endlich neben meinem Arbeitskollegen Platz nahm, atmete ich innerlich auf. Das wäre geschafft. Die Sitzung begann. Beim ersten Traktandum waren sich die Parteien einig und das Geschäft wurde rasch erledigt. Weiter ging es mit der Debatte zum Energieplanungsbericht 2017. Was langweilig klingt, wurde zu meinem persönlichen Höhepunkt der Sitzung. Bald artete es in eine Klimadebatte aus, in der sich beide Seiten nichts schenkten. Zwischenrufe der SVP quittierte die ökologische Mehrheit mit Kopfschütteln. Die Politikerinnen und Politiker des Zürcher Parlaments lieferten sich einen Schlagabtausch, als befänden sie sich im US-Wahlkampf. Es war grossartig. In der Pause erlebte ich den schönsten Moment: Denn auch einige Kantonsräte holten sich bei der Dönerbude nebenan einen Kaffee. Spätestens dann schwand meine Nervosität, denn mir wurde bewusst, dass auch sie nur nach Koffein dürstende Menschen sind.

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Autorin

Michelle Panza

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