Weiningen

Lösung für das Unterdorf: So will der Gemeinderat das Gebiet erschliessen

Hinter dem Weininger Gemeindehaus soll die neue Sammelstrasse gemäss dem Quartierplan Unterdorf durch den heutigen Parkplatz verlaufen.

Hinter dem Weininger Gemeindehaus soll die neue Sammelstrasse gemäss dem Quartierplan Unterdorf durch den heutigen Parkplatz verlaufen.

An einem Informationsanlass präsentierte der Weininger Gemeinderat eine Kreditvorlage zum Quartierplan Unterdorf. Er will die Groberschliessung des Gebiets für 792'000 Franken übernehmen. Das letzte Wort haben die Stimmberechtigten am 15. September.

80 Personen folgten der Einladung des Weininger Gemeinderats zur Informationsveranstaltung für die Abstimmungsvorlage bezüglich des Quartierplans Unterdorf. Die Vorlage beinhaltet die Übernahme der Kosten durch die Gemeinde für die Realisierung von Erschliessungsanlagen im Gebiet des Weininger Dorfs, die öffentlichen Zwecken dienen.

Speziell war, dass nur die Hälfte der 80 Personen am Donnerstagabend im Quartierzentrum Fahrweid physisch anwesend waren. Der Rest verfolgte die Präsentation und anschliessende Debatte von zuhause aus. Möglich machte das ein Livestream, der Aufnahmen in Echtzeit in die Weininger Wohnzimmer übertrug. Dies erlaubte es dem Gemeinderat, die ganze Bevölkerung zu erreichen und gleichzeitig die Teilnehmerzahl vor Ort aufgrund der Corona-Pandemie zu beschränken.

Tiefgarage und neue Sammelstrasse sind geplant

Am 15. September werden die Weininger Stimmberechtigten an der Gemeindeversammlung über die Kreditvorlage zum Quartierplan Unterdorf befinden. Eigentlich ist dieser Quartierplan Sache der betroffenen Grundeigentümer dieses Gebiets. Doch die Gemeinde Weiningen übernimmt rund 792000 Franken für den Bau von Erschliessungsanlagen und Ausstattungen, die der Öffentlichkeit zugute kommen. Dieser Betrag beinhaltet etwa die Kosten für die Errichtung einer neuen Sammelstrasse, die von der Badenerstrasse bis zur Einfahrt der unter der Schulhauswiese geplanten, teilweise öffentlichen Tiefgarage «Mitte» führt. Hinzu kommen eine Fusswegverbindung zwischen Badenerstrasse und Primarschulhaus, eine Fusswegspange als Lückenschliessung zwischen den neuen Zufahrten zur Sammelstrasse, ein zentraler Platz im Quartierplangebiet, ein öffentlicher Platz beim Lindenplatz, eine unterirdische Trafostation im Zentrum des Gebiets Unterdorf sowie eine Sicherung der rückwärtigen Schulwegverbindung mittels Dienstbarkeit.

«Vor gut einem Jahr haben wir die erste Grundeigentümerversammlung durchgeführt und gemerkt, dass in vielen Fällen ein geteiltes Verständnis für den Quartierplan Unterdorf herrscht», sagte Gemeindepräsident Mario Okle (parteilos). Der Anlass diene dazu, aufzuzeigen, weshalb dieses Verfahren überhaupt nötig sei. Denn eines sei klar: «Der Gemeinderat hat keine Alternative. Wir müssen den Quartierplan durchführen», sagte Okle.

Und so begaben sich die im Quartierzentrum und zuhause vor den Bildschirmen Anwesenden auf eine Zeitreise mit Gemeindeschreiber Bruno Persano. Er verbrachte einige Stunden im Gemeindearchiv, um die Ausgangslage des Quartierplans erklären zu können. Dabei fand Persano heraus, dass die Weininger Stimmbürger im Jahr 1982 bei der Festsetzung des kommunalen Richtplans eine folgenschwere Entscheidung trafen. «Entgegen dem Antrag des Gemeinderats haben die Stimmberechtigten auf eine südlich des Siedlungsgebiets von Weiningen-Dorf verlaufende Sammelstrasse bewusst verzichtet.» Dies mit dem Ziel, die rückwärtigen Gebiete über die bestehenden Hauptverkehrsachsen, die Badener- und die Zürcherstrasse, zu erschliessen.

Beschluss aus dem Jahr 1982 hat Folgen bis heute

«Der Beschluss hatte zur Folge, dass die spätere Erschliessung dieses Gebiets nur mittels eines Quartierplans möglich ist», sagte Persano. Dies bekamen bereits einige Bauwillige zu spüren. So kann nun etwa der Zweckverband «Alters- und Pflegeheim» keine südseitige Erschliessung für die Erweiterung ihres Seniorenzentrums Im Morgen erstellen. Er muss diese über das bebaute Grundstück realisieren. 2009 nahm der Gemeinderat einen weiteren Anlauf, um das Erschliessungsproblem im Unterdorf zu beheben. Dabei versuchte er, mittels eines «Superprivaten Quartierplans» eine Lösung herbeizuführen, der sich vorab auf einen Teil des Gebiets Unterdorf bezogen hätte. Damit dieser jedoch Gültigkeit gehabt hätte, hätten alle Grundeigentümer zustimmen müssen. «Die Verhandlungen scheiterten, deshalb muss nun von Gesetzes wegen ein amtlicher Quartierplan festgesetzt werden», sagte Persano und leitete den Diskurs von der Vergangenheit zurück in die Gegenwart.

Bauvorstand Harry Landis (parteilos) erläuterte im Anschluss, wie es nach einer Annahme oder Ablehnung des Kredits weitergeht. «Nach der Genehmigung wird im Rahmen des Quartierplanverfahrens zur zweiten Grundeigentümerversammlung eingeladen. Der Kreditbeschluss wird einen Bestandteil des Quartierplans darstellen», sagte Landis. Bei einer Kreditablehnung müsste die Finanzierungsfrage der besagten Strassen, Wege und Plätze neu gestellt werden.

Betroffene Grundeigentümer äusserten Fragen und Bedenken während der darauffolgenden Diskussion. «Der Quartierplan ist umstritten, warum will die Gemeinde trotzdem bereits Erschliessungsarbeiten vornehmen?», wollte ein Anwesender wissen. Es handle sich um eine formelle Kreditzusage, entgegnete Okle. «Die Gemeinde baut nichts, bevor es nicht tatsächlich ein Bauvorhaben gibt.» Die Kreditzusage sei wichtig, damit die Groberschliessung finanziell gesichert sei. Eine Grundeigentümerin fragte, ob die Zustimmung zum Kredit auch eine Zustimmung zum Quartierplan bedeute. Okle verneinte: «Über den Quartierplan wird in einem anderen Gremium abgestimmt.»

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