Zerstörung in Beirut

Limmattaler Libanesen blicken trotz der Explosion mit Hoffnung in die Zukunft

In Beirut explodierten am 4. August 2750 Tonnen Ammoniumnitrat.

In Beirut explodierten am 4. August 2750 Tonnen Ammoniumnitrat.

Der Präsident des Libanesischen Vereines in Schlieren, Mahmoud Baz, über die Folgen der Explosion in Beirut und wieso man kein Geld an weniger bekannte Hilfsorganisationen spenden sollte.

Die Explosion im Hafen von Beirut schockierte Anfang August die Welt. Wie viele in der Schweiz lebende Libanesen sorgte sich der Dietiker Mahmoud Baz besonders um das Wohl seiner Verwandten in der Heimat. Baz ist Präsident des Libanesischen Vereins Abu Jafar in Schlieren, einem der wenigen libanesischen Vereine in der Schweiz. Er trifft sich zusammen mit Landsleuten aus der Region regelmässig zum Kartenspielen und Shisharauchen.

Im Libanon sind Grossfamilien laut Baz die Regel. Auch er hat über 100 Verwandte in seiner Heimat, die Mehrheit davon lebt in Beirut oder Umgebung – wie 40 Prozent aller Einwohner des Landes.

Umso erleichterter war Baz, dass seine Verwandte von der unmittelbaren Zerstörung verschont blieben. «Die Explosion war für uns ein Schock, aber immerhin waren alle hier in der Schweiz innert weniger Minuten informiert. Über soziale Medien wurde die Nachricht binnen weniger Sekunden verbreitet», sagt Baz. Dennoch sei ein telefonischer Kontakt mit Verwandten und Freunden nicht sofort möglich gewesen, weil die Explosion das Stromnetz zum Erliegen brachte. Weniger Glück als die Verwandtschaft hatten einige Bekannte von ihm, die von der Explosion betroffen ­waren.

«Das Geld kommt viel zu oft in die falschen Hände»

Die Situation im Libanon sei derzeit katastrophal, sagt Baz. Obwohl die Regierungsspitze um Hassan Diab zurückgetreten ist, hätten die Libanesen kein Vertrauen in die Regierung: «Es gibt keinen Strom, kein Wasser und die Lebensmittel sind teuer wegen der Inflation und dem hohen Dollarkurs», sagt Baz.

Er rät aber davon ab, Geld an weniger bekannte Hilfsorganisationen zu spenden, um den Menschen im Libanon zu helfen: «Das Geld kommt viel zu oft in die falschen Hände. Der Versand von Lebensmitteln und Hygieneartikeln macht schon eher Sinn. Es werden aber noch Jahre vergehen, bis der Libanon wieder als die ‹Schweiz des Nahen Ostens› bekannt sein wird.» Die Libanesen würden mit grosser Hoffnung in die Zukunft schauen und nicht aufgeben.

Im Limmattal wäre eine Explosion wie in Beirut, bei der 2750 Tonnen Ammoniumnitrat in die Luft gingen, nicht möglich (die «Limmattaler Zeitung» berichtete). Der in vielen Düngemitteln vorkommende Stoff wird laut kantonaler Baudirektion hier nicht in reiner Form gelagert. Und ammoniumnitrathaltige Dünger sind so mit Zusatzstoffen verdünnt, dass sie nicht mehr explodieren können.

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