Gefahr am Wehr

Limmatschiff touchiert Brücke, weil Gummiböötler geschützt werden

Nach den heftigen Niederschlägen der letzten Tage fliesst viel Wasser durch die Limmatauen.

Nach den heftigen Niederschlägen der letzten Tage fliesst viel Wasser durch die Limmatauen.

Der Unfall liess aufschrecken: Nach einem Böötler-Zwischenfall beim Höngger Wehr wurde die Limmat gedrosselt, um Unfälle zu verhindern. Dies hatte unerwartete Folgen: Schiff touchiert Brücke weil mit der Regulierung eine neue Gefahr verursacht wurde.

Der Unfall liess aufschrecken: Am 12. Juli wurden vier Frauen in zwei Schlauchbooten über das Höngger Wehr gespült. Eine Frau geriet dabei in eine Wasserwalze, die sich hinter dem Wehr bildet. Sie konnte im letzten Augenblick von Passanten vor dem Ertrinken gerettet wer­den. Die Gruppe hatte zuvor die Ausstiegsstelle verpasst, um das Wehr an Land zu umgehen und danach die Fahrt auf dem Fluss fortzusetzen.

Bereits in der Woche zuvor hatte sich an derselben Stelle ein ähnlicher Zwischenfall ereignet, bei dem zufällig anwesende Polizisten noch rechtzeitig das Gummiboot eines Paares an Land ziehen konnten. Die Vorfälle mahnten zur Reaktion, zumal das sommerliche Wetter am Wochenende wiederum Hunderte Wasserpläuschler mit ihren aufblasbaren Booten anzog, die sich gemütlich die Limmat abwärts bis Dietikon treiben lassen wollten.

Die einfachste Massnahme ist, den Abfluss der Limmat zu drosseln. Das verringert die Strömung, was das Anlegen bei der Ausstiegsstelle vor dem Höngger Wehr erleichtert. Gesagt – getan: Am Samstag wurde das Lettenwehr am Platzspitz angehoben und die Abflussmenge halbiert. Statt 165 Kubikmeter Wasser pro Sekunde am Freitag waren es nur noch rund 85 Kubikmeter. Am Sonntag und Montag wurde nochmals leicht auf 80 Kubikmeter Abfluss pro Sekunde reguliert.

Zuständig für die Wasserregulierung der Limmat ist das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel). «Das Awel hat auf Anfrage der Wasserschutzpolizei und in Absprache mit dem Bundesamt für Umwelt den Abfluss der Limmat über das Wochenende im Sinne einer ausserordentlichen Massnahme temporär gedrosselt», teilt eine Awel-Sprecherin mit.

Die Stadtpolizei Zürich bestätigt den Sachverhalt. «Wir haben aus Sicherheitsgründen diesen Antrag gestellt», heisst es bei der Medienstelle. Die Situation rund um die vielen Gummibootfahrer habe eine solche Massnahme gerechtfertigt.

Und sie scheint sich gelohnt zu haben; am letzten – hochsommerlichen – Wochenende hat sich kein neuer Zwischenfall ereignet.

Kehrseite der Medaille: Mit der Regulierung wurde eine neue Gefahr verursacht. Der Zürichsee staute sich auf, die ergiebigen Niederschläge in der zweiten Hälfte der letzten Woche liessen ihn rasch ansteigen. Zwischen 15. und 21. Juli kletterte der Pegelstand um 20 Zentimeter. Das sieht nach wenig aus, ist es aber nicht, wenn es um die Limmatboote der Zürich­see-­Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) geht. Diese flachen Schiffe konnten von Samstag bis und mit Mittwoch nicht auf dem Fluss verkehren, wie eine ZSG-­Sprecherin erklärt. «Die Drosselung der Abflussmenge der Limmat und der gleichzeitig hohe Zufluss aus dem Zürichsee hatten einen ausserordentlich hohen Pegelstand der Limmat zur Folge – eine derartige Situation hat es zuvor noch nie ge­geben.»

Ein ZSG-Schiff touchierte in der Folge während einer Fahrt ohne Passagiere eine Brücke. Zwar gebe es ein Warnsystem, doch sei die Brückenberührung «unvorhersehbar gewesen». Daraufhin musste die Schifffahrt auf der Limmat eingestellt werden.

Gemäss Awel ist die ZSG über die verringerte Abflussmenge der Limmat und über die Auswirkungen informiert worden. Ob auch explizit gewarnt wurde, dass dies zum Betriebsstillstand für die ZSG führen könne, ist ungeklärt. Ebenso ungewiss ist, ob die Wasserschutzpolizei gegebenenfalls wieder einen Antrag auf Regulierung des Flusses stellen wird, sollte die Lage bei den Gummiböötlern wieder gefährlich werden. Laut der Zürcher Stadtpolizei werde jede Massnahme «situativ geprüft».

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