Dietikon

Lässt sich die Gleichstellung zwischen Mann und Frau budgetieren?

Frauen und Männer sollen gleichermassen vom städtischen Budget berücksichtigt werden. (Themenbild)

Frauen und Männer sollen gleichermassen vom städtischen Budget berücksichtigt werden. (Themenbild)

Der Grüne Gemeinderat Beat Hess sagt, dass sich die Ungleichbehandlung von Frau und Mann besonders während der Coronakrise akzentuiert hat.

Gemeinderat Beat Hess will vom Stadtrat wissen, ob er mit der Idee des gendergerechten Budgetierens vertraut ist. Mit einer Kleinen Anfrage erkundigt er sich danach, ob der Stadtrat den Ansatz des Gender-Budgeting kennt. Ausserdem fragte er nach, ob der Stadtrat bereit wäre, diesen Ansatz für das Budget von Dietikon zu prüfen und gegebenenfalls in Betracht zu ziehen. Doch worum handelt es sich dabei überhaupt?

Die Idee des Gender-Budgeting ist älter als gedacht: Bereits in den 1980er-Jahren tauchte das Thema auf, in den 1990er-­Jahren versuchte man es in verschiedenen Ländern anzuwenden. Dabei wird das Haushaltsbudget so gestaltet, dass sowohl Männer als auch Frauen zu gleichen Teilen davon profitieren. Beat Hess selbst ist bei seiner Lektüre auf das Konzept gestossen. Begeistert hat ihn, dass Gender-Budgeting den Ansatz verfolgt, über die Strukturen für mehr Gleichstellung zu sorgen. «Mir ist klar, dass es aufwendig ist, aber ich finde es einen interessanten Ansatz», so Hess.

In verschiedenen Ländern und Städten wird Gender-Budgeting bereits angewendet. Österreich hat es im Jahr 2009 in der Bundesverfassung verankert. Hess nennt die Stadt Hamburg als weiteres Beispiel, die ab 2021 mit Gender-Budgeting arbeiten will. Hierzulande wendet der Kanton Basel-Stadt bereits Gender-Budgeting an.

Beat Hess, Zentralschulhaus, Roteichen, Grüne, Gemeinderat

Beat Hess, Gemeinderat Grüne Dietikon.

Beat Hess, Zentralschulhaus, Roteichen, Grüne, Gemeinderat

Vor der Umsetzung wird jeweils eine Analyse der Budget- Situation vorgenommen. Wichtig ist dabei, dass die unbezahlte Arbeit mit einbezogen wird. Dadurch wird der effektive Aufwand dargestellt und nicht nur der bezahlte Teil der Arbeit berücksichtigt. Hess verweist in seiner Begründung beispielsweise auf unbezahlte Care-Arbeit, welche vielfach durch Frauen übernommen wird.

Gerade in der Zeit von Corona zeigten sich Unterschiede in der Belastung von Frau und Mann, betont Hess. Das war für ihn einer der Gründe, die Anfrage einzureichen. «Die ungleiche Behandlung von Mann und Frau kam in der Coronakrise ganz besonders zum Vorschein. Viel mehr hing an den Frauen, als es darum ging, Angehörige zu versorgen oder Kinder zu betreuen», gibt Hess zu bedenken.
Eine Studie des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Mann und Frau hatte aufgezeigt, dass Frauen während der Krise stärker belastet waren. Homeschooling und Kinderbetreuung wurden in dieser Zeit vielfach von Frauen übernommen. Die Arbeit daneben gestaltete sich darum schwieriger als bei den Männern.

Aber auch in anderen Bereichen gibt es Potenzial: In Deutschland hat Freiburg im Breisgau erkannt, dass die Stadtbibliotheken mehr von Mädchen als von Jungen genutzt werden. Danach wurde das Angebot angepasst und seither glich sich die Nutzung bei Mädchen und Jungen aus.

«Man kann fragen: Wer profitiert von den Geldern?»

Hess sieht in Dietikon bei ­verschiedenen Budgetposten Potenzial. So zum Beispiel im Freizeit- oder Kulturbereich. Das Angebot wird von Frauen und Männern unterschiedlich genutzt. «Hier kann man auch fragen: Wer profitiert von den Geldern?», meint Hess.

Vielleicht könne man hinterfragen, nach welchen Kriterien die Stadt ihre Gelder investiert. «Die Idee ist als Gedankenanstoss gedacht, um sie danach auf längerfristige Sicht zu erarbeiten», präzisiert Hess. Dafür muss überlegt werden, wie man das Budget durchleuchtet. Es soll in Erfahrung gebracht werden, wer wovon profitiert und ob sich das Gender-Budgeting in Dietikon umsetzen liesse. Hess will damit vor allem eine Diskussion anregen.

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