Pandemie

Gleiche Chancen für alle Maturanden: Schüler des Corona-Jahrgangs dürfen nicht benachteiligt sein

Für die Erfahrungsnoten ist im Normalfall das letzte Jahr vor der Matura entscheidend. (Archivbild)

Für die Erfahrungsnoten ist im Normalfall das letzte Jahr vor der Matura entscheidend. (Archivbild)

In diesem Jahr hängt alles von den Erfahrungsnoten ab. Die Maturandinnen und Maturanden sollen nun die Gelegenheit erhalten, diese Noten aufzubessern.

Geht es nach der Zürcher Bildungsdirektion, werden dieses Jahr keine Maturaprüfungen geschrieben. Man will voll und ganz auf die Erfahrungsnoten abstellen. Noch muss der Bundesrat allerdings seinen Segen dazu geben. Laut Niklaus Schatzmann, dem Leiter des Mittelschul- und Berufsbildungsamts, ist der Verzicht auf die Maturaprüfung nicht derart gravierend. Sie diene häufig als Bestätigung gegenüber den Schülern und Eltern.

Meist klar, wer es packt «Die Lehrerinnen und Lehrer können jeweils mit grosser Sicherheit vorhersagen, welche Maturanden die Prüfung bestehen werden und welche nicht», sagt Schatzmann. In Einzelfällen ziehe ein Schüler mit knappen Leistungen an der Prüfung gerade noch ihren Kopf aus der Schlinge.

Es könne auch sein – und das sei der tragische Fall – dass eine gute Schülerin an der Maturaprüfung versage. Auch ohne Prüfung dürfen die diesjährigen Maturandinnen und Maturanden aufgrund der besonderen Situation aber nicht schlechter gestellt sein als ihre Vorgängerinnnen und Vorgänger.

Klare Anweisungen

Im Klartext bedeutet das: Die Quote derjenigen, welche Ende Schuljahr ein Maturazeugnis in Händen halten, muss dem statistischen Mittel entsprechen; sie darf weder höher noch tiefer liegen. Die Bildungsdirektion hat eine entsprechende Anweisung erteilt.

Für die Erfahrungsnoten ist im Normalfall das letzte Jahr vor der Matura entscheidend. «Es kommt immer wieder vor, dass Schülerinnen und Schüler dieses letzte Jahr recht gemütlich angehen und dann noch einen Schlussspurt hinlegen», sagt Schatzmann. Aufgrund der Schulschliessungen wegen der Corona-Krise habe die Möglichkeit für den Schlussspurt bisher gefehlt. «Wenn wir zum Zeitpunkt der Schulschliessungen notenmässig Kassensturz machen würden, wäre die Bestehensquote dieses Jahr wohl tiefer.»

Die Schulen müssten nun also dafür sorgen, dass die Lehrpersonen jetzt noch Leistungsbeurteilungen für die Schülerinnen und Schüler durchführen würden. «Jene, die aktuell nicht bestehen würden, müssen eine faire Chance erhalten, um zeigen zu können, dass sie den Stoff doch beherrschen», sagt Schatzmann.

Schulen entscheiden über zusätzliche Beurteilungen

Das besondere Augenmerk müsse jenen Schülern gelten, die knapp seien. Die Möglichkeit dürfe man aber nicht auf ein paar wenige beschränken. Sie müsse allen offenstehen. «Vielleicht gibt es auch jemanden, der in einem Fach einen Schnitt von 5,2 hat und unbedingt eine 5,5 erreichen will», sagt Schatzmann. Ob zusätzliche Leistungsbeurteilungen je nach Gusto eines Schülers freiwillig sein sollen, kann Schatzmann nicht sagen. Das zu entscheiden, liege in der Kompetenz der Schulen.
Dass herkömmliche Prüfungen nicht infrage kommen, um zusätzliche Noten zu generieren, ist klar. Laut Schatzmann gebe es aber genügend Möglichkeiten.

Die Gymnasiasten seien es sich von der ganzen Schulzeit her gewohnt, zu Hause schriftliche Arbeiten zu verfassen oder Referate vorzubereiten. «Die Prüfung im Schulzimmer unter Aufsicht der Lehrperson – wie man das von früher her kennt – ist heute längst nicht mehr die einzige Möglichkeit.»

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