Urdorf

Gemeinderat hebt Sistierung auf: Swisscom darf 5G-Antenne bauen

Den ersten öffentlichen Widerstand gegen den Ausbau von 5G wagten Anwohnende der Überbauung Mühlebächli letzten Sommer. Sie sammelten 203 Unterschriften und baten den Gemeinderat, das Bauprojekt von Salt am Bahnhof Weihermatt zu sistieren.

Den ersten öffentlichen Widerstand gegen den Ausbau von 5G wagten Anwohnende der Überbauung Mühlebächli letzten Sommer. Sie sammelten 203 Unterschriften und baten den Gemeinderat, das Bauprojekt von Salt am Bahnhof Weihermatt zu sistieren.

Weil der Expertenbericht vom Bund keine neuen Erkenntnisse liefert, bewilligt der Urdorfer Gemeinderat das Baugesuch.

Für die Gegner des Ausbaus von 5G in Urdorf sind es keine guten Nachrichten. Der Gemeinderat teilte gestern mit, dass er ein Baugesuch der Swisscom bewilligt hat. Der Mobilfunkanbieter beabsichtigt, die bestehende Antennen-Anlage an der Feldstrasse 41 umzubauen.

Noch im September sistierte die Behörde zwei laufende Baugesuche für Mobilfunk-Anlagen. Nicht nur jenes der Swisscom. Sondern auch jenes von Salt. Die Mobilfunkfirma plante, am Bahnhof Weihermatt eine bereits von den SBB verwendete Antenne mitzubenutzen (die Limmattaler Zeitung berichtete). Mit der Sistierung reagierte der Gemeinderat auf die Bedenken aus der Bevölkerung. Den ersten öffentlichen Widerstand wagten Anwohnende der Überbauung Mühlebächli letzten Sommer. Sie sammelten 203 Unterschriften und baten den Gemeinderat, das Bauprojekt von Salt am Bahnhof Weihermatt zu sistieren. Im Oktober legte der Verein «Stop 5G in Urdorf» nach und überreichte dem Gemeinderat eine Petition mit 878 Unterschriften gegen die fünfte Mobilfunkgeneration.

Doch nun muss sich die Exekutive der Rechtsstaatlichkeit fügen. «Das kantonale Planungs- und Baugesetz gibt vor, dass der Gemeinderat als Bewilligungsbehörde eine Baubewilligung erteilen muss, wenn das Bauvorhaben den Vorschriften der Gesetzgebung entspricht», sagt Patrick Müller, Leiter Stab der Gemeinde Urdorf. Da dies beim Vorhaben der Swisscom der Fall ist, sei dem Gemeinderat nichts anderes übrig geblieben, als das Baugesuch zu bewilligen.

Swisscom muss Messungen vornehmen

«Es gab keinen Handlungsspielraum. Um die Rechtsstaatlichkeit zu gewährleisten, hat der Gemeinderat die Bewilligung ausgesprochen», erklärt Müller. Der Gemeinderat habe die Swisscom jedoch angehalten, nach der Erstellung Abnahmemessungen vorzunehmen, um sicherzustellen, dass die Strahlen-Grenzwerte eingehalten werden.

Ein weiterer Grund für das Ja zur Antenne sei zudem, dass der Expertenbericht der von alt Bundesrätin Doris Leuthard eingesetzten Arbeitsgruppe über die Bedürfnisse und Risiken des zukünftigen Mobilfunks keine neuen Erkenntnisse geliefert habe. Der Gemeinderat sistierte die Baugesuche auch deshalb, weil er die Resultate dieses Expertenberichts abwarten wollte. «Der Bericht des Bundes wurde gleichsam von Befürwortern und Kritikern der 5-G-Technologie verfasst und enthält daher kaum klare Aussagen betreffend Gefährdung durch Strahlung», sagt Müller.

Auch Sunrise hegte Pläne in Urdorf

Das andere Baugesuch von Mobilfunkanbieter Salt ist derzeit nicht mehr aktuell. «Es liegt wegen offener Fragen noch beim Kanton», so Müller. Die beiden Handyanbieter sind aber nicht die einzigen, die Interesse am Standort Urdorf bekundeten. «Wir wurden kürzlich von Sunrise angefragt, ob wir verschiedene gemeindeeigene Liegenschaften für neue Antennen zur Verfügung stellen», verrät Müller. Auch wenn eine Zusammenarbeit aus finanziellen Aspekten prüfenswert gewesen wäre, habe man vor dem Hintergrund der Bedenken der Bevölkerung abgelehnt.

Nichtsdestotrotz ist dem Gemeinderat bewusst, dass er mit der Genehmigung des Baugesuchs für den Umbau der Swisscom-Anlage die Gegner von 5G im Dorf verärgern könnte. «Der Gemeinderat nimmt die Anliegen der Petitionäre und der Bürger ernst. Er hat auch im Bewusstsein, dass die Schule Urdorf und eine private Stiftung während der öffentlichen Auflage des Bauvorhabens den baurechtlichen Entscheid verlangt haben, so gehandelt», sagt Müller. Damit seien die zwei Parteien zu einem Rekurs beim Baurekursgericht legitimiert.

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Autor

Sibylle Egloff

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