Was hat der Arzneibaldrian Besonderes an sich?

Elisabeth Jacob: Er ist eine Medizinalpflanze. In der Wurzel sind Wirkstoffe enthalten, die eine beruhigende Wirkung haben und bei Schlafstörungen helfen. Arzneibaldrian kann in Tablettenform oder als Tee zu sich genommen werden. Er hat aber nicht nur auf die Menschen eine spezielle Wirkung. Katzen werden von dem Kraut regelrecht angelockt. Im Gegensatz zu uns hat der Arzneibaldrian auf sie eine eher berauschende Wirkung.

Was muss man beim Anpflanzen des Heilkrauts beachten?

Nicht sehr viel. Der Arzneibaldrian ist eine sehr pflegeleichte Pflanze. Er kann am Gehölzrand gesetzt werden und wächst auch im Halbschatten. Die mehrjährige Staude bevorzugt feuchten Boden und erreicht eine Höhe von bis zu anderthalb Metern. Nebst Menschen und Katzen nützt der Arzneibaldrian auch vielen Insekten. Deshalb ist er als einheimisches Gewächs eine sehr beeindruckende Pflanze.

Haben Sie in Ihrem Garten nur einheimische Pflanzen?

Nein, in unserem Garten präsentieren wir eine Mischung aus einheimischen und fremden Gewächsen. Wir wollen den Besucherinnen und Besuchern eine hohe Artenvielfalt zeigen und ihnen klar machen, dass Artenvielfalt und einheimische Pflanzen nicht dasselbe sind. Im Garten sollte man möglichst viele verschiedene Pflanzen verwenden dürfen. Dazu gehören auch Neophyten.

Können die Neophyten demnach auch einen Mehrwert darstellen?

Unbedingt. Sie gehören zur Gartenkultur dazu. Man muss sie einfach klar von den problematischen Pflanzen, den invasiven Neophyten, abgrenzen. Diese wenigen schädlichen Gewächse sind aus den Gärten zu verbannen. Aber die meisten Neophyten stellen eine Bereicherung dar.

Erhalten die Neophyten durch den Trend zu einheimischen Pflanzen ein zu schlechtes Image?

Der Hype um dieses Thema verleitet zu einem Schwarz-Weiss-Denken. Es wird den Leuten vermittelt, dass die Lösung für die hiesige Artenvielfalt einzig aus einheimischen Pflanzen besteht. Aber auch fremde Pflanzen locken Insekten an.

Arzneibaldrian blüht ab Mai.

Arzneibaldrian blüht ab Mai.

Gerade solche, die nach der Entdeckung Amerikas zu uns gelangten, sind für unsere Gärten sehr wertvoll. So muss man etwa auf Astern, Sonnenblumen oder Dahlien nicht verzichten, wenn einem diese gefallen.

Hat sich die Art, wie Sie heute Gärten gestalten, gegenüber früher verändert?

Nein, nicht wirklich. Bei mir standen schon immer die Pflanzen und nicht die Bauten im Vordergrund. Und das ist auch in unserem Garten an der Ausstellung zu sehen.

Wie haben Sie diesen gestaltet?

Abgesehen von der Pflanzenvielfalt war es uns wichtig, bei den wenigen Bauten nur organisches Material zu verwenden. Um die dafür aufgewendete Energie möglichst klein zu halten, stammen etwa die Holzschnitzel oder Holzhocker in unserem Garten aus der Region. Bis sich darin aber alles so entwickelt hat, wie ich es mir wünsche, braucht es noch ein wenig Zeit. Und diese geben wir den Pflanzen.