Limmattal
Fusion von Dietikon und Schlieren mit Zürich: So reagiert die Lokalpolitik

Dietiker und Schlieremer Gemeinderäte wollen (noch) keinen Zusammenschluss mit der Stadt Zürich. Und was sagt die Stadt Zürich dazu?

Tobias Hänni
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Sollen sich Schlieren und Dietikon darum bemühen, politisch bald zu Zürich zu gehören? Die Alternative Liste findet Ja. Sandra Ardizzone

Sollen sich Schlieren und Dietikon darum bemühen, politisch bald zu Zürich zu gehören? Die Alternative Liste findet Ja. Sandra Ardizzone

Sandra Ardizzone

Das Ansinnen der AL, Schlieren und Dietikon mit der Stadt Zürich zu fusionieren, dürfte es schwer haben, über das Stadium einer Idee hinauszukommen: In beiden Limmattaler Gemeinden löst der Vorschlag, sich mit Zürich zusammenzuschliessen, keine Begeisterungsstürme aus - zumindest nicht auf politischer Ebene. So wurde im Dietiker Gemeinderat das Postulat, mit dem AL-Politiker Ernst Joss dem Stadtrat eine Eingemeindung ans Herz legt, von keinem einzigen Gemeinderat ausserhalb des links-grünen Lagers unterzeichnet.

Und: Auch die Unterschrift von SP/AL-Fraktionspräsident Sven Koller fehlt unter dem Vorstoss. «Die Idee ist zwar gut, um eine Diskussion über Dietikons Zukunft anzustossen. Die Wahrscheinlichkeit, dass daraus aber etwas Ernsthaftes wird, ist gering», erklärt Koller seine mangelnde Begeisterung für das Postulat. Der Aufwand, den dieses generiere, stehe nicht im Verhältnis zu dem, was am Schluss dabei rausschaue.

Gabriele Olivieri, CVP-Fraktionspräsident, hält eine Fusion für verfrüht. «Es kann sein, dass in einer sehr fernen Zukunft ein grosses Zürich entstehen wird», sagt er. Im Moment, so Olivieri, sehe er kein Bedürfnis für eine Eingemeindung. «Und ich schätze, dass diese auch für die meisten Dietiker derzeit kein Thema ist.»

Zunächst müsse Dietikon seine Probleme selber anpacken, wenn nötig mit angrenzenden Gemeinden verhandeln und ihr Mitspracherecht im Kantonsrat rege benutzen. «Das wird die Stadt weiterbringen. Und dann muss sie sich auch nicht auflösen.» Auch für die FDP-Fraktion kommt Joss’ Vorschlag zu früh. «Etwa 20 Jahre», wie ihr Präsident Martin Romer sagt. Dietikons Gemeinderat und Souverän, aber auch die Stadt Zürich seien noch nicht reif für einen Zusammenschluss. Der Vorschlag werfe zudem viele Fragen auf, so Romer. Etwa jene, ob nicht eine von Zürich unabhängige Limmatstadt geeigneter wäre.

Als «Furzidee» betitelt Stephan Wittwer, SVP-Fraktionspräsident, das Postulat. «Man kann nicht zusammenfügen, was nicht zusammengehört», sagt er. Die Stadt Zürich ticke anders als die Agglomeration. «Da gehen bei vielen Themen die Meinungen weit auseinander.» Wittwer vermag auch das finanzielle Argument für eine Fusion nicht zu überzeugen. «Eine Eingemeindung ist nicht der richtige Weg, Dietikon zu entlasten», sagt er. Stattdessen müsse auf Kantonsebene dafür gesorgt werden, dass das Geld gerechter verteilt werde.

Schlieren schaffts alleine

In Schlieren, wo AL-Mitglied Thomas Ragni die Idee einer Eingemeindung per Einzelinitiative angestossen hat, sind die Reaktionen darauf ähnlich ablehnend. Er halte nicht viel davon, sagt SVP-Fraktionspräsident Beat Kilchenmann. «Schlieren befindet sich nicht in einer Notlage, die eine Fusion nötig machen würde», sagt er mit Blick auf allfällige finanzielle Vorteile, die den Zusammenschluss mit dem grossen Nachbarn mit sich bringen würde.

Schlieren mache seine Sache grundsätzlich gut. «Die Stadt nimmt ihre Eigenverantwortung wahr. Sie soll auch weiterhin eigenständig bleiben», so Kilchenmann. Auch auf der anderen Seite des politischen Spektrums trifft die Fusionsidee auf keine Unterstützung. Die SP/Grünen-Fraktion habe den Vorschlag noch nicht diskutiert, sagt Fraktionspräsident Walter Jucker (SP). «Tendenziell ist eine solche Fusion aber nicht erwünscht.» Seiner Meinung nach spreche nicht viel für eine Eingemeindung.

Zürich wartet ab

Und was hält die Stadt Zürich von der Idee, Schlieren und Dietikon als neue Stadtkreise einzuverleiben? «Grundsätzlich sind Gemeindefusionen interessant», sagt Anna Schindler, Direktorin Stadtentwicklung Zürich. Wie das Engagement in der Metropolitankonferenz oder in der Regionalplanung Zürich und Umgebung zeige, denke man über die Stadtgrenzen hinaus.

Mit einer Fusion liesse sich der regelmässige Austausch und die Zusammenarbeit noch einfacher gestalten, sagt Schindler und nennt als Beispiele die Stadtentwicklung oder Kooperationen im Verkehrsbereich. «Natürlich respektieren wir aber die Autonomie unserer Nachbargemeinden.» Im Moment warte man deshalb die weiteren Entwicklung in Schlieren und Dietikon ab.

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