Eine Umfrage bei den Urdorfer Ortsparteien zeigt, dass die Politikerinnen und Politiker im Dorf eine Zusammenarbeit der Behörden befürworten. Zumindest, wenn es um das Liegenschaften-Konzept der Politischen Gemeinde und der Schulgemeinde geht. Doch der Gemeinderat und die Schulpflege wollen nicht. Ende Mai teilten sie mit, dass sie auf eine gemeinsame Immobilien-Strategie verzichten. Durch die Zusammenarbeit hätten die finanzielle Gesamtsituation optimiert und die Immobilienkosten gesenkt werden sollen. Da die beiden Behörden die von ihnen favorisierte Variante, die unter anderem den Abbruch des Hallenbads zur Folge gehabt hätte, als nicht mehrheitsfähig einstuften, gaben sie die Pläne auf.

Gedanken zum Thema machte sich aber auch eine private Planungsgruppe, die aus vier Urdorfer Bürgerinnen und Bürgern besteht. Sie entwarf ein Immobilien-Konzept für beide Güter, um eine Diskussion über die Dorfentwicklung zu entfachen und die Behörden doch noch zum gemeinsamen Handeln zu bewegen. Ihr Konzept sieht unter anderem den Rückbau des Zentrums Spitzacker und damit verbunden den Abbruch des Hallenbads, den Neubau des Hallenbads neben dem Freibad Weihermatt, die Erstellung einer Dreifachturnhalle, eines Feuerwehrgebäudes sowie den Neubau eines Schulhauses mit Kindergarten und Mittagstisch vor. Zudem sollen auch Land der beiden Güter verkauft werden.

Kritik gegenüber Landverkauf

Die Ideen der Gruppe kommen bei der SP Urdorf gut an. «Die Initiantinnen und Initianten haben sehr prüfenswerte Überlegungen angestellt», sagt Co-Präsidentin Ursula Baumgartner. Die Partei erachte es als sinnvoll, dass die beiden Behörden zusammenarbeiteten und sich Gedanken über Immobilien machten, die sie zum Teil gemeinsam nutzen. Anklang findet bei der SP Urdorf die Idee der privaten Gruppe, das Freibad und das Hallenbad örtlich zusammenzuführen. «Die Veränderung des Standorts ermöglicht es, auch energetisch Synergien zu nutzen», sagt Baumgartner. Auf Interesse stösst auch das Anliegen der Gruppe, die Wege und Plätze, die die einzelnen Gebiete verbinden, attraktiv zu gestalten. «Es ist gut, dass die Gruppe auch die Langsamverkehrswege und die Umgebung in ihrem Konzept miteinbezieht.» Kritisch ist man gegenüber den geplanten Landveräusserungen. «Wir können uns höchstens vorstellen, dass das Land im Baurecht abgegeben wird», sagt Baumgartner.

Ein wichtiger Grund, weshalb sich der Gemeinderat und die Schulpflege gegen die Weiterverfolgung einer gemeinsamen Strategie ausgesprochen haben, ist die Tatsache, dass die kantonale Denkmalpflege diverse Gebäude in Urdorf in ihre Inventarliste aufnehmen will. Darunter auch die Zentrumsanlage samt Hallenbad oder die Schulanlage Moosmatt. Baumgartner hat angesichts dessen Verständnis für den Entscheid der Behörden. «Dadurch wird ihre Arbeit massiv erschwert.» Und dennoch: Man dürfe deswegen nicht klein beigeben, sondern müsse unverzüglich mit der kantonalen Denkmalpflege verhandeln, welche Gebäude oder welche Teile der Gebäude schützenswert seien. «Es ist wichtig, dass die Behörden aktiv bleiben und gute vorhandene Ideen aufnehmen, sodass man eine echte Diskussion startet mit den Parteien und der Bevölkerung.»

Tiefere Kosten dank Synergieeffekten

Die GLP Urdorf zeigt sich ebenso angetan von den Projekten der Gruppe. «Wir begrüssen es, wenn verschiedene Konzepte erarbeitet werden. Das erhöht die Chance nach guten und bezahlbaren Liegenschaftenprojekten», sagt Präsident Stephan Rothmund. Das Immobilien-Konzept der privaten Gruppe enthalte massgebende Denkanstösse für die zukünftige Entwicklung und Gestaltung der Gemeinde- und Schulliegenschaften mit Fokus auf Enkeltauglichkeit. «Die Lösungen sind flexibel gehalten und erlauben deshalb eine kostensparende Anpassung auf veränderte Bedingungen wie zum Beispiel steigende Schülerzahlen», sagt Rothmund. Eine gemeinsame Immobilien-Strategie von Schul- und Politischer Gemeinde sei anzustreben. Dies ermögliche die Realisierung von Synergieeffekten, was zu tieferen Kosten führe.

Auch die SVP Urdorf spricht sich für eine Kollaboration aus. «Eine Zusammenarbeit der Behörden wäre wünschenswert. Für uns am idealsten wäre nach wie vor die Bildung einer Einheitsgemeinde», lässt die Partei verlauten. Die Idee der privaten Gruppe, Land der beiden Güter zu veräussern, um Geld für Investitionen zu generieren, stellt die SVP Urdorf infrage. «Wenn die eine Behörde etwas verkauft, kann das Geld nicht von der anderen Behörde genutzt werden, da die Güter getrennte Kassen aufweisen.» Ein Problem sieht die Partei auch aufgrund der Inventarisierung durch die kantonale Denkmalpflege. «Das schränkt den Handlungsspielraum stark ein und macht den Behörden, aber auch dem Konzept der Gruppe, einen Strich durch die Rechnung.»

Diese Meinung vertritt auch die CVP Urdorf. Das Konzept der privaten Gruppe enthalte viele gute und diskussionswürdige Ideen, sagt Präsident Marc Joye. «Aber es gibt auch Punkte, welche vertieft analysiert werden müssten, wie zum Beispiel die Konsequenzen einer allfälligen Inventarisierung der Zentrumsanlage oder die ökologische und finanzielle Belastungssituation für ein neues Hallenbad in der Weihermatt», gibt Joye zu bedenken. Grundsätzlich begrüsse die Partei eine Zusammenarbeit, wenn diese gute Erfolgschancen habe. Laut der Pressemitteilung der Gemeinde und der Schule sei dies unter den jetzigen Umständen jedoch nicht der Fall.

Auch die FDP Urdorf sieht Schwierigkeiten bei der Realisierung des Konzepts. «Die Annahmen der Gruppe sind nicht gesichert. Geplant ist eine Umnutzung der Zentrumshalle. Zuerst muss aber mit der kantonalen Denkmalpflege abgeklärt werden, was möglich ist und was nicht», sagt Co-Präsident Stephan Mazan.

Das Engagement der Gruppe will Mazan jedoch nicht kleinreden. «Die FDP ist der Meinung, dass die Initiantinnen und Initianten gute und tüchtige Arbeit geleistet haben.» Wie die Gruppe sei auch die Partei sehr daran interessiert, dass die Behörden zusammenarbeiten, damit die Strategie effizient umgesetzt werden könne. «Wenn man 2016 an der Urne die Bildung einer Einheitsgemeinde nicht abgelehnt hätte, müssten wir diese Diskussion nun nicht führen», sagt Mazan. Trotz separater Güter erwarte man, dass der Gemeinderat und die Schulpflege zum Wohle von Urdorf zusammenspannen.

Es besteht noch Hoffnung für den Abriss

Für die favorisierte Strategie der Urdofer Behörden und das Konzept der privaten Gruppe gibt es aber noch Hoffnung. Derzeit erarbeitet die kantonale Denkmalpflege das Inventar für die Region Limmattal. Festgesetzt sei somit noch nichts, wie Markus Pfanner, Mediensprecher der kantonalen Baudirektion auf Anfrage mitteilt. Dass der Gemeinde und der Schule Urdorf durch die Inventarisierung die Hände gebunden seien, davon könne nicht die Rede sein, sagt Pfanner. «Die Aufnahme eines Gebäudes ins überkommunale Inventar ist eine Verwaltungshandlung, die lediglich behördenverbindlich ist. Mit der Aufnahme ins Inventar formuliert der Kanton eine Schutzvermutung.»

Die Aufnahme ins Inventar sei keine Unterschutzstellung. Ob ein Bauwerk, das im Inventar aufgeführt ist, formell unter Schutz gestellt werden solle und wenn ja, in welchem Umfang, entscheide bei Objekten von überkommunaler Bedeutung die Baudirektion, so Pfanner. Und er sagt auch: «Je nachdem dürfen die Gebäude abgerissen werden.» Darüber entscheide die Baudirektion in der Regel im Einvernehmen mit den Eigentümern beziehungsweise mit der Gemeinde. «Bei Unterschutzstellungen wirken Eigentümer beziehungsweise Gemeinden mit und sind einspracheberechtigt, falls sie nicht einverstanden sind.»