Üetliberg

Es scheint, als stehe die Zeit still: Üetliberggänger gehen auf Distanz

Zu Hause bleiben ist angesagt: Auf dem Spielplatz Hohenstein spielen nur zwei Kinder.

Zu Hause bleiben ist angesagt: Auf dem Spielplatz Hohenstein spielen nur zwei Kinder.

«Abstand halten» wegen Coronavirus lautet das Gebot der Stunde. Auf Zürichs Hausberg wird es von den Joggern und Wanderern weitgehend eingehalten.

Beim Grillplatz eingangs des Üetliberg-Walds, oberhalb des Hotels «Atlantis», sitzt eine rund 15-köpfige Kinderschar mit vier Betreuungspersonen. Die Krippenkinder packen gerade ihr Plastikgeschirr vom Mittagessen ein. Sie hocken zum Teil Schulter an Schulter an den Holztischen. Social Distancing, also Abstand halten, um die Übertragung des Coronavirus zu vermeiden? Fehlanzeige. Daneben rauschen Mountainbiker den Bike-Trail herunter. Bei ihnen stimmt der in Corona-Zeiten nötige Abstand.

Auf schmalen Wegen am Üetliberg wird Abstand halten manchmal schwierig.

Auf schmalen Wegen am Üetliberg wird Abstand halten manchmal schwierig.

Unten am Waldrand stehen zwei Frauen und unterhalten sich angeregt. Sie sind knapp zwei Armlängen voneinander entfernt. Ein Jogger mit FC-Liestal-Jäckchen überholt mich. Er läuft am gegenüberliegenden Wegrand. Ich messe nach: gut zwei Meter Distanz, wie es sich gegenwärtig empfiehlt.

Jogger und Spaziergänger begegnen einem an diesem sonnigen Nachmittag auf Schritt und Tritt an den Hängen von Zürichs Hausberg. Kein Wunder. Bewegung tut gut, wenn man fast den ganzen Tag im Home-Office sitzt. Und ausser Spazieren, Joggen oder Velofahren bleibt einem sonst nicht viel übrig in diesen Tagen.

Meistens kommen die Üetliberggänger corona-technisch gut aneinander vorbei auf den Waldwegen. Doch manchmal wird es eng. Am Anfang der Corona-Krise betonten Experten noch: Kontakte, die weniger als 15 Minuten dauern, seien eher harmlos. Inzwischen lautet die Devise: möglichst gar nicht erst unter die Leute kommen.

Wenig Personen unterwegs

Je weiter ich mich vom Siedlungsrand entferne, umso weniger Jogger und Wanderer sind anzutreffen. Doch wie wird es beim grossen Spielplatz mit den Feuerstellen und dem Brunnen sein? Als ich mich nähere, sind schon von Weitem Kinderstimmen zu hören. Es sind aber nur zwei Kinder mit ihren Eltern da – obwohl die Schulen und Kindergärten geschlossen sind.

Dafür kreischen die beiden Geschwister auf der Schaukel um so herzerfrischender. Die vier Feuerstellen jedoch sind kalt. Ein alter Mann sitzt allein auf einer Bank am Rande des Spielplatzes in der Sonne. Kühler Wind lässt das Laub vom letzten Jahr in den Büschen rascheln. Der Himmel ist wolkenlos; selbst Flugzeug-Kondensstreifen gibt es nicht.

Endstation Üetliberg: Der Bahnhof ist fast menschenleer. Zwei Arbeiter in leuchtorangen Jacken reparieren gerade die Bahnhofsuhr. Kein Zug kommt jetzt hier an: «Betrieb ab Ringlikon» steht auf der Anzeigetafel am Bahnsteig. Auch die Üetlibergbahn hat ihren Fahrplan reduziert. Alle Restaurants und das Hotel «Uto Kulm» sind wegen des sich ausbreitenden Coronavirus vorerst bis 30. April geschlossen, verkünden Zettel am Bahnhof. Es scheint, als stehe die Zeit still.

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