Freizeit

Er hat seine eigene Playmobil-Armee – und stellt damit den Amerikanischen Bürgerkrieg nach

Der Koch Torsten Bohner aus Dübendorf bildet Figuren aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg wahrheitsgetreu nach.

Wenn man in die Wohnung von Torsten Bohner in Dübendorf kommt, befindet man sich inmitten des Amerikanischen Bürgerkriegs: Soldaten in verschiedensten Uniformen stehen sich auf einem Schlachtfeld gegenüber. Es ist eine stille Szene, denn die Soldaten sind kleine Figuren, und das Schlachtfeld besteht aus Karton. «Es ist alles wahrheitsgetreu», sagt Bohner.

Der 50-Jährige stellt alle Mini-Soldaten und die Austragungsorte des Krieges selbst her. Schon als er ein kleiner Bub war, zeichnete sich ab, dass dies sein späteres Hobby würde: Sein Vater und er gossen zusammen Zinnsoldaten. «Wir verzierten sie, aber bei mir waren es eher Farbkleckse», sagt Bohner und lacht. Im Alter von acht Jahren widmete er sich intensiver der Herstellung und Schmückung von Mini-Soldaten aus Zinn. «Ich war ein grosser Cowboy- und Indianer-Fan», sagt Bohner. Darum machte er anfänglich vor allem solche Figuren. «Diese Figuren waren meine besten Freunde», sagt der gebürtige Dortmunder.

Später stieg sein Interesse an der amerikanischen Geschichte, respektive am Bürgerkrieg, der 1861 ausbrach und vier Jahre dauerte. Was fasziniert Bohner an diesem dunklen Kapitel der amerikanischen Geschichte? «Der Amerikanische Bürgerkrieg bietet mir viele Möglichkeiten», sagt er. Der Krieg habe unter anderem in Häfen, Städten und Farmen stattgefunden. So könne er nach Lust und Laune entscheiden, an was er arbeiten möchte. Ein Chaos gibt das nicht: «Viele Projekte laufen parallel zueinander», sagt der gelernte Koch. Er mache viele kleine Teile, die dann zusammen das grosse Bild ergeben.

Obwohl Bohner anfangs viel mit Zinn gearbeitet hat, wechselte er zu Playmobil-Figuren. «Die Soldaten aus Zinn herzustellen, ist sehr umständlich, und sie gehen schnell kaputt», begründet er seinen Entscheid.

Viel Fingerspitzengefühl

Er reproduziert seine Figuren des Amerikanischen Bürgerkriegs möglichst wahrheitsgetreu. «Ich picke mir aus den Truppen verschiedene Einheiten heraus, die haben je vier bis sechs Geschütze. Diese bilde ich nach», sagt er. Wie diese Truppen und Einheiten gekleidet waren, liest er im Internet oder in Büchern nach. Er sorgt dafür, dass auch das kleinste Detail stimmt. Sogar das Schlachtfeld entspricht dem Original. Diese genauen Nachbildungen, die viel Fingerspitzengefühl erfordern, dauern lange. «Alleine die Figuren zu bemalen, dauert ungefähr fünf Stunden», sagt Bohner. Einmal habe er auch Napoleon gebastelt, dafür brauchte er einen ganzen Tag. Damit die Playmobil-Figuren nicht so statisch wirken, erhitzt er sie und biegt die Körperteile. Das lässt die Mini-Soldaten lebendiger wirken. Schon über dreissig Jahre arbeitet er an seiner Armee.

Jede Figur sei einzigartig, sagt Bohner: «Ich habe meiner Tochter mal gesagt, dass ich ihr tausend Franken gebe, wenn sie zwei komplett identische Figuren findet.» Sie wurde nicht fündig. Könnte er die Figuren denn nicht verkaufen? «Meine Partnerin hat mir das mal vorgeschlagen, aber diese Figuren haben für mich einen emotionalen Wert», sagt Bohner. Während der Herstellung der Figuren könne er abschalten und sich entspannen. Das Szenario des Bürgerkriegs sei zwar passiert, aber es liege in der Vergangenheit. «Dadurch hat es für mich nicht mehr viel mit der Realität zu tun», sagt Bohner. «So kann ich dabei komplett abtauchen», sagt er.

Die Charaktereigenschaften, die er für sein aussergewöhnliches Hobby braucht, sind auch in seinem Beruf nötig. Er ist gelernter Koch und hat die Hotelfachschule im Zürcher Belvoirpark absolviert. Heute arbeitet er selbstständig. Bohner kocht etwa für private Anlässe oder gibt Kochkurse. «Ich schaue mir viele Dinge im Detail an», sagt er. Sein Beruf und sein Hobby seien handwerklich und künstlerisch anspruchsvoll. «Beides braucht viel Geduld», sagt er. Für Bohner lohnt sich das. Man habe ein Endprodukt zum Anfassen. «Das ist sehr wertvoll für mich», sagt Bohner.

Fixe Tage oder Zeiten hat er sich nicht festgelegt, um sich mit seiner Figuren-Produktion zu beschäftigen. «Immer dann, wenn es die Zeit zulässt», sagt Bohner. Oder wenn er mal wieder vom Alltag in die Welt des Amerikanischen Bürgerkriegs abtauchen wolle.

Verwandte Themen:

Autorin

Michelle Panza

Michelle Panza

Meistgesehen

Artboard 1