Dietikon

EKZ-Kraftwerk musste Notstop einleiten, um Gummiböötler zu retten

Die Limmatkurve in Dietikon wirkt besonders ruhig. Doch näher am Kraftwerk kann die Strömung schnell tückisch werden.

Die Limmatkurve in Dietikon wirkt besonders ruhig. Doch näher am Kraftwerk kann die Strömung schnell tückisch werden.

Diese Woche musste ein Gummiboot aus der Limmat geborgen werden. Es war bereits der dritte Vorfall innert zwei Wochen. Freizeit-Kapitäne verpassten den Ausstieg und hingen dann im Rechen fest. Das Kraftwerk musste notfallmässig abgestellt werden.

Die Gummibootstrecke über die Limmat von Zürich nach Dietikon ist äusserst beliebt. Obwohl bei der Allmend Glanzenberg viel mehr Platz, eine gute Bahnhofsanbindung, Parkplätze und bald sogar eine Sommerbar mit Drinks und Musik (siehe Text rechts) zur Verfügung stehen, fahren viele Freizeitkapitäne gerne bis zur Nötzliwiese weiter. Das haben auch die engen Platzverhältnisse wegen der angrenzenden Limmattalbahn-Baustelle nur bedingt geändert. Die letzte Kurve vor dem Kraftwerk wird von vielen geschätzt, weil die abnehmende Strömung einen ruhigen Ausklang der Bootsfahrt verspricht.

Aber trotz vermeintlicher Entspannung ist höchste Aufmerksamkeit geboten: Vor einigen Tagen ist es beim Kraftwerk der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) zu einem Vorfall mit einem Gummiboot gekommen. Weil die Gummiböötler den Ausstieg verpassten, blieben sie im Horizontalrechen vor den Turbineneinläufen stecken und mussten gerettet werden, schreiben die EKZ in einer Mitteilung von gestern. Darin fordern die EKZ Gummiböötler auch dringend auf, Vorsicht walten zu lassen und «die sichere Ausstiegsstelle beim Bahnhof Glanzenberg zu benutzen».

Nachdem das Boot am letzten Ausstieg bei der Nötzliwiese vorbeigefahren war, geriet es
in den Oberwasserkanal beim Kraftwerk. Die Insassen schafften es auch nicht, die Kahnrampe knapp 15 bis 20 Meter vor dem Kraftwerk als Notausstieg zu nutzen oder sich an der Sicherheitsleine festzuhalten. Nur dank einem schnellen manuellen Notstopp des Kraftwerks konnten die Personen laut Mitteilung rasch und unverletzt geborgen werden. Das Kraftwerk ist grundsätzlich nicht besetzt. Ein Bootsinsasse alarmierte jedoch via Notrufsäule die EKZ-Betriebsführungsstelle, die sofort reagieren konnte.
Weil derzeit viel Wasser die Limmat runterfliesst, sei die Situation besonders tückisch, sagt EKZ-Sprecher Luc Descombes auf Anfrage. «Nähert man sich dem Kraftwerk und gerät in dessen Sog, wird es schnell sehr schwierig, sich wieder zu befreien.» Auch deshalb gelte es unbedingt, die zahlreich angebrachten Verbotsschilder zu befolgen.

Früher nur alle paar Jahre ein Zwischenfall

Laut Descombes handelt es sich um den dritten Zwischenfall beim Kraftwerk innerhalb von nur zwei Wochen, bei dem ein Gummiboot in Bredouille geraten ist. Früher sei so was im Schnitt nur alle zwei bis drei Jahre passiert. Das hat sicher auch mit der enormen Verkehrszunahme auf der Limmat zu tun. «Der Kraftwerkverantwortliche hat auch noch mal bestätigt, wie stark das Gummiböötlen in den vergangenen zehn Jahren zugenommen hat», so Descombes.

Der Zwischenfall diese Woche ist potenziell nicht nur für die Involvierten gefährlich, wie in der Mitteilung beschrieben wird. Nach einem Maschinenstopp im Kraftwerk fliesst das Wasser vollständig über das Wehr und kann die Limmatströmung auch weiter flussaufwärts verstärken und nachfolgende Gummiboote oder Personen, die sich auf den Kiesbänken aufhalten, in Gefahr bringen.

Nicht nur die EKZ wollen Böötler zum Aussteigen bei der Allmend Glanzenberg bewegen. Die Stadt Dietikon setzt sich seit der Eröffnung der Allmend vor rund einem Jahr ebenfalls aktiv dafür ein. Und auch im neuen Limmatböötle-Guide der Regionalen Projektschau Limmattal (Regionale 2025) wurde die Karte für dieses Jahr angepasst. Neu wird die Allmend Glanzenberg als Hauptausstiegsstelle empfohlen. Bei der Nötzliwiese wird hingegen die Limmattalbahn-Baustelle ausgewiesen, und der Ort wird nur noch als letzte Ausstiegsmöglichkeit erwähnt.

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