Weiningen
Eine Tonne Trauben: Wenn Vater und Sohn im Weinberg wümmen

Ernst und Harely Werffeli gehen derzeit ihrer Lieblingsbeschäftigung nach und ernten Riesling-Silvaner-Trauben in ihrem Rebberg im Weininger Wellenberg. Dabei erinnern sie sich an alte Zeit und freuen sich auf den ersten Schluck ihres neuen edlen Tropfens.

Sibylle Egloff
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Weininger Wümmet
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Erholung im Freien: «Die Weinlese ist für mich als würde ich meditieren. Es ist eine schöne Arbeit», sagt der 49-jährige Harley Werffeli.
Ernst Werffeli ist zufrieden mit den Trauben. Sie seien satt und würden wenig faule oder angefressene Beeren aufweisen, sagt der 76-Jährige.
Mit einem Reb-Schlitten befördert Ernst Werffeli die Trauben nach unten zum Rebhüsli.
Insgesamt eine Tonne Riesling-Silvaner-Trauben ernten die Werffelis diese Woche. Im Oktober folgt dann eine Tonne Blauburgunder-Trauben.
Winzern in fünfter Generation: Ernst und Harley Werffeli legen Wert auf die Tradition. Letzterer hofft, dass auch mal eines seiner sechs Kinder in seine Fussstapfen treten wird.
Gekeltert werden die Trauben der Werffelis von Winzer Hans-Heinrich Haug.
Statt Weininger Wein nennen die Werffelis ihren edlen Tropfen neu «Clos Belvedère». «Belvedère heisst unser Rebhüsli und Clos bedeutet auf Französisch geschlossenes Weingut. Unser Wein stammt ja von einem einzigen Rebstück», erklärt Harley Werffeli.

Weininger Wümmet

Severin Bigler

Mäusebussarde teilen sich mit einem Flugzeug den strahlend blauen Himmel. Eine Brise weht durch den Weininger Rebberg Wellenberg. «Die ist perfekt», sagt Ernst Werffeli und streckt eine weisse Traube in die Höhe. «Sie ist satt und weist keine einzige faule oder angefressene Beere auf», sagt der 76-Jährige und legt das Exemplar behutsam in eine Kiste.

Werffeli, der lieber Ernesto statt Ernst genannt wird, steckt mitten im Wümmet. Mit seinem Sohn Harley erntet er diese Woche Riesling-Silvaner-Trauben. «Das Winzern ist unsere Leidenschaft . Es braucht Gefühl beim Wümmet, dann wird der Wein besonders gut», sagt Harley Werffeli, während er eine Traube vom Rebstock abschneidet. Helfer hätten sie keine. «Wir machen das traditionell zu zweit. Man muss Freude daran haben und sich Zeit nehmen.» Fremde hätten das oftmals nicht, würden dauernd auf die Uhr schauen. «Ich habe keinen Stress. Die Weinlese ist für mich als würde ich meditieren. Es ist eine schöne Arbeit», sagt der 49-Jährige.

Sie winzern bereits in fünfter Generation

Sein Vater nickt. «Hier oben merkt man nichts vom Stress und der Hektik. Und auch vom Coronavirus ist man weit entfernt», sagt Ernst Werffeli. Die Familie winzert bereits in fünfter Generation. Darauf ist man stolz. «Ich denke oft an meine Vorfahren, wenn ich hier im Rebberg arbeite. Ich glaube, sie hätten Freude, dass wir die Tradition immer noch pflegen», sagt Harely Werffeli. Er hofft, dass auch mal eines seiner sechs Kinder den Rebberg übernimmt. «Ich habe sie schon als sie ganz klein waren in den Weinberg mitgenommen, damit sie sehen, was es hier zu tun gibt.» So habe es auch sein Vater gemacht. «Seit dem ich laufen konnte, schleppte er mich mit. Am liebsten bin ich barfuss durch die Rebstöcke gerannt», erinnert sich Harley Werffeli.

Ich denke oft an meine Vorfahren, wenn ich hier im Rebberg arbeite. Ich glaube, sie hätten Freude, dass wir die Tradition immer noch pflegen.

(Quelle: Harley Werffeli, Hobby-Winzer)

Mittlerweile sind die zwei Kisten mit je 20 Kilo Trauben gefüllt. Ernst Werffeli zieht sie auf einem Aluminium-Brett den Hang hinunter. Der Wümmet sei heutzutage kein Chrampf mehr, findet er. «Früher wurde die Arbeit noch vollständig von Hand erledigt. Heute hat man für alles Maschinen.» Er freut sich, dass Petrus den Winzern dieses Jahr wohlgesinnt ist. «Das Wetter hat gut mitgespielt, es gab keinen Hagel und praktisch keine Fäulnis.» Letztes Jahr sah es anders aus. «Wegen dem Mehltau wurden viele Beeren faul. Wir mussten sie herauslesen. Das war sehr aufwendig.»

Der Wein heisst neu so wie ihr Rebhüsli

Rund eine Tonne Riesling-Silvaner-Trauben und eine Tonne Blauburgunder-Trauben überlassen die Werffelis wie jedes Jahr dem Weininger Winzer Hans-Heinrich Haug zum Keltern. Erstmals soll es auch Grappa geben.

Die Weininger Winzer sind zufrieden

2020 ist ein gutes Weinjahr, darin sind sich die Weininger Winzerfamilien einig. «Wir sind sehr zufrieden. Das schöne, trockene Wetter macht es uns einfach, die Arbeit einzuteilen», sagt etwa Robin Haug vom Weingut Haug.

Die Klimaerwärmung sei deutlich spürbar. «Der Wümmet beginnt dieses Jahr sehr früh. Wir ernten bei 30 Grad. Früher fiel die Ernte manchmal sogar in den November, als es bereits schneite», sagt Haug. Er sieht im schönen Wetter Vor- und Nachteile: «Der Zuckergehalt wird bei den hohen Temperaturen gut erreicht. Wichtig ist, dass aber auch noch genug Säure für die Spritzigkeit vorhanden ist und die Trauben nicht nur noch süss sind.» Es sei daher von Jahr zu Jahr eine Herausforderung, den richtigen Zeitpunkt für die Weinlese zu bestimmen, sagt Haug. Mengenmässig werde es wohl ein Durchschnittsjahr. Man sei von etwas mehr Ertrag ausgegangen. «Doch zur Blütezeit Mitte Juni war das Wetter etwas zu kalt.»

Auch das Winzerehepaar Silvia und Peter Vogler kann nicht klagen. «Es ist ein normales Jahr, wir können zufrieden sein», sagt Silvia Vogler. Einzig die vielen Wespen hätten etwas für Probleme gesorgt, weil sie den Saft aus den Beeren gesaugt hätten, erzählt sie.

Mit dem gleichen Problem kämpfte Rebbauer Peter Haug. «Wir mussten Wespenfallen aufstellen, damit die Insekten von den Trauben ablassen», sagt er. Davon abgesehen, sei er erfreut über dieses Weinjahr. «Bis jetzt sieht es sehr gut aus. Wir haben schöne, gesunde Tauben und einen guten Öchslegrad.» Die Schönwetterphase komme ihnen entgegen. «Sobald die ersten Beeren an den Trauben faul sind, wissen wir, dass es Zeit ist, sie zu ernten», sagt Haug. Dank des trockenen Wetters habe man aber keinen Stress. Zudem könnten späte Sorten wie Merlot noch etwas reifen. «Wenn es regnet, muss der Wümmet schnell gehen, weil die Beeren bei feuchtem Wetter rascher faulen.»

Neu ist zudem, dass die Weinflaschen den Namen «Clos Belvedère» tragen werden. Harley Werffeli hat den familieneigenen Wein, den man vorher einfach Weininger Wein nannte, umgetauft und neue Etiketten entworfen. «Belvedère heisst unser Rebhüsli und Clos bedeutet auf Französisch geschlossenes Weingut. Unser Wein stammt ja von einem einzigen Rebstück.»
Den Wein samt neuem Namen wollte Harley Werffeli am abgesagten Rebblüetefäscht vorstellen. Dass das nun ein Jahr warten muss, macht ihm aber nichts aus.

Der Wümmet ist heutzutage kein Chrampf mehr. Früher wurde die Arbeit noch vollständig von Hand erledigt. Heute hat man für alles Maschinen.

(Quelle: Ernst Werffeli, Hobby-Winzer)

«Die meisten Flaschen werden wir für uns behalten, gute Sachen muss man ja nicht immer verkaufen», sagt er und lacht. Der Hobby-Winzer freut sich bereits auf die Degustation des neuen edlen Tropfens. «Mein Vater und ich haben für seinen Weinprobierkeller einen schönen Birnbaumtisch geschreinert. Dort werden wir dann auf das gute Weinjahr 2020 anstossen.»

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