Coronakrise

Eine Million fürs Dietiker Gewerbe: Stadtrat vergibt Corona-Kredite

Das Gewerbe leidet unter der Coronakrise: Der Dietiker Stadtrat will nun Kleinstbetriebe und Selbstständige mit Darlehen unterstützen.

Das Gewerbe leidet unter der Coronakrise: Der Dietiker Stadtrat will nun Kleinstbetriebe und Selbstständige mit Darlehen unterstützen.

Während Grossbetriebe derzeit relativ einfach an Bankkredite gelangen, kommen Selbstständige und Kleinstunternehmer kaum über die Runden. Der Dietiker Stadtrat will dem lokalen Kleingewerbe nun unkompliziert zinslose Darlehen gewähren.

Die Dietiker Sozialabteilung spürt den Druck bereits: Seit die Läden und Geschäfte, die nicht der Grundversorgung dienen, wegen des Coronavirus geschlossen bleiben müssen, ist die Zahl der Anträge und Beratungen gestiegen. «Wir befürchten, dass viele Selbstständige und Kleingewerbetreibende vor dem Ruin stehen», sagt Sozialvorstand Philipp Müller (FDP). Damit es nicht so weit kommt und grösserer wirtschaftlicher Schaden verhindert werden kann, hat der Stadtrat reagiert. Er hat einen Rahmenkredit von einer Million Franken gesprochen, um unkompliziert und unbürokratisch helfen zu können.

Der Zürcher Regierungsrat hat als Soforthilfe für kleinere Betriebe und Selbstständigerwerbende einen Betrag von 15 Millionen Franken zugesichert. Das Geld soll von den Gemeinden, die pro Einwohner rund 10 Franken erhalten, verteilt werden. Für Dietikon wären dies rund 280000 Franken.

Dieser Beitrag würde an den städtischen Rahmenkredit angerechnet, sagt Müller. Derzeit sei aber noch unklar, wann das Geld eingehen werde. «Doch Selbstständige oder Kleinstbetriebe stehen gerade jetzt vor Problemen.» Diese würden nicht wissen, wie sie die Löhne im April bezahlen sollen, wie sie die Rechnung ihrer Lieferanten begleichen sollen. «Ihnen müssen wir rasch helfen», sagt Müller. Deshalb habe der Stadtrat an seiner letzten Sitzung den Kredit gesprochen, um Überbrückungsleistungen gewähren zu können. Der Stadtrat hat den Kredit, über den in normalen Zeiten das Gemeindeparlament zu befinden gehabt hätte, in eigener Kompetenz gesprochen, wie es das derzeit geltende Notrecht vorsieht.

Ein Darlehen, um die Durststrecke zu überstehen

Die Stadt Dietikon orientiert sich bei ihrer Soforthilfe an den Empfehlungen des Zürcher Gemeindepräsidentenverbandes. Anspruchsberechtigt für eine Überbrückungshilfe sind deshalb nur Selbstständigerwerbende sowie Kleinstunternehmen, deren Stellenplan weniger als 200 Stellenprozente aufweist und von denen 100 Prozent durch den Firmeninhaber selber abgedeckt werden.

«Wir gehen davon aus, dass es grössere Unternehmen in dieser Krisenzeit vergleichsweise leichter haben, auf andere Instrumente von Bund und Kanton sowie den Banken zurückzugreifen», begründet Müller diese Einschränkung. Ein grösserer Betrieb habe derzeit unter anderem die Möglichkeit, einfach einen Bankkredit zu erhalten. «Jene Kleinstbetriebe, die derartige Möglichkeiten nicht haben, möchten wir in die Lage versetzen, dass sie die Durststrecke in den kommenden Monaten überbrücken können.» Müller denkt unter anderem an Inhaberinnen und Inhaber von derzeit geschlossenen Coiffeurläden und Dienstleistungsbetrieben oder an selbstständige Physiotherapeuten und Masseure.

Damit eine Überbrückungshilfe geleistet wird, setzt die Stadt im Weiteren voraus, dass sich der Sitz des Unternehmens und der Wohnsitz des Inhabers in Dietikon befindet. Der Betrieb muss zudem am 16. März, als der Bundesrat die sogenannte «ausserordentliche Lage» ausrief, eine Geschäftsaktivität aufgewiesen haben, die aber in der Folge wegen der Coronakrise eingestellt werden musste. Daraus resultierende Liquiditätsengpässe will Dietikon nun ausgleichen. Dies allerdings nur unter dem Vorbehalt, dass die Unternehmerin oder der Unternehmer eine Rückzahlungsvereinbarung unterschreibt.

Denn die Gelder sollen kurzfristig helfen, das unternehmerische Fortbestehen der lokalen Kleinunternehmen zu sichern. Die städtischen Überbrückungsleistungen sind dabei als zinslose Darlehen gedacht. Sobald sich die Situation normalisiert oder wenn finanzielle Mittel aus anderen Quellen zur Verfügung stehen, müssen die Kredite zurückbezahlt werden.

Ob der Dietiker Rahmenkredit ausreicht oder nicht, weiss die Stadt nicht. «Eine solche Situation ist ein Novum, wir betreten Neuland», sagt Sozialvorstand Müller. Es sei ungewiss, wie viele Selbstständige und Inhaber von Kleinstunternehmen ein Gesuch um Nothilfe einreichen werden. «Gibt es einen Ansturm, oder sind es nur ein paar wenige?», fragt Müller. «Wichtig ist, dass wir bereit sind und diejenigen unterstützen können, die eine Überbrückungshilfe benötigen.» Das Geld soll denjenigen zu Gute kommen, die es wirklich brauchen: «Die Stadt Dietikon hat ein Team aus Mitarbeitenden aus verschiedenen Abteilungen gebildet, welche die Gesuche gründlich prüfen werden», sagt Müller.

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