Oberengstringen

Der Quartierkindergarten Haggenacker muss schliessen – ein Nachruf

Noch bis am Freitag fliegen Heissluftballons durch den Kindergarten Haggenacker - dann schliesst er für immer.

Noch bis am Freitag fliegen Heissluftballons durch den Kindergarten Haggenacker - dann schliesst er für immer.

Diesen Freitag verlässt die letzte Klasse den bald 60-jährigen Kindergarten Haggenacker in Oberengstringen.

Mitten im Quartier zwischen der Hönggerstrasse und der Zürcherstrasse in Oberengstringen befindet sich der Kindergarten Haggenacker. Das Gebäude besteht aus zwei sechseckigen Räumen, die über einen Gang miteinander verbunden sind. Der Garten beherbergt die verschiedensten Bäume. Die Tessinerpalme neben dem Kindergarten versprüht einen südländischen Charme, auch wenn Wolken den Himmel bedecken. Im Inneren des Gebäudes riecht es leicht muffig.

Der Boden ist im typischen Schul-Hellbraun gehalten und die Möbel sind alle aus nicht bemaltem Holz. Ein Drache aus Karton schwebt über dem Stuhlkreis des Kindergartens. Noch sind überall Zeichnungen und Basteleien der Kinder aufgehängt. Noch liegen halbfertige Puzzles auf den Tischen und die Fächlein sind mit den Namen der Kinder angeschrieben.

Grosse Umstellung für alle

«Ich glaube, die Kinder haben noch nicht realisiert, dass sie nach den Sommerferien nicht mehr hierher zurückkehren», sagt Jolan Vilalta, eine der zwei Kindergärtnerinnen im Haggenacker. Diesen Sommer wird der Kindergarten nämlich schliessen. Künftig werden die Kinder im Schulhaus Lanzrain den Kindergarten besuchen: «Wir gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Zum einen freuen wir uns auf das neue Gebäude und zum anderen werden wir den Haggen­acker sehr vermissen.» Im neuen Schulhaus warten viele neue Möglichkeiten auf Vilalta: «Wir werden endlich eine richtige Küche haben, einen Beamer und natürlich schönere Möbel.» Dem Haggenacker merke man das Alter an. Unter anderem seien die Toiletten total veraltet. Sie hätten etwa keine Klobrillen und die Spülung sei für die Kinder sehr schwer zu betätigen. Auch organisatorisch vereinfacht sich für die Kindergärtnerinnen am neuen Ort einiges.

 Durch die Nähe zum neuen Schulhaus Lanzrain ergeben sich laut Esther Solimine, Schulleiterin der Kindergärten in Oberengstringen, einige Vorteile: «Die Kinder sind näher an therapeutischen Diensten und dem Hort und können mit anderen Kindern spielen.»

Ein paar Nachteile werden die Kinder des Kindergartens Haggenacker laut Vilalta aber trotzdem haben: «Jetzt können wir mit den Kindern nach draussen gehen, wann wir wollen. Künftig müssen wir das mit den anderen Klassen absprechen.» Die Kindergärtnerin schätzt die Atmosphäre mitten im Quartier: «Wir waren ein wenig wie eine kleine Familie und konnten mit den Kindern hier Tiere und Pflanzen beobachten.» Weil der Kindergarten ins Schulhaus integriert wird, verlängert sich der Schulweg für gewisse Kinder. «Die Anwohner hatten nicht so Freude. Aber die Kinder gehen früher oder später so oder so in eine der Schulen in der Mitte des Dorfes», sagt Schulleiterin Solimine.

Eine Sanierung kommt nicht infrage

Grund für die Schliessung ist der desolate bauliche Zustand des 1961 erbauten Gebäudes. Seit April ist das Dach des Kindergartens nicht mehr dicht und die Wände sind feucht. «Bisher haben wir die Renovationen am Gebäude auf ein Minimum beschränkt. Nun hätten wir den Kindergarten komplett sanieren müssen. Das hätte Kosten im sechsstelligen Bereich verursacht», sagt der Liegenschaftenvorstand von Oberengstringen, Jean Fritz Weber (SVP). «Das wäre in keinem Verhältnis zum Ertrag gestanden. Deswegen haben wir der Schule empfohlen, den Kindergarten zu schliessen», erklärt Weber. Die Schulpflege hat sich darauf in Zusammenhang mit ihrer Strategie der Zentralisierung der Kindergärten für eine Schliessung des Kindergartens entschieden.

Die Gemeinde wird laut Weber das Gebäude als Lager zwischennutzen: «Mit der Zwischennutzung können wir gewährleisten, dass es keinen Vandalismus gibt und die Kontrolle über das Gebäude behalten.» Im Verlaufe dieses Jahres wird die Liegenschaften­komission eine Strategie für die weitere Nutzung ausarbeiten.

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