Es haben sich bereits einige ältere Damen und Herren vor dem Schwimmbad Fondli in Dietikon versammelt. Sie warten darauf, ihre morgendlichen Bahnen schwimmen zu können. Pünktlich um 9 Uhr wird die Zugangstüre aufgeschlossen und die ersten Badegäste des Tages treten ein. «Während der Hallenbadsaison, die von Ende September bis Mitte Mai dauert, besuchen uns vor allem Schulklassen, Gruppen und die Stammgäste», sagt Daniel Schoch. Seit dem 1. Oktober 2018 ist er der neue Betriebsleiter des Fondli. Eigentlich wären er und sein Team bereit für die Freibadsaison, die am Samstag startet. «Das Wetter macht uns aber einen Strich durch die Rechnung. Doch das sind Variablen, die diesen Beruf spannend gestalten und einen zu pragmatischem Handeln zwingen», sagt Schoch.

Von der Bühne ans Becken

Pragmatisches Handeln hat der 55-Jährige auch in seinen diversen beruflichen Stationen gelernt. Aufgewachsen ist Schoch in Niederhasli. «In meiner Jugend spielte ich Eishockey, und beinahe hätte es sogar zu einer Profikarriere gereicht, doch mein Vater wollte, dass ich eine Lehre absolviere», sagt er. Nach dem Abschluss einer Schreinerlehre arbeitete Schoch in Niederhasli, Dielsdorf und Bülach als Profi-Eishockeytrainer. Dass er auch Bühnentalent besitzt, bewies Schoch beim Schweizer Musical-Theater «Space Dream». «Ich performte dort während sieben Jahren als Solist.» Zwischendurch arbeitete Schoch im Sommer jeweils als Saisonbademeister und 2001 trat er die Stelle als Betriebsleiter des Seebads Niederhasli an. Es folgten Jobs im Eventbereich und weitere Stationen bei Freibädern oder Sportanlagen. «Ich beschreibe mich selber gerne als vielseitige und anpassungsfähige Person», sagt Schoch.

«Eltern sind abgelenkt»

Diese Fähigkeiten seien bei der Arbeit im Frei- und Hallenbad auch von Vorteil, denn der Beruf habe sich in den letzten Jahren gewandelt. «Es wird mehr Fachwissen gefordert und es gibt strengere Auflagen bei der Ausbildung», sagt Schoch. Er begrüsse diese Verschärfungen, da die Arbeit mit desinfizierenden Chemikalien nicht ganz ungefährlich sei und im Notfall Leben gerettet werden müssen. Aber auch die Besucherinnen und Besucher der Bäder hätten höhere Ansprüche als früher. «Mit dem Umbau ist man diesen nachgekommen und das Schwimmbad hat dadurch an Attraktivität gewonnen», sagt Schoch. Eine Entwicklung, die er mit Sorge beobachtet, ist der ständige Gebrauch von Smartphones bei den Badegästen. «Eltern sind häufig so abgelenkt, dass sie ihrer Sorgfaltspflicht nicht mehr nachkommen», sagt er. Deshalb wünsche er sich, dass die Gäste wieder mehr offline kommunizieren und den Moment geniessen.

Das Team ist wieder komplett

An seinem Beruf schätzt Daniel Schoch vor allem die Abwechslung. «Mir gefallen sowohl der Kontakt mit den Gästen als auch die technische Arbeit an der Anlage», sagt er. Diese und den Betrieb des Fondli kennen zu lernen und zu verstehen, sei seit seinem Amtsantritt mitunter die grösste Herausforderung gewesen. Schoch musste auch sein Team aufstocken, da mit dem Wechsel des Betriebsleiters auch ein Mitarbeiter aufhörte. Mittlerweile ist sein neunköpfiges Team wieder komplett. «Dieses muss sich jetzt noch ein wenig finden, aber da lasse ich ihnen die Zeit, die sie benötigen», sagt Schoch. Was sich nicht mehr allzu viel Zeit lassen sollte, sei das schöne Wetter. «Mit einem Besuch in unserem Freibad sollen die Badegäste den Stress des Alltags für ein paar Stunden vergessen können.»