Zürich

«Als erster in Zürich-Nord gewählt» – Roman Schmid (SVP) als Präsident des Kantonsrates gewählt

Der neue Kantonsratspräsident Roman Schmid (SVP) erhält Blumen und Applaus von seinem Vorgänger Dieter Kläy (FDP).

Der neue Kantonsratspräsident Roman Schmid (SVP) erhält Blumen und Applaus von seinem Vorgänger Dieter Kläy (FDP).

Roman Schmid (SVP, Opfikon) ist neuer Kantonsratspräsident und damit höchster Zürcher in speziellen Zeiten. Mit 163 Stimmen erzielte der 35-jährige Gartenbautechniker ein sehr gutes Resultat.

«Erstes grünes Ratspräsidium», «einer der jüngsten Kantonsratspräsidenten», «als erster in Zürich-Nord gewählt»: Die Wahl von Roman Schmid (SVP, Opfikon) zum neuen Zürcher Kantonsratspräsidenten sorgte gestern für vielfältige Versuche, das Besondere daran herauszustreichen. Dabei gehört der 35-Jährige sonst eher zu den unauffälligen Kantonsräten, er gilt als stiller Schaffer. Nun darf er sich höchster Zürcher nennen, wenngleich diese Hierarchiestufe normalerweise vor allem symbolischer Natur ist. Doch was ist schon normal in Coronazeiten?

Gewählt hat das Parlament Schmid mit 163 von 170 anwesenden Stimmen an einem speziellen Ort: In der weitläufigen Halle 7 der Messe Zürich, im nördlichen Stadtteil Oerlikon, wo der Kantonsrat wegen der Pandemie derzeit tagt. Hier lassen sich, anders als im Zürcher Rathaus, die Abstandsregeln einhalten. Und so konnte Schmid sagen: «Ich bin der erste Kantonsratspräsident, der in Zürich-Nord gewählt wurde, nahe der Heimat.»

Seine Heimat ist Opfikon. Im Opfiker Gemeinderat sammelte er bereits 2011 Erfahrungen als Parlamentspräsident. Es sei gleichsam seine politische Lehrabschlussprüfung gewesen, sagte er. Die Wortwahl ist kein Zufall: Schmid ist von Beruf Lehrlingsverantwortlicher und Bauführer bei einer Klotener Gartenbaufirma.

«Ein waschechter Ratspräsident»

Doch was sind seine Pläne als Kantonsratspräsident? «Ich werde ein waschechter Ratspräsident sein – ohne repräsentative Aufgaben», sagte Schmid gleich nach der Wahl. Repräsentative Anlässe ausserhalb des Parlaments fallen wegen der Coronapandemie bis auf weiteres aus. Sein Vorgänger Dieter Kläy (FDP, Winterthur) absolvierte noch deren 200, bevor das Virus 50 weitere verhinderte.

Die Beschränkung auf die eigentliche Parlamentsarbeit ist jedoch derzeit speziell genug: «Wir waren die ersten, die aus der politischen Schockstarre auferstanden sind», sagte Schmid und erinnerte damit an das vom Bundesrat Mitte März verhängte Versammlungsverbot; es betraf zunächst auch Parlamente, bis sich der Zürcher Kantonsrat erfolgreich dagegen wehrte. «Wir leben die Demokratie, wir leben die Volksherrschaft», so Schmid weiter. «Wir müssen zeigen, dass wir weiterhin unsere Funktion wahrnehmen können.» Er hoffe, dass der Kantonsrat bald wieder Besucher empfangen und öffentlich tagen könne. Eine Besuchertribüne wie im Zürcher Rathaus gibt es in der Oerliker Messehalle nicht.

Und noch eine politische Ansage machte der Gartenbauer Schmid: «Ich bin stolz, der grünen Branche anzugehören. Wir werden das erste grüne Kantonsratspräsidium sein.» Als ersten Vizepräsidenten wählte der Kantonsrat nämlich Benno Scherrer (GLP, Uster), als zweite Vizepräsidentin Esther Guyer (Grüne, Zürich). Scherrer erhielt 161, Guyer 105 Stimmen. Damit ist die Parteifarbe Grün in dreierlei Schattierungen im Kantonsratspräsidium vertreten.

Schmid betonte jedoch, er sei stolz, der SVP anzugehören. Und Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP), die von Carmen Walker-Späh (FDP) das Regierungspräsidium übernimmt, beschrieb den neuen Kantonsratspräsidenten als «bürgerlich bis in die Zehenspitzen». Dass der Vater zweier Kleinkinder nun das Ratspräsidium ausüben könne, verdanke er der traditionellen Rollenteilung mit seiner Frau. An Schmid gewandt, schloss sie: «Ich hoffe, dass die Coronakrise bald vorbei ist, damit wir dein Präsidium gebührend feiern können.»

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