Urdorf

150'000 Franken gestrichen – die Versammlung stoppt den Alleingang

Das Gemeindehaus in Urdorf. Symbolbild

Das Gemeindehaus in Urdorf. Symbolbild

Stimmberechtigte streichen der Schulgemeinde Urdorf 150'000 Franken für eine Machbarkeitsstudie für die Schulraumplanung.

Die Schulpflege Urdorf kann keine Immobilien-Strategie für die nächsten zehn Jahre ausarbeiten. Die Stimmberechtigten durchkreuzten die Pläne der Behörde am Mittwochabend an der Gemeindeversammlung der Schulgemeinde. Sie strichen ihr einen Investitionskredit von 150'000 Franken aus dem Budget 2020. Dieses Geld war für die Machbarkeitsstudie für das Schulraumprojekt «Vision Schule Urdorf 2030» vorgesehen.

Alt-Gemeinderat Roland Stämpfli (parteilos, früher SVP) stellte im Namen des von ihm kürzlich gegründeten Vereins «einheitsgemeinde-urdorf.ch» den Änderungsantrag. «Ich störe mich an den unkoordinierten Alleingängen und der fehlenden Transparenz vor allem im Bereich Immobilien», sagte er. In der Investitionsplanung der Schulgemeinde seien bis Ende 2023 knapp 17 Millionen Franken ausgewiesen.

Dazu gehörten etwa eine neue Heizung und eine neue Doppelturnhalle beim Schulhaus Bahnhofstrasse. Parallel dazu prüfe die Politische Gemeinde, wie lange die Zentrumsanlage noch durchhalte. Deren Sanierung in den nächsten Jahren koste mehr als 10 Millionen Franken und auch das Freibad warte mit rund 6 Millionen Franken. Stämpfli fordert einen Gesamtüberblick. «Ich verlange, dass die Projekte und Ausgaben für die Immobilien der beiden Güter gleichzeitig vorgestellt werden.»

Stämpfli wies darauf hin, dass sein Verein im Januar die Initiative «Gemeinsame Zukunft in der Einheitsgemeinde Urdorf» einreichen wird. Dies mit Unterstützung der SVP Urdorf, wie er bekannt gab. Seine Argumente leuchteten einem Grossteil der anwesenden 136 Stimmberechtigten ein. 72 Stimmen erhielt sein Antrag, während 42 Stimmbürger den Antrag der Schulpflege unterstützten, dies bei 22 Enthaltungen.

Bedürfnisse ganz Urdorfs einfliessen lassen

Schliesslich genehmigte das Stimmvolk grossmehrheitlich das abgeänderte Budget 2020, das ein Plus von 1,26 Millionen Franken bei einem Steuerfuss von 62 Prozent vorsieht. Stämpfli war an diesem Abend nicht der einzige, der Kritik an der geplanten Machbarkeitsstudie der Schulpflege übte. Der Abstimmung zum Budget 2020 voraus ging die Beantwortung einer Anfrage von sechs Stimmbürgern.

Dazu gehören die Mitglieder der privaten Planungsgruppe, die im Sommer ein Immobilien-Konzept für die Schule und die Gemeinde präsentierten, sowie Vertreter der Urdorfer GLP und der Urdorfer SP. Sie wollten mit der Anfrage Fragen zur Machbarkeitsstudie klären. «Es ist wichtig, dass die Studie breiter gesehen wird, die Bedürfnisse der Vereine, der Gemeinde und der Bevölkerung müssen miteinfliessen», sagte Pia Simmendinger im Namen der Gruppe. Eigeninteressen und Abhängigkeiten, die in der Vergangenheit öfters herrschten, gelte es zu unterbinden.

«Das heisst konkret, dass Serge Bütler von der Landis AG und Thomas Bucher von Bucher Partner Architekten, die gemäss Antwort der Schulpflege der Arbeitsgruppe der Studie angehören, deshalb nicht bei der Ausführung des Projekts involviert sein dürfen», betonte Simmendinger. Grundsätzlich begrüssten sie diese Studie, doch die Art und Weise, wie sie erarbeitet werde, müsse sich verändern.

So weit kommt es nun ohne den Investitionskredit gar nicht. «Die Urdorfer merken, dass es nur noch gemeinsam geht und die Güter nicht mehr im Alleingang planen können», sagte Stämpfli. Enttäuscht zeigte sich Schulpräsidentin Irmgard Struchen (CVP): «Wir verpassen eine grosse Chance», sagte sie. Viele Ideen und Arbeit seien bereits in die Planung geflossen.

«Nun müssen wir einen neuen Weg finden, wie es weitergeht.» Auch Hans Karrer, Leiter der Schulverwaltung, bedauert den Entscheid. «Die Schulpflege ist mitten in ihren Bemühungen, den Gemeinderat, die private Planungsgruppe, das Gewerbe sowie das Kartell Ortsvereine Urdorf mit ihren Bedürfnissen in die Studie einzubeziehen, zurückgebunden worden», sagte er.

Unabhängig davon, ob eine Einheitsgemeinde gebildet werde, dürften zukunftsrelevante Raumbedürfnisse nicht bis auf den Zeitpunkt einer möglichen Fusion der beiden Güter zurückgestellt werden.

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