Leserbeitrag
Weininger Bürger besuchten das Gaswerk-Museum

Urs Niggli
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Eine grössere Schar Weininger Bürgerinnen und Bürger besuchte kürzlich die Ausstellung über das ehemalige Gaswerk in Schlieren. Max Kübler, der von 1948 bis zur Stilllegung 1974 im Gaswerk tätig war, erklärte anhand der gut dokumentierten Ausstellung die Entwicklung des Werks und der Gasproduktion. Er verfasste auch die Geschichte des Gaswerks von 1898 bis 1974 im Neujahrsblatt von Schlieren 1995.

Die ersten Zürcher Gaswerke wurden im Jahr1856 auf dem Platzspitz und im Jahr 1867 an der Limmatstrasse eröffnet. Durch die Zunahme der Bevölkerung und die Eingemeindung stieg der Gaskonsum. Bei der Frage des Standorts für ein neues Werk war auch der Preis für das Land massgebend. In Schlieren kostete das Land damals 1,50 Franken per m2, gegenüber 7 Franken per m2 im Hardhüsli in Zürich. Zudem war ein Gleisanschluss zum Bahnhof Schlieren möglich. Der erste Bau des Gaswerks Schlieren erfolgte 1897/98 und dauerte 15 Monate. Die Eröffnung erfolgte am 20. November 1898. Die Anlage wurde für eine Tagsleistung von 50'000 m3 Gas erstellt. Für die Lagerung des Gases baute man zwei Gasbehälter von je 25'000 m3 Inhalt. Die Gasbehälter wurden über Nacht gefüllt.

Ein Erweiterungsbau erfolgte 1904 bis 1908 auf eine Tagesleistung von 120'000 m3. Dies erforderte einen dritten Gasbehälter von 50'000 m3 Inhalt sowie ein Schwefelreinigungsgebäude. In den Jahren 1912 und 1916 wurde die erste Ofenanlage ersetzt. Die Tagesleistung betrug nun etwa 150'000 m3. Während des ersten Weltkriegs, besonders ab 1917, ging die Kohlenzufuhr aus Deutschland immer mehr zurück. Neben einheimischen Braunkohlen und Schieferkohlen kamen Holz und Torf in Betracht. In den Jahren 1918 bis 1920 wurden rund 28'400 Tonnen Torf vergast. Diese Verarbeitung brachte viele Unannehmlichkeiten mit sich.

Durch Neubauten in den Jahren 1930 bis 1934 und einen weiteren Gasbehälter von 50'000 m3 Inhalt konnte die Gasproduktion auf 250'000 m3 pro Tag gesteigert werden. 1936 wurde zum Ausgleich der Gasabgabe-Tagesschwankungen ein vierter Gasbehälter von 100'000 m3 Inhalt in Betrieb genommen. Als im Kriegsjahr 1942 die Kohlenzufuhr ins Stocken geriet, wurde eine Holzaufbereitungsanlage erstellt und bis Februar 1948 benützt. Die Kohlezufuhr konnte wieder gesteigert werden und die Gasproduktion ging weiter. Mit dem Bau der Erdgastransit-Leitung Holland-Italien durch die Schweiz schloss sich die 1966 gegründete Gasverbund Ostschweiz AG an das europäische Erdgasnetz an. Die Umstellung auf Erdgas erfolgte 1972 bis 1974. Am 6. Mai 1974 ging die Gaserzeugung der Stadt Zürich in Schlieren zu Ende.

Die Stromproduktion musste gewährleistet werden. Dafür war eine 1903 gebaute Dampfmaschine einsatzbereit. Diese war täglich unter Dampf, damit sie bei Bedarf sofort einsatzbereit war. Diese Maschine wurde im Betrieb vorgeführt und fand ebenfalls Bewunderung. Zum Abschluss der interessanten Veranstaltung bot der Bürgergemeinderat ein Gläschen Weininger Wein an.

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