Leserbeitrag
Titularfest Männerkongregation Mariae Himmelfahrt - Solothurn

Ernst Hagmann
Drucken
Bilder zum Leserbeitrag

Bilder zum Leserbeitrag

Die Jesuiten wurden 1646 nach Solothurn berufen, um das Bildungswesen der Stadt auf ein höheres Niveau zu bringen. Bereits im Jahr darauf gründeten sie für die Studenten ihres Kollegs die Männerkongregation Mariä Himmelfahrt und eröffneten anno 1683 auch einen Zweig für Erwachsene. 1689 wurde die Jesuitenkirche vollendet und seither wurde das Titularfest immer in der Jesuitenkirche gefeiert, mit Ausnahme der Jahre 1923 bis 1953, als die Kirche wegen Baufälligkeit geschlossen blieb. In diesem Jahr stand die Stammkirche wegen Restaurierungsarbeiten ebenfalls nicht zur Verfügung.

Der morgendliche Festgottesdienst wurde in die Kirche St. Marien verlegt. Von den insgesamt etwa 120 Mitgliedern der Kongregation beteiligten sich an die 100 an den Feierlichkeiten. Das Titularfest der Kongregation wurde mit dem Feiertagsgottesdienst der Kirchgemeinden St. Ursen, St. Marien und der italienisch-sprachigen Mission verbunden. Dadurch war die Kirche recht gut besetzt. Die Messe wurde vom abtretenden Präses Dr. Anton Cadotsch, dem neuen Präses, dem emeritierten Weihbischof Martin Gächter, und dem Seelsorger der Italienermission zelebriert. Dazu sang der Domchor St. Urs die Messe in C von Anton Bruckner und ein Salve Regina von Michael Haydn. Die eigentliche Amtsübergabe fand später am Nachmittag während der Sakramentsandacht in der Kathedrale statt.

Im Anschluss an den Gottesdienst verschoben sich die Gottesdienstbesucher ins Kirchgemeindehaus St. Marien, wo für alle ein Apéro bereit stand.

Die Mitglieder der Männerkongregation begaben sich darauf ins Restaurant Roter Turm. Dort wurde um 12.30 Uhr das Bruderschaftsmahl serviert. Heinz Rüfenacht, der Präfekt, oder zeitentsprechender, der Vereinspräsident, dankte Dr. Anton Cadotsch für die 19 Jahre, während denen er sich mit grossem Engagement als Präses, also als geistlicher Betreuer, für die Kongregation eingesetzt hatte.

Um 15.30 Uhr versammelten sich die Mitglieder der Bruderschaft zur Sakramentsandacht in der Kathedrale. Dieser Gottesdienst folgt einem alten Ritual und findet vor der grossen barocken Silberfigur „Maria Himmelfahrt“ statt, die 1699 von einem renommierten Silberschmid aus Schaffhausen für die Kongregation geschaffen worden war. Die Feier wurde umrahmt mit Darbietungen des stimmgewaltigen vereinseigenen Männerchors unter der Leitung von Patrik Fluri.

Zuerst wurden die neuen Mitglieder aufgenommen. Dieses Jahr waren es drei, unter ihnen Weihbischof Martin Gächter. Anschliessend sprachen alle das Weihegebet. Dann wurde das traditionelle Kongregationsopfer eingezogen, in diesem Jahr zugunsten der Organisation Kirche in Not, zur Unterstützung der Flüchtlingshilfe.

Nun erfolgte die Übergabe des Amtes des Präses von Dr. Anton Cadotsch an Weihbischof Martin Gächter. Anton Cadotsch verlas das Schreiben des Bischofs von Basel, der darin die Demission von Anton Cadotsch entgegennimmt und auf Vorschlag des Vereinsvorstandes Weihbischof Gächter zum neuen Präses ernennt.

In seiner kurzen Ansprache macht Weihbischof Martin Gächter auf die Gräben aufmerksam, die sich in der Kirche im Hinblick auf die kommende Synode zu Familie und Sexualität zwischen progressiveren und konservativeren Gläubigen öffnen. Er hofft, dass auch Organisationen wie die Männerkongregation dazu beitragen, das komplexe Gefüge zusammenzuhalten. Mit dem gemeinsam gesungenen „Salve Regina“ endete der offizielle Anlass.

Etwas wehmütig stimmt es, wenn man etwa beim Chronisten Franz Wigger liest, dass in der Mitte des 18. Jahrhunderts jährlich 65 bis 70 Eintritt verzeichnet werden konnten, der Verein um die 3‘000 Mitglieder aufwies und das Titularfest der Kongregation ein strahlender Höhepunkt im Jahreslauf der Stadt Solothurn war. Andererseits ist es aber auch nicht selbstverständlich, dass die Kongregation die Zeit überdauert hat und immer noch besteht.. Dies ist eigentlich Grund genug zur Freude und zur Dankbarkeit.

Aktuelle Nachrichten