Leserbeitrag
Sicherheit oder persönliche Freiheit? (Tempo 30)

Nadja Schmidt
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Wichtige Entscheide setzen Dialog, klar begründete Fakten und Expertisen voraus. So fand auch im Vorfeld der Abstimmung zu Tempo 30 in Gelterkinden eine mustergültige Vernehmlassung statt. Und zwar über mehrere Jahre.

Die offen formulierte Petition der SP Gelterkinden zur Sicherheit auf den Gemeindestrassen wurde vor drei Jahren dem Gemeinderat zur Prüfung eingereicht. Das Thema wurde danach immer wieder überregional in den Medien diskutiert. Letzten Januar lud zudem der Gemeinderat die Gelterkinder Bevölkerung zu einer Diskussions- und Informationsveranstaltung ein. Für die Moderation wurde ein externes Büro engagiert. Die verschiedenen Varianten wurden dort präsentiert und ausgiebig diskutiert. Die gewonnen Erkenntnisse und Resultate wurden am Schluss festgehalten und dem Gemeinderat präsentiert. Diese wurden unter Berücksichtigung aller (bis dahin bekannter) Meinungen durch den Gemeinderat geprüft und ausgearbeitet. Der gesamte Prozess mit allen Schritten wurde dokumentiert und ist öffentlich zugänglich.

Nach einem demokratisch transparenten, politischen Prozess wurde am 9.12.2020 der Antrag für die Umsetzung von Tempo 30 auf den Gemeindestrassen der Gemeindeversammlung vorgelegt und der entsprechende Investitionskredit von den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern grossmehrheitlich gutgeheissen.

Jede und jeder in Gelterkinden hatte also die Gelegenheit, sich zum Thema zu äussern, mitzudiskutieren und die persönliche Meinung einzubringen. Bis zur Gemeindeversammlung und Abstimmung am 9. Dezember 2020 gab es jedoch kaum Gegenstimmen oder Einwände.

Nun wird von gewissen Leuten aus dem bürgerlichen Lager gegen den Entscheid der Gemeindeversammlung ein Referendum ergriffen. Die einzigen Argumente, die das Referendumskomitee ins Feld führt, sind die Bevormundung durch Behörden, die Einschränkung der persönlichen Freiheit und die angeblich hohen Kosten, die folgen werden. Dass sie die Sicherheit unserer Kinder, älterer Menschen sowie all jenen, die zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs sind, ausser Acht lassen, stimmt mich nachdenklich. Da muss man nicht Mutter sein, um die täglichen Gefahren zu sehen. Und es braucht nun wirklich keinen tragischen Unfall, um zu reagieren; man darf durchaus auch einmal weitsichtig sein.

Ausserdem verstehe ich überhaupt nicht wie man im Dorf und den Quartieren gegen Tempo 30 sein kann. Jeder vernünftige Mensch fährt ja gar nicht schneller als 30 km/h.

Wo liegt hier das Problem? Bei der vermeintlich persönlichen Freiheit? Geht es da nicht vielmehr um Egoismus?

Nadja Schmidt, Gelterkinden