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Velofahrkurs für Frauen mit Migrationshintergrund 2021: «Ich will mit meinen Kindern Velo fahren»

Laura Leibundgut
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Bild: Laura Leibundgut

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(chm)

Die Motivation für die Teilnahme am diesjährigen Velofahrkurs für Frauen mit Migrationshintergrund war unterschiedlich. «Endlich flexibel unterwegs sein», «nicht immer für den Bus zahlen müssen» oder «mit dem Velo zur Berufsschule fahren», waren genannte Gründe. Der Wunsch, mit den eigenen Kindern Velo zu fahren, wurde jedoch am häufigsten geäussert.

In unseren Breitengraden ist es selbstverständlich, dass Kinder spätestens im Kindergarten das erste Mal auf einem Velosattel sitzen. In anderen Ländern mit anderen Kulturen ist dies jedoch nicht die Regel. Oft fehlen die finanziellen Mittel, ein Velo anzuschaffen, die Strassen eignen sich nicht für Fahrräder oder den Mädchen und Frauen ist es nicht erlaubt. Viele Frauen mit Migrationshintergrund, die nun im Veloland Schweiz leben und arbeiten, werden mit der Tatsache konfrontiert, dass ihre Kinder in der Schule Velo fahren, sie selbst es aber nicht können.

Velofahren zu können bedeutet mehr Flexibilität, Freiheit und Unabhängigkeit. Region Solothurn im Wandel organisiert jährlich zusammen mit so!mobil, Pro Velo Solothurn, und dem Alten Spital den Velofahrkurs für Frauen mit Migrationshintergrund. Zusammen mit engagierten, freiwilligen Helferinnen und der grosszügigen Unterstützung des Kantons, der Energiestadt Solothurn, von Vereinen und Sponsoren, wird das Velofahren für viele Frauen möglich gemacht.

In dem vierteiligen Kurs mit anschliessendem Velotreff üben die Teilnehmerinnen das Fahren, die Verkehrsregeln und das Verhalten im Strassenverkehr. Dieses Jahr haben zwölf Frauen aus fünf Nationen und unterschiedlichen Alters teilgenommen, wovon die meisten noch nie auf einem Velo gesessen sind.

Der Kurs fing mit simplen Gleichgewichtsübungen an, oft bereits eine grosse Herausforderung für die motivierten Teilnehmerinnen. Erinnern sich einige noch an die ersten, schweisstreibenden Autofahrstunden zurück, kann man sich vielleicht in die Situation der Neulenkerinnen auf dem Velo hineinversetzen. Doch die Frauen liessen nicht locker – einige berichteten, dass sie täglich zu Hause mit ihren Kindern das Anfahren üben. Die Freude war deshalb umso grösser, als sie nach dem gefühlt hundertsten Mal Anfahren plötzlich das Gleichgewicht halten konnten und das selbstständige Fahren endlich gelang. Die Ausrufe der Freude waren nicht zu überhören.

Am Schluss des vierteiligen Kurses konnten fast alle Teilnehmerinnen kleine Strecken selbstständig bewältigen und einige unternahmen sogar gemeinsame Ausfahrten auf den nahegelegenen Quartierstrassen. Mit noch etwas Geduld und zusätzlicher Übung werden für die Frauen künftig auch die Veloausflüge mit den Kindern kein Problem mehr sein.

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