leserbeitrag
SRK-Kurs «Angehörige betreuen und pflegen»: Wenn Helfende selbst Hilfe brauchen

Eugen Kiener
Drucken
Teilen
Bild: Eugen Kiener

Bild: Eugen Kiener

(chm)

Wer möchte nicht im Alter möglichst lange in der vertrauten Umgebung bleiben, auch wenn Betreuung und Pflege notwendig werden? Meist sind es Angehörige, die dies garantieren. Im Kurs «Angehörige betreuen und pflegen» des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) erhalten diese Informationen und Ermutigung für ihre Tätigkeit.

Im Kurslokal des SRK Solothurn an der Ringstrasse in Olten haben sich ein Dutzend Frauen und Männer aus allen Teilen des Kantons zusammengefunden. Ein Teil von ihnen ist freiwillig in Betreuungs- oder Besuchsdiensten tätig, andere hoffen im Kurs Unterstützung zu finden für ihr privates, persönliches Engagement.

Die Gespräche in der Gruppe und in der Pause zeigen, dass sich manche Angehörige überfordern. «Mein Mann will partout nicht, dass die Spitex ins Haus kommt; du machst das doch ausgezeichnet, sagt er», erzählt eine über 80-jährige Frau. Eine andere Teilnehmerin berichtet, dass sie in der gleichen Situation war; erst als sie einen Herzinfarkt erlitt, akzeptierte ihr Ehepartner fremde Hilfe. – Ein Mann, noch nicht m AHV-Alter, wendet sich an die Kursleiterin: «Meine Frau und ich haben sehr eng zusammengelebt, wir haben kaum Freunde. Nun ist meine Frau früh an Demenz erkrankt. Für mich macht das Leben keinen Sinn mehr. Ich habe mir schon überlegt, zusammen mit ihr zu gehen.» Die Kursleitung muss einiges auffangen können.

Nachmittags statt abends

«Wir können natürlich nicht auf jedes Problem vertieft eingehen, das von Teilnehmenden im Kurs angesprochen wird», betont Yvonne Ingold, Bereichsleitern Bildung beim SRK Solothurn. «Ziel ist es, pflegenden Angehörigen Gelegenheit zu geben, um sich aussprechen zu können, sich mit Leuten in ähnlichen Situationen zu vernetzen. Wichtig ist, dass die Betroffenen erkennen, dass es Hilfsangebote gibt und wie sie zu diesen kommen und ihr Wissen erweitern können.»

Der SRK-Kurs «Angehörige pflegen und betreuen» ist dank der Unterstützung einer Stiftung kostenlos. Die insgesamt acht Kursteile – je vier werden in Olten und in Solothurn durchgeführt – können einzeln besucht werden. Da es sich bei den Kursinteressierten um ältere Menschen handelt, die abends nicht mehr gerne weggehen und tagsüber eher eine Ablösung für ihre Betreuungsaufgabe finden, ist das Kursangebot vom Abend auf den Nachmittag verlegt worden.

Fachkundig und praktisch

Alle Kursnachmittage sind stark auf die Praxis ausgerichtet. Die Besucherinnen und Besucher erfahren, welche finanzielle Unterstützung staatliche Sozial- und private Hilfswerke bieten, welche konkreten Hilfen ihnen Spitex, SRK usw. offerieren. Noch konkreter auf den Alltag ausgerichtet sind die Themen Kommunizieren mit Menschen mit Demenz, Ernährung im Alter, Bewegung und Immobilität, Abschied nehmen. Der nächste Kursnachmittag findet am 24.2.2022 zum Thema «Die Rollen werden neu verteilt» in Solothurn statt.

Die pflegenden und betreuenden Angehörigen sind eine zentrale Zielgruppe der SRK-Angebote. Der Rotkreuz-Entlastungsdienst bietet Angehörigen von betreuungsbedürftigen Menschen Verschnaufpausen. Nebst den verschiedenen Kursangeboten können auch der SRK-Notruf und der Fahrdienst gezielte Unterstützung bieten.

Eugen Kiener

Kurse und andere Dienstleistungen des SRK

Das SRK Solothurn hat ein breites Angebot von Kursen, die gerade ältere Menschen mit Gewinn absolvieren können. Kursausschreibungen und weitere Dienstleistungen finden Sie unter folgender Adresse:

SRK Kanton Solothurn, Ringstrasse 17, 4600 Olten, Telefon 062 207 02 50

www.srk-solothurn.ch

Legende: Meist sind es Frauen, die Angehörige betreuen, dies zeigt sich auch im Verhältnis von Teilnehmerinnen und Teilnehmern des SRK-Kurses.

Aktuelle Nachrichten