Leserbeitrag
Mellinger Kulturkreis bot zwei Stunden Musikgeschichte

Der Komponist Antoni Dvorak war Thema an diesem interessanten Abend.

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„Couleur en vie", so heisst der Bogen, der sich über das diesjährige Programm des Kulturkreises Mellingen spannt, und was könnte farbiger sein als die Musik, Malerei und das Leben derer, die auf diesem Gebiet tätig sind. Ueli Ganz, selbst ausgebildeter Musiker, bewies es am letzten Dienstag seinen Zuhörern, die ins Forum der Stadtscheune in Mellingen kamen, um sich seine „Geschichten aus dem Böhmerwald" anzuhören. Es ging um das Leben und die Musik von Antoni Dvorak. Es wurden zwei so lehrreiche wie auch spannende Stunden.

Musik und die Malerei haben vieles gemeinsam, so führte der Referent aus. Die Klangfarbe der Musik entspricht dem Farbton in der Malerei. Beide verarbeiten „Motive" und beide streben nach „Harmonie". So lag es nahe, den „Kostproben" der Musik, von denen kleine Ausschnitte zu hören waren, zur Musik passende Bilder an die Leinwand zu projizieren. Da Dvorak, wie auch seine Zeitgenossen Smetana, Schumann und Brahms, um nur einige zu nennen, zu den Romantikern gehörte, waren es Bilder von Casper David Friedrich, dem wohl romantischsten der malenden Romantiker.

Dvorak, am 8. September 1841 unweit von Prag als erstes von neun Kindern geboren, lernte schon als Kind mit der Geige und dem Klavier umzugehen. Er ging sechszehnjährig zur Opernschule nach Prag. Nach seiner Ausbildung schlug er sich elf Jahre lang als Tanzmusiker durchs Leben und war damit zunächst für die ernsthafte Musik bis zur Gründung des ersten Theaters in Prag gebrandmarkt. Dann wurde aber das Tanzorchester vom Theater übernommen, was Dvorak als Orchesterleiter Möglichkeiten bot, sich als Komponist zu profilieren.

Das war der Punkt, von dem an anhand der zu Gehör gebrachten Beispiele aus den Kompositionen Dvoraks Ueli Ganz seinem Auditorium die Möglichkeit bot, die Entwicklung des wohl berühmtesten tschechischen Komponisten nachzuvollziehen. Er zeigte, wie die Musik von den augenblicklichen Lebensumständen des Komponisten beeinflusst wurde. Spannend und interessant war aber auch, wie wichtig es war, einen bereits arrivierten Fürsprecher zu haben, der dem Komponisten die Tür zu einem kompetenten Verleger öffnete. Im Falle Dvoraks war es Johannes Brahms. Neu war vielen sicher auch, das Dvorak, berühmt und von der Universität von Cambridge mit Ehren bedacht nach New York gerufen wurde, um den USA zu einer nationalen Musik zu verhelfen. Der Versuch gelang nur teilweise. So schön auch seine Kompositionen gewesen sein mochten, es waren, von einigen „farbigen" Akzenten der Südstaaten abgesehen, böhmische Kompositionen.

Johannes Schober

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